Erstellt am 12. März 2012, 19:27

Mario Scheiber tritt zurück. Verletzungen, Krankheiten und immer wieder erfolgreiche Comebacks haben die Karriere von Skirennläufer Mario Scheiber geprägt. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Schladming gab er nun seinen Rücktritt vom alpinen Skirennsport bekannt.

Jedes Mal hat er sich nach Rückschlägen zurück an die Spitze gekämpft. Der 29-jährige Mario Scheiber ist des Kämpfens nicht müde geworden, doch der Zustand seines rechten Knies verschlechterte sich zunehmend und die Risikobereitschaft ging verloren. "In Sotschi ist das erste Mal die Angst mitgefahren, das hat sich dann fortgesetzt", sagte der Osttiroler, der am Montag in Schladming seinen Rücktritt vom aktiven Rennsport bekanntgab.

Ob seines Talents und des Gefühls auf Schnee galt Scheiber als potenzieller Anwärter auf den Gesamtweltcup, doch unterbrachen "sechs, sieben, acht Operationen" den Werdegang immer wieder. Er riss sich Kreuzband und Meniskus, erlitt Schulterluxation und Gehirnerschütterung, brach sich Schlüsselbein und Nase. Medaillen aus dem Junioren-Alter hat er daheim, bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften blieben sie ihm verwehrt. Ebenso wie ein Weltcupsieg. Er landete in 109 Weltcuprennen 13 Mal auf dem Podest, wurde in Abfahrt und Super-G neunmal Zweiter und viermal Dritter. "Leider ist sich der große Erfolg nicht ausgegangen, aber ich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden."

Der Vater einer acht Monate alten Tochter hat noch keine konkreten beruflichen Zukunftspläne, jetzt will er erst einmal die Entscheidung verdauen und in den Kopf bekommen, dass er kein Spitzensportler mehr ist. Und Zeit mit seiner Familie genießen. Schon vor einem Jahr, nach dem Sturz in Chamonix im Jänner 2011, hatte Scheiber Abschiedsgedanken gehegt. "Da habe ich so einen Blödsinn dahergeredet, weil ich auf den Kopf gefallen bin. Es war es aber auf alle Fälle wert, dass ich weitergemacht habe. Ich habe im Sommer konditionell sehr gut trainiert, habe mich wieder auf die Ski gestürzt und wollte es noch einmal wissen. Ich hatte im Kopf, dass die letzten Comebacks auch immer super gelaufen sind", erklärte er.

Doch dieses Mal war es anders, Scheiber laborierte zunehmend an Magenverstimmungen, hatte Bauchkrämpfe und Erbrechen. Scheiber führte das auf die Schmerzmittel zurück, die er seit sieben Jahren nimmt. Leistungsmäßiges Skifahren ohne Voltaren war für ihn nicht mehr möglich, vergaß er die Tablette, schwoll das Knie an. "Die ganze Saison war zu vergessen, das rechte Knie ist immer schlechter geworden, es hat während des Skifahrens immer gezwickt. Das ist der Hauptgrund, warum ich die Karriere beende", begründete Scheiber seinen Entschluss, den er in einem Gespräch mit Rennsportleiter Mathias Berthold Anfang März in Kvitfjell gefällt hatte.

Knie und verloren gegangene Risikobereitschaft spielten zusammen. "Ich habe zurückgeschaltet, um gesund ins Ziel zu kommen. Dann bist du halt zweieinhalb, drei Sekunden hinten. Und die anderen riskieren extrem, ich habe gesehen, dass ich nicht mehr mithalten kann, dass ich die Risikobereitschaft nicht mehr aufbringen kann." Bei den Rennen im Februar auf der Olympiapiste von Sotschi 2014 ist für ihn dann Entscheidendes passiert. "Da waren große Sprünge, schwierige Kurven, eine anspruchsvolle Piste. Da ist das erste Mal die Angst mitgefahren. Das hat sich dann so fortgesetzt, auch im Super-G."

Spaß am Skifahren hat er nach wie vor, und trotz seiner Leidensgeschichte will er niemandem davon abraten. Im Gegenteil. "Der Job hat mir irrsinnig getaugt, es ist ein super-cooler Sport. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Und ich hatte mich daran gewöhnt, dass es ein bisserl zwickt. Ich kann nur sagen, jeder der es machen will, soll es probieren, wenn er Talent, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit hat", sagte Scheiber, für den einer der schönsten Momente der Karriere der zweite Platz 2008 in der Abfahrt von Kitzbühel war.

Berthold schmerzt der Abschied Scheibers. "Für uns als Mannschaft und für mich persönlich finde ich es sehr schade. Es war in den vergangenen zwei Jahren ein Auf und Ab, wie es mehr nicht sein kann. Ich habe seinen enormen Einsatz sehr geschätzt. Aber die Verletzungen und Krankheiten den ganzen Winter hindurch, da blutet es einem als verantwortlicher Trainer das Herz, wenn man das sieht."

Es tue weh, dass Scheiber nun nicht mehr in der Mannschaft dabei sein werde. "Ich habe in ihm immer einen gesehen, der von seinem Denken her so ist, wie ich es früher als Läufer war." Und über Scheibers vielgelobtes Talent meinte Berthold: "Erstaunlich, wie er technisch Skifahren kann."