Erstellt am 29. August 2015, 20:27

von Bernhard Fenz

Mattersburger Gala bei Rapid. Was für eine herrliche Auswärts-Vorstellung des SV Mattersburg gegen Tabellenführer Rapid Wien! Die Burgenländer nutzten eine rund 85-minütige numerische Überzahl perfekt aus.Sie

 |  NOEN, HANS PUNZ (APA)

Sie ließen sich auch vom zwischenzeitlichen Ausgleich nicht aus dem Konzept bringen und setzten sich am Ende völlig verdient mit 4:2 durch. Damit gelang dem Neuling der Tipico Bundesliga in der aktuellen Saison auch der erste Erfolg in der Fremde. 

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RAPID – MATTERSBURG 2:4. Die Rapid-Fans hatten noch die sentimentalen Worte von Andy Marek anlässlich seines 500. Spiels in Folge als grün-weißer Stadionsprecher in den Ohren und sangen sich gerade warm für den Sturmlauf Richtung Mattersburg-Tor, als es urplötzlich still wurde. Bereits nach fünf Minuten musste Rapid-Goalie Richard Strebinger mit Rot vom Platz.

Der 22-Jährige wollte einen weiten Ball des SVM mit dem Fuß zu einem Mitspieler leiten, bediente aber Thorsten Röcher, dessen Direktschuss er nur noch mit den Händen – und das ganz klar außerhalb des Sechzehners - abwehren konnte. Logische Folge: Ausschluss. Louis Schaub musste daraufhin Ersatzgoalie Tobias Knoflach Platz machen, der beim anschließenden Freistoß von Jano aber nicht eingreifen musste – das vom Spanier getretene Runde ging über die Latte. 

Ersten Top-Chancen für Prietl und Onisiwo

 Am Spiel an sich änderte sich aber vorerst trotz der numerischen Überzahl der Burgenländer wenig. Der Leader aus Wien machte keine Anstalten, defensiver aufzutreten. Eine knappe Viertelstunde später schlug Mattersburg aber dann Kapital aus den größeren Räumen und setzte zudem durch entsprechend aktives Auftreten selbst klare Zeichen – innerhalb weniger Minuten fanden Manuel Prietl (er konnte einen Abpraller nach einem Stangler nicht bändigen und verzog) sowie zweimal Karim Onisiwo (scheiterte zweimal an Knoflach) Top-Gelegenheiten vor, alleine der Torerfolg blieb aus.

Spätestens da hatte der Aufsteiger klar die Kontrolle über die Partie, Rapid konnte da nur bei einem Vorstoß von Florian Kainz aus spitzem Winkel so etwas ähnliches wie Gefahr erzeugen. Richtig brannte es im SVM-Strafraum erst wieder in Minute 35, als Nedeljko Malic in höchster Not gegen den durchbrechenden Deni Alar retten musste. 

Erst hinten Kuster zur Stelle, dann vorne Perlak – 0:1

 Wenig später folgte dann die bis dahin beste Gelegenheit der Partie – und der Beginn zweier hochspannender Minuten. 39.: Malic verschätzt sich und verpasst den Ball per Kopf, dieser wird quergespielt auf Alar, der auf Kuster zuläuft, aber im Goalie seinen Meister findet (tolle Fußabwehr). 40.: Super Aktion des SVM zum 0:1. Der Ball findet den Weg nach vorne und wird zum durchstartenden Michi Perlak weitergeleitet – dieser hebt die Kugel wunderbar über Knoflach zum 0:1 ins Netz. 

Kurzes Rapid-Comeback, dann war Mattersburg einfach nur eiskalt

Nach Wiederbeginn dauerte es, bis der SV Mattersburg wieder ins Spiel fand. Genau in dieser Phase gelang den Hütteldorfern dann auch prompt der Ausgleich. Minute 50: Flanke von Kainz auf Schobesberger, der volley querlegt – Deni Alar setzt sich gegen Thorsten Mahrer durch und verwertet.

Plötzlich schöpften die Rapid-Fans wieder Hoffnung, diese währte aber nur kurz. Denn die Burgenländer schlugen eiskalt zurück, und wie. Minute 60: Onisiwo auf Perlak, der steckt durch auf Thorsten Röcher, dessen knallharter Schuss via Innenstange-Innenstange ins Netz geht – 1:2. Minute 63: Unglaublicher Alleingang von Karim Onisiwo, der den Ball auch noch herrlich locker zur Mitte bringt, wo Markus Pink nur noch einschieben braucht – 1:3.

In der Folge fanden Pink und Onisiwo weitere tolle Möglichkeiten vor, den Mattersburger Schlusspunkt sollte aber ausgerechnet noch Verteidiger Thorsten Mahrer setzen. Er schaltete sich im Zuge eines raschen Gegenstoßes in einen Konter ein, wurde dabei vom überragenden Michi Perlak perfekt bedient und schob schließlich zum 1:4 ein. Der zweite Treffer des Tabellenführers durch Steffen Hofmann sollte letztlich nur noch Ergebniskosmetik sein – am perfekten Mattersburger Fußballabend sollte das nichts mehr ändern.  


Stimmen zum Spiel 

SVM-Trainer Ivo Vastic: „Wie schwierig es mit einem Mann weniger ist, haben wir unlängst gegen die Austria spüren müssen. Wir haben aber mutig und clever nach vorne gespielt. Die Mannschaft hat sich heute selbst belohnt und alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“

Rapid-Trainer Zoran Barisic: „Das ist sehr sehr ärgerlich. Wir waren heute im Körper und auch im Geist leer.“
 
SVM-Kapitän Patrick Farkas: „Wir haben gewusst, dass Rapid im Europacup Kräfte gelassen hat. Das haben wir ausgenutzt und verdient gewonnen. Wenn wir weiter so auftreten, können wir gegen jeden drei Punkte machen.“
 
SVM-Stürmer Markus Pink: „Die schnelle rote Karte hat uns natürlich in die Karten gespielt. Danach haben wir eine gewisse Zeit gebraucht, um zur ersten Chance zu kommen. Mit dem 1:0 waren wir dann die tonangebende Mannschaft, hätten am Ende sogar noch höher siegen können.“
 
SVM-Mittelfeldspieler  Michael Perlak: „Es ist einfach sehr schön auswärts gegen Rapid zu gewinnen. Diesen Erfolg haben wir uns auch verdient. Es war ein wirklich gutes Spiel von uns.“

Statistik

RAPID – MATTERSBURG 2:4 (0:1) .- Torfolge: 0:1 (40.) Perlak, 1:1 (50.) Alar, 1:2 (60.) Röcher, 1:3 (63.) Röcher, 1:4 (78.) Mahrer, 2:4 (81.) Hofmann.
Rot: Strebinger (5., Handspiel).
SR: Drachta.- Happel-Stadion, 14.300.
Rapid: Strebinger; Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Auer; Petsos, Schwab (67. Hofmann); Schobesberger, Schaub (6. Knoflach), Kainz (Prosenik); Alar.
SVM: Kuster; Höller, Malic, Mahrer, Farkas; Jano, Prietl; Onisiwo, Perlak (85. Sprangler), Röcher (73. Grgic);  Pink (75. Templ).