Erstellt am 18. Juli 2014, 07:01

von Bernhard Fenz

Vastic: „Frage ist nicht, was mir gefällt“. Heute Freitag startet Mattersburg gegen Innsbruck in die neue Saison. Die BVZ fragte im Vorfeld bei Trainer Ivo Vastic nach.

Neues beim SVM? Im Frühjahr wurde mit Fran Sanchez (l.) erstmals ein spanischer Legionär verpflichtet, aktuell betreut Trainer Ivo Vastic seit der Verpflichtung von Jano (r.) sogar ein Duo von der iberischen Halbinsel. Neu soll aber auch der Stil der Burgenländer werden - Vastic fordert eine kollektive Siegermentalität ein. Foto: Bernhard Fenz  |  NOEN, Bernhard Fenz

BVZ: Ende Mai stand Mattersburg noch mitten im Abstiegskampf der Ersten Liga. Am Freitag startet die neue Meisterschaft mit dem Heimspiel gegen Wacker Innsbruck – da will der SVM eine weit bessere Rolle spielen. Wie kann das funktionieren?
Ivica Vastic: Die Mannschaft ist mittlerweile gut zusammengewachsen und hat gezeigt, was in ihr steckt – speziell in schwierigsten Phasen. Das hat man ja auch in der letzten Saison-Runde beim 2:1 in Altach gesehen. Diesen Trend wollen wir fortsetzen.

„Entscheidend kann sein, dass ein positiver Druck entsteht“

Stimmt die Qualität?
Wir haben uns gut verstärkt, noch dazu kommt auch der eine oder andere Verletzte zurück – etwa ein Manuel Prietl oder ein Markus Pink. Der Kader ist größer, aber qualitativ sind alle noch enger zusammengerückt, das merkt man auch im Training. Jeder will sich für die Startelf empfehlen. Das alles stimmt mich zuversichtlich.

In der letzten Saison entpuppte sich der Abstiegsschock als Hemmschuh. Was muss sich jetzt ändern im Vergleich zu 2013?
Wichtig wird sein, mit welcher Einstellung wir in die Meisterschaft gehen. Jeder Punkt und jedes Tor sind wichtig, genau so müssen wir in das erste Spiel gehen – das ist genauso wichtig wie unser letztes Match in Altach. Natürlich wird es ein schwieriges Unterfangen, die Spannung so zu halten, aber mit dieser Einstellung muss man sich eine Siegermentalität aneignen – egal ob daheim oder auswärts.

Und dann?
Entscheidend kann sein, dass ein positiver Druck entsteht, der sich entsprechend auswirkt – Stichwort Chancenauswertung. Wir hatten gegen jeden Gegner unsere Möglichkeiten. Jetzt, mit der Erfahrung der letzten Saison, sollten wir das Gelernte auch in die neue Meisterschaft mitnehmen.

„Nicht einem 0:3 nachlaufen, weil wir schön kicken wollten“

Es ist kein Geheimnis, dass der SVM in der Ersten Liga weiter vorne mitspielen will. Mit welcher Art von Fußball – was würde Ihnen denn gefallen?
Die Frage ist nicht, was mir gefällt, sondern: Was kann die Mannschaft am besten umsetzen? Was haben wir für Spielertypen in der Mannschaft? Wie können wir erfolgreich Fußball spielen? Es geht nicht um die Spielart oder um einen Schönheitspreis, sondern um das bestmögliche Ergebnis.

Wie wollen Sie das bestmögliche Ergebnis erreichen?
Wir müssen zielstrebig sein. Natürlich gibt es den Wunsch, dass wir auch schön und attraktiv spielen, die Partie kontrollieren, viel in Ballbesitz sind und dann den richtigen Zeitpunkt treffen, um dem Gegner wehtun zu können. Ob wir diese Qualität haben, ist schwer zu sagen, aber wir arbeiten tagtäglich in diese Richtung.

Inwiefern ist in diesem Zusammenhang ein eigenständiger „SVM-Spielstil“ nötig?
Klarerweise wollen wir einen erkennbaren eigenen Stil haben und versuchen, den zu perfektionieren. Aber man muss sich auch als Trainer anpassen. Es hilft nichts, wenn ich von hinten heraus spielen will und dann bekommen wir aufgrund eigener Fehler drei Tore – etwa wenn wir hinten zu schlecht spielen. Dann laufen wir einem 0:3 nach, weil wir schön kicken wollten. Viele Faktoren spielen hier mit, es hängt auch einiges vom Gegner ab. Ich glaube aber, dass wir imstande sein werden, guten, zielstrebigen Fußball nach vorne bieten zu können.

„Wir wollen uns verbessern und nach oben orientieren“

Werden die Neuzugänge Jano, Karim Onisiwo und Michael Perlak rasch einschlagen?
Das Gefühl ist gut. Jeder hat auf seine Art und Weise Potenzial, uns weiterzuhelfen. Wir haben sicher die richtigen Spieler verpflichtet, die gut zu uns passen – auch vom Charakter.

Ihr Vertrag wurde verlängert und läuft nun zwei Jahre. Wie lautet Ihr sportlicher Plan für diesen Zeitraum?
Dass wir uns verbessern und man die Entwicklung sieht. Natürlich wird ein Trainer nach Resultaten gemessen, wir müssen aber trotzdem auch reifen. Wann dieser Prozess in Ergebnisse umgewandelt wird, ist schwierig zu sagen. Ich bin aber sicher, dass das auf Dauer Früchte tragen wird.

Hat die Mannschaft das Potenzial, um in der neuen Saison den Titel zu holen?
Ich glaube schon. Das hängt aber nicht nur von uns ab, sondern auch von den anderen Klubs. Wir wollen uns verbessern und nach oben orientieren, dann wird man sehen, wie sich die Lage entwickelt. Die Zielformulierungen kann man immer flexibel halten und von Periode zu Periode auch verändern.

Macht es Sinn, vorab eine Platzierung als Ziel anzugeben?
Nein. Ich will mich nicht festlegen und sagen, wir wollen Vierter, Dritter oder was auch immer werden. Wichtig ist jetzt, eine Siegermentalität zu formen. Dass wir in dieser Liga gegen jeden gewinnen können, hat man gesehen.

„Es hat sich viel verändert in der Ersten Liga“

Können Sie ausschließen, dass sich die neue Saison ähnlich wie die letzte entwickelt?
Die Frage wird sein, welche Dynamik entsteht – natürlich kann man mit einem guten Start die Gegner unsicherer machen. Wir sind auf jeden Fall kontinuierlicher geworden, was es heißt, gute Leistungen abzurufen.

Also ist es unwahrscheinlich, wieder nur gegen den Abstieg zu spielen?
Folgt noch einmal so eine Saison, in der wir gegen den Abstieg spielen, ist auch für mich keine Entwicklung da. Genau diesen Punkt wollen wir erfüllen. Wir wollen weiter nach oben kommen. Dann sehe auch ich, ob ich meine Arbeit gut gemacht habe oder nicht.

Sie wollen vorne mitspielen. Welche Mannschaften werden beim Kampf um die Spitzenplätze noch mitmischen?
Es hat sich viel verändert in der Ersten Liga. Auf jeden Fall werden Lustenau, Innsbruck und St. Pölten vorne dabei sein. Der LASK könnte vielleicht auch überraschen. Ich kenne den Verein zu gut, dieser Klub mit dem Stadion und dem Fanpotenzial gibt sich nicht schon in der zweithöchsten Spielklasse zufrieden.

Interview: Bernhard Fenz


Erste Liga-Auftakt:

  • 1. Runde, Freitag, 18.30 Uhr: Mattersburg - Innsbruck, Austria Lustenau - FAC, LASK - Kapfenberg, Hartberg - Liefering. Montag, 19.30 Uhr: St. Pölten - Horn.

  • 2. Runde, Freitag, 25. Juli, 18.30 Uhr: Horn - SVM, Liefering - FAC, Innsbruck - Austria Lustenau, LASK - Hartberg. Montag, 28. Juli, 19.30 Uhr: Kapfenberg - St. Pölten.

  • 3. Runde, Freitag, 1. August, 18.30 Uhr: St. Pölten - LASK, FAC - Horn, Liefering - Austria Lustenau, Kapfenberg - Innsbruck; 20.30 Uhr: Hartberg - SVM.