Erstellt am 23. Mai 2011, 20:57

Manipulation bei Sturm-Siegestor?. Edin Salkic könnte zum Meistermacher von Sturm Graz avancieren. Mit einem kuriosen Handspiel hat der Offensivspieler von Wiener Neustadt seinem Ex-Club am Sonntag den Weg zum Titel in der Fußball-Bundesliga geebnet.

Sturm-Routinier Samir Muratovic nahm wenige Minuten vor dem Schlusspfiff das "Geschenk" seines bosnischen Landsmannes dankend an und verwertete den fälligen Elfmeter zum Siegestreffer.

Salkic sah die Gelbe Karte und versteckte nach dem Missgeschick sein Gesicht im Trikot. Eine öffentliche Stellungnahme zur womöglich meisterschaftsentscheidenden Aktion wollte der 21-Jährige am Tag nach dem Spiel nicht abgeben. Die Tageszeitung "Kurier" zitierte Salkic folgendermaßen: "Ich habe nur gespürt, dass der Ball meine Hand berührt hat, ich wusste nicht, dass diese so weit oben war." Sein Trainer Peter Schöttel, dessen Nachfolger Peter Stöger heißen könnte, merkte an: "Ich will ihm nichts unterstellen, aber die Optik ist keine gute." Sturms Sportdirektor Oliver Kreuzer war froh, "dass Salkic kein Sturm-Graz-Spieler mehr ist."

Bundesliga-Vorstand Pangl schloss Konsequenzen aus. "Die Liga hat rechtlich gegen ihn nichts in der Hand. Wir können ihn nicht anklagen oder vorladen", erklärte Pangl. "Die Situation ist sehr unangenehm", meinte Wiener Neustadts Team-Manager Christoph Ungerböck. Vehement wischte man in Wiener Neustadt jedoch die angeblichen Nahverhältnisse zwischen Salkic und Sturm vom Tisch. Genauso wenig will man sich auf etwaige Diskussionen einlassen, weil beide Clubs von Magna gesponsert werden.

"Salkic ist kein Sturm-Leihspieler. Und er geht auch nicht zu Sturm zurück", erklärte Club-Manager Alex Gruber. Gruber betonte, dass Wiener Neustadt Salkic in der vergangenen Winterpause von Sturm verpflichtet hat. Am 30. April habe man dann die Option auf eine weitere Zusammenarbeit gezogen. "Der Spieler gehört also bis 31. Mai 2012 Wiener Neustadt. Und wenn wir die Option ziehen, sogar bis 2013", berichtete Gruber.

Einen Sonntag voller aktionsgeladener Wendungen erlebte auch Austria-Coach Karl Daxbacher. Zunächst die Vorfälle im Hanappi-Stadion, danach die für die Austria bittere Schlussphase in Wiener Neustadt. "Man könnte meinen, dass ich zu subjektiv bin, um hier etwas zu sagen. Aber dieses Hands war schon sehr erschreckend und schockierend. Das gibt schon zu denken, aber was kann man machen?", meinte Daxbacher.

Mit dem Abbruch des Spiels in Hütteldorf entging der Austria auch die theoretische Chance auf einen deutlich höheren Erfolg als 2:0 oder 3:0 und somit ein zusätzliches Aufpolieren der Tordifferenz. Die würde am Mittwoch im Falle eines Austria-Sieges und eines Unentschiedens von Sturm Graz den Ausschlag im Meisterkampf geben. "Dadurch werden weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet", sagte Daxbacher.

"Krone": Spielabsprache-Verdacht erhärtet

In der Causa Salkic hat sich gemäß einem Bericht der "Kronen Zeitung" (Dienstag-Ausgabe) der Verdacht der Spielabsprache erhärtet. Das in Bludenz ansässige Wettfrühwarnsystem "Asian Monitor Early Warning System" habe bei der 1:2-Niederlage Wiener Neustadts verdächtige Daten auf dem asiatischen Markt festgestellt.

Wie die "Kronen Zeitung" berichtete, sollen in Asien sechsstellige Pfundbeträge auf das Spiel gesetzt worden sein. Dies entspräche dem Siebenfachen der bei einer solchen Partie üblichen Beträge. Weiters habe es vor und während des Spiels extreme Quoten-Veränderungen gegeben. Auf dem österreichischen Wettmarkt hatte das Frühwarnsystem nicht angeschlagen.

Bundesliga-Hauptsponsor tipp3 wollte Spekulationen vorerst nicht Tür und Tor öffnen. "Es gibt eine Task Force in Österreich. Hier sind keine auffälligen Wetteinsätze vorgekommen. International gibt es Gerüchte, wonach es hohe Wetteinsätze gegeben hat. Wir müssen dies nun analysieren und die Schlüsse ziehen", meinte der Vorstandsvorsitzende Philip Newald am Montagabend.

Ein auffälliges Wettverhalten könne verschiedene Gründe und Motivationen haben. Voreilige Schlüsse könne man daraus aber nicht ziehen. "Ein schlüssiges Datenmaterial liegt in ein, zwei Tagen vor", erklärte Newald.