Erstellt am 31. Dezember 2014, 07:13

von Bernhard Fenz

Mattersburgs Spätberufener. Mit 24 Jahren hat Thorsten Mahrer den Profi-Durchbruch geschafft.

Thorsten Mahrer.  |  NOEN, Bernhard Fenz
Kein Wunder, dass Thorsten Mahrer den ehemaligen französischen Teamspieler Patrick Viera als Vorbild anführt. Unaufgeregt, abgebrüht, einfach richtig cool ist es, das Auftreten des Mattersburg-Innenverteidigers in der Sky Go Ersten Liga. Mehr noch: Neben dem stets ruhigen Defensivverhalten wurde der Niederösterreicher auch bei Standards offensiv gefährlich – das belegen drei Tore.

„Ich bin nicht leicht aus der Ruhe zu bringen,
das ist ein Vorteil von mir.“
Thorsten Mahrer über eine seiner positiven
Eigenschaften. Der 24-Jährige strahlt auch
in der Defensive Ruhe aus.

Dabei hat der Jungakademiker (im Sommer schloss er auf der FH Wiener Neustadt das Wirtschaftsberatungs-Studium mit dem Bachelor ab) das Profigeschehen Anfang des Jahres noch eine Etage weiter unten beobachtet, quasi als Routinier bei den Amateuren.



Ende Jänner feierte Mahrer schließlich seinen 24. Geburtstag – üblicherweise werden beim SVM die potenziellen Profikandidaten aber bereits in jüngeren Jahren raufgezogen. Nicht so beim gebürtigen Dreistettener, den seine Mitspieler aufgrund der Spielart den Spitznamen „Holger“ (angelehnt an Bayerns Holger Badstuber) verpasst haben.

Zwangspause durch Jochbeinbruch bremste ein wenig

Er rief seine Leistungen beharrlich bei den Amateuren ab, ehe er im Lauf des Frühjahrs oben eingesetzt wurde, zweimal über die volle Distanz zum Einsatz kam und schließlich in der Sommervorbereitung offiziell in den Kader von Ivo Vastic beordert wurde. Seitdem hat er einen defensiven Stammplatz inne.

Hätte ein im Spiel gegen den FAC erlittener Jochbeinbruch keine Zwangspause bedingt, stünde wohl noch mehr Spielzeit als die 16 Einsätze in 20 Partien (1.400 Minuten) auf der Haben-Seite.

Sei‘s drum. Mahrer hat den Sprung geschafft – nur das zählt für die persönliche Bilanz: „Mit diesem Jahr muss ich zufrieden sein. Dass alles so passieren wird, war nicht vorhersehbar. Es ist relativ schnell gut gegangen.“

Vom kleinsten Platz über Rapid zum SVM

Spät, aber doch. Dabei war der Weg Richtung Fußball-Elite lange bereits vorgezeichnet. Als Kind startete die Laufbahn beim WSV Oed/Waldegg – irgendwie fast logisch. Dort, wo Mahrers Vater Hermann, mittlerweile in der 1. Klasse Süd/NÖ bei Winzendorf Coach, vor Jahren Trainer und Spieler war – begann alles.

Der Sportplatz im Bezirk Wiener Neustadt wird Insidern übrigens aufgrund seiner außergewöhnlich kleinen Maße ein Begriff sein. Größer wurde die Sache dann von der U9 bis zur U18, da war Thorsten Mahrer im Nachwuchs von Rapid tätig.

x  |  NOEN, GEPA pictures/Florian Ertl
Dieser Schritt ist insofern beachtlich, als der Nachwuchsspieler parallel zur sportlichen Tätigkeit in Wien das Bundesgymnasium Zehnergasse in Wiener Neustadt (wo übrigens auch Amateure-Coach Heinz Griesmayer unterrichtet) bis zur Matura besuchte.

Danach erfolgte der Transfer zum SV Mattersburg, wo er einige Saisonen lang aber nicht über die Amateure hinauskam.

Dass der Defensiv-Kicker auf dem Weg zum möglichen Profi da Ruhe bewahrt hat und in Mattersburg geblieben ist, steht in direktem Zusammenhang mit den grün-weißen Bedingungen für den Unterbau. „Zu Beginn habe ich geschaut, dass ich mir durch das begonnene Studium ein zweites Standbein schaffe, deshalb hatte ich auch keinen Druck – zudem hat es bei den Amateuren einfach gepasst.“

Umstellung von der Ostliga fiel nicht schwer

Jetzt könne er sich längst voll auf Fußball konzentrieren, die Geduld hat sich also gelohnt. Bei den Testspielen im Sommer sei Mahrer, wie er erzählt, zwar noch nicht so souverän gewesen („Anfänglich war ich etwas nervös“), allerdings habe sich das dann gelegt: „Ich bin nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, das ist ein Vorteil von mir.“

Die Umstellung von der Ostliga auf die Erste Liga fiel demnach nicht schwer, auch wenn klar war: „Natürlich ist es etwas anderes, schon alleine von den Zuschauerzahlen her. Es macht einen Unterschied, ob du vor 300 oder vor 4.000 Leuten spielst.“

Sportlich soll der Weg nun klarerweise nicht in der Ersten Liga enden. Mahrer und seine Mitspieler wollen den Titel holen und somit den Aufstieg in die Tipico Bundesliga schaffen.

Dass der Zweikampf gegen Tabellenführer LASK (mit 39 Punkten lediglich einen Zähler vor den Burgenländern) positiv für Grün-Weiß enden könnte, motiviert zusätzlich: „Dass wir die nötige Substanz haben, hat man am Schluss des Herbstes gesehen. Da haben wir die Punkte geholt und Boden gutmachen können. Im Winter werden wir sehr hart trainieren und ordentlich Gas geben. An der Motivation wird es jedenfalls nicht scheitern – das Klima innerhalb der Mannschaft ist top. Es macht einfach Spaß, jeden Tag mit dieser Truppe zu arbeiten.“

Thorsten Mahrer:

Geboren: 22. Jänner 1990
Sportliche Laufbahn: Ab Sommer 1996 beim WSV Asta Oed/Waldegg, ab Sommer 1999 im Nachwuchs des SK Rapid Wien. Dort spielte Thorsten Mahrer bis zur U18, ehe er im Sommer 2008 zu den SVM Amateuren wechselte – wo er in der Defensive stets zum Einsatz kam. Seit Juli 2014 steht der 24-Jährige offiziell im Kader der SVM-Profis.