Erstellt am 16. Oktober 2012, 09:53

Melzer mit weniger Druck in sein Heimturnier. Lokalmatador Jürgen Melzer macht sich heuer bei seinem Heimturnier in der Wiener Stadthalle keinen besonderen Druck.

Und er verspürt auch eine geringere Erwartung der Tennis-Öffentlichkeit als in den vergangenen zwei Jahren. Da war der Niederösterreicher jeweils als Titelverteidiger angetreten, wobei er 2010 die Hoffnung der Fans mit dem erneuten Titelgewinn erfüllte. Diesmal gilt es vorerst, sein vorjähriges Viertelfinale zu verteidigen. Gegner auf dem Weg dorthin ist am Mittwoch Gilles Muller.

Über sein drittes Duell mit dem 29-jährigen Linkshänder aus Luxemburg will Melzer auch gar nicht hinausblicken. "Ich denke nur von Runde zu Runde. Es ist diesmal eine andere Ausgangsposition. Die Erwartung ist nicht so hoch", sagte der 31-Jährige vor seinem 13. Stadthallenturnier in Folge. Aber er fühlte sich zuletzt im Aufwind, die drei Wochen in Asien gaben Selbstvertrauen zurück. "Da hatte ich ein besseres Tennis als davor in Amerika, es war teilweise wieder ein sehr, sehr gutes Niveau."

Den Argentinier Juan Martin del Potro und den Serben Janko Tipsarevic als die beiden Top-Ten-Spieler von Wien sieht er für sich allerdings noch auf einem anderen Level. "Im Moment sind sie über mich zu stellen." Und auch für das Tennis-Jahr des drittgereihten Tommy Haas hat Österreichs Nummer eins Respekt über. Der Deutsche ist am Montag 34-jährig erstmals nach knapp zweieinhalbjähriger Absenz und nach überwundenen Verletzungen wieder in die Top 20 zurückgekehrt.

Das Rezept für seinen eigenen Weg dorthin zurück kennt Melzer. "Ich muss sicherer werden in den Schlägen und bei höherem Tempo weniger Fehler machen. Mein Tennis dazu ist gut genug, es muss nur wieder zur Selbstverständlichkeit werden." Auch Verletzungen hätten ihn gestoppt. "Und über den Sommer hin war ich zu fehleranfällig. Da muss man dann Arbeit reinstecken, um den Kopf freizubekommen. Nach den US Open war es wichtig, neu anzufangen."

Da half Melzer auch seine Heirat mit Iveta Benesova am 14. September in Laxenburg. Rund um die Hochzeit standen bei ihm die Vorbereitungen darauf und einmal mehr private als sportliche Gedanken im Vordergrund. Die jetzige Frau Melzer begleitete den Deutsch Wagramer auf der Asien-Tour, wegen einer Rückenverletzung wird die 29-Jährige auch während Melzers kommenden Antreten in Valencia und Paris nicht selbst spielen. Melzer: "Ihr Rückhalt nach den US Open war sehr, sehr schön."

Auch dadurch hat Melzer derzeit Riesenfreude an seinem Sport. "Ich habe einen mördergeilen Beruf. Den möchte ich ausüben, solange ich kann. Im Moment macht es mir jeden Tag Spaß, und ich freue mich schon auf die nächste Saison." Am Jahresbeginn 2013 hat er jedoch viel zu verteidigen, da sei ein guter Turnierplan wichtig. Ein Ranking außerhalb der Top 30 hätte den Vorteil, turniermäßig nicht so viele Verpflichtungen zu haben. "Da könnte ich auch das eine oder andere 250er mehr spielen."

Wie lange Melzer grundsätzlich noch auf der Tour sein will, lässt der derzeitige Weltranglisten-37. offen. Viel oder fast alles hängt dabei von seiner körperlichen Verfassung ab. "Wenn sich das 2012er-Jahr wiederholt, wird es irgendwann mühsam. Meine Planungen gehen momentan auch nicht über 2014 hinaus." Bei gewissen Bewegungen im Spiel würden ihm seine Hüften zu schaffen machen. Eine Operation könnte rund neun Monate Pause bedeuten, das sei für ihn aktuell aber kein Thema.

Und auch ein Konter auf die Kritik von Thomas Muster gegen seine Person liegt Melzer fern. Der 45-jährige Steirer hatte am Samstag gemeint, bei seinem Nachfolger als rot-weiß-rote Nummer eins sei nach dessen Turniersieg Ende Februar in Memphis nichts passiert. "Ich sehe das nicht als böse Kritik. Er hat Fakten genannt", sagte Melzer. "Ich arbeite ja daran, aber es war sehr, sehr viel dazwischen. Bänderriss, Hüftprobleme - das ist auf diesem Niveau nicht möglich."