Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:58

von Bernhard Fenz

Milletich: „Es geht nicht nur um den sportlichen Erfolg“. Der BFV-Boss spricht über seine Wiederwahl, über Vereinsführung, über die Akademie und sein Jahres-Pensum von 1.200 Kilometern – zu Fuß.

Gerhard Milletich als BFV-Präsident: »Den Klubs darf das Leben nicht erschwert werden.« Foto: Ivansich  |  NOEN, Martin Ivansich

BVZ: Am 3. März 2012 haben Sie Karl Kaplan als Präsident des Burgenländischen Fußballverbands – also den BFV – beerbt. Die erste Periode neigt sich dem Ende zu: Werden Sie sich bei der nächsten Hauptversammlung am 13. März 2016 der Wiederwahl stellen?
Gerhard Milletich: Das werde ich selbstverständlich tun. Wir werden dann sehen, wie die Vereine entscheiden.

Wie sieht der Plan im Fall der Wiederwahl aus: Wie lange wollen Sie BFV-Präsident sein?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Fakt ist: Ich glaube, dass ich jetzt dienlich sein kann – eben, wenn die Vereine das wollen.

Unabhängig davon, was die Klubs wollen: Es besteht doch an der BFV-Spitze ohnehin stets das Problem von zu wenig Alternativen.
Da muss ich widersprechen. Es gibt natürlich Leute im Umfeld oder Nahbereich des Verbandes, die in der Lage wären, das genauso – oder noch besser – zu führen. Dieses Problem würde ich nicht sehen.

Stichwort Problem: Nach wie vor ist das liebe Geld bei vielen – speziell höherklassigen – Klubs ein wichtiges Thema. Dem Sozialversicherungs-Freibetrag von 540 Euro auf der einen Seite stehen Prüfungen durch die Finanz und die Gebietskrankenkasse und in weiterer Folge mögliche Nachzahlungen gegenüber. Hat sich dieses chronische Spannungsfeld mittlerweile entladen?
Krankenkassa, Finanz, Kantinenbetrieb – die Themen sind enorme Herausforderungen an die Funktionäre. Mithilfe der Vereine haben wir mit der Politik einiges auf die Reihe gebracht. Am Ziel sind wir aber noch lange nicht.

Was ist zu tun?
Wir müssen weiter danach trachten, dass den Klubs das Leben nicht erschwert wird, sondern dass sie Erleichterungen erfahren. Funktionäre sollen bei der normalen Arbeit nicht in Bereiche stoßen, wo es strafrechtliche Probleme gibt.

Zuletzt gab es einen „Hilferuf“ einiger Vereine, später gemeinsame Termine mit der Politik, auch Vertreter der Finanz und der Gebietskrankenkasse waren dabei.
Es ist gelungen, bewusst zu machen, dass die Unterstützung der Vereine gesellschaftspolitisch sehr wichtig ist. Wir können nur versuchen, Druck aufzubauen. Im Burgenland stellt sich die Politik generell eher auf unsere Seite – ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen Bundesländern.

Verstehen Sie trotzdem jeden Funktionär, der mittlerweile Angst hat, einen Klub zu führen?
Ich nehme für mich als langjähriger Obmann in Anspruch zu wissen, wie Vereine ticken. Man darf nicht leichtfertig an die Sache herangehen und muss wissen, was zulässig ist. Das Wichtigste: Es ist nicht immer nur der sportliche Erfolg entscheidend, sondern dass man die nötigen Spielregeln einhält, um die Wirtschaftlichkeit gewähren zu können.

Für die Vereine wurden vom Land aus in diesem Jahr auch Infoveranstaltungen abgehalten. Stimmen die Voraussetzungen mittlerweile, um Klarheit zu haben?
Mit den besagten 540 Euro, die steuer- und sozialversicherungsfrei bezahlt werden können, wurde bereits einiges erreicht. Vor allem im Amateurbereich haben wir eindeutige Richtlinien bekommen. Den Vereinen wurde bewusst gemacht, mit welchen Problemen sie rechnen könnten oder worauf sie achten müssen, damit sie nicht irgendwann in Schwierigkeiten kommen. Somit wurde auch das Bewusstsein gestärkt.

Ein weiteres Problem ist das schleichende Sterben der Klubs, speziell im Südburgenland. Kann man das irgendwie verhindern?
Wenn man die Nachwuchsarbeit ernst nimmt, kann man einiges abfangen. Nicht ändern können wir, wenn es in einem Ort mit 500 Einwohnern zu wenig Kinder gibt. Fehlen die Spieler und können Vereine diese auch nicht zukaufen, ist das zu akzeptieren – auch wenn es um jeden Klub schade ist.

Die Alternative sind Mannschaften – speziell aus grenznahen Gemeinden –, bei denen dann vorwiegend Legionäre auflaufen.
Mittlerweile sehe ich aber, dass immer mehr Vereine wieder den anderen Weg gehen und sich von so einer Überzahl an Legionären wegentwickeln – nach dem Motto: Zurück zu den Wurzeln, dass Einheimische wieder Fußball spielen. Vielen ist bewusst geworden, dass es nicht Ziel sein kann, Legionäre zu bezahlen, dann vielleicht Probleme mit der Krankenkassa und der Finanz zu bekommen und letztlich doch nichts Nachhaltiges zu haben. Das Bewusstsein ist bei sehr vielen Klubs sehr hoch, dass es um die Nachhaltigkeit geht. In weiterer Folge ist es für die Funktionäre übrigens auch einfacher, einen Verein zu führen.

Das hört sich schlüssig an. Aber ist die Praxis nicht eine andere?
Ganz ohne Legionäre wird es vielerorts nicht gehen, das ist schon klar. Aber es ist ein Unterschied, ob ich als Funktionär aktiv entgegensteuere, oder alles über mich ergehen lasse. Irgendwo wird man aber einen Kompromiss machen müssen.

In der Fußballakademie Burgenland wurden im Sommer beim Betreuerstab zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Wie beurteilen Sie die neue Lage?
Nach wie vor haben wir große Konkurrenz und Schwierigkeiten, die allerbesten Talente im Burgenland zu halten. Sportlich gesehen ist durch die Veränderungen im Betreuerstab sicher eine Weiterentwicklung erfolgt. Das Training ist professionell – und auch die Installierung von Andreas Hackstock als Direktor der HAK Mattersburg hat eine Verbesserung beim nötigen Zusammmenspiel zwischen Bildung und Sport erwirkt. Insgesamt wird dieses Konstrukt dadurch noch besser funktionieren und mehr Früchte tragen als bisher.

Gleichzeitig sehen Sie die finanziellen Aufwendungen für den Verband kritisch. Ist die Akademie für den BFV Segen oder Fluch?
Keines der beiden Worte ist angemessen. Sie ist grundsätzlich eine gute und sportlich wertvolle Einrichtung. Auf der anderen Seite gibt es das Problem der Wirtschaftlichkeit. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder angesprochen, dass es kaum mehr möglich ist, die Finanzierung, die uns zugeteilt wurde, aufrechtzuerhalten. Es gab Gespräche mit dem Land – und wir stehen kurz vor einer Anpassung, um unsere Aufwände reduzieren zu können.

Wie viel Geld muss der BFV für die Akademie aufwenden?
Über konkrete Zahlen will ich hier nicht sprechen.

Anders gefragt: Welchen Prozentsatz nimmt der besagte Aufwand im Gesamtbudget ein?
Im Vergleich zu anderen Verbänden jedenfalls mit Abstand den höchsten.

Sie sind Obmann des SC/ESV Parndorf, der bereits drei Jahre in der Ersten Liga am Buckel hat. Hätten Sie als BFV-Präsident gerne neben Mattersburg wieder einen zweiten Bundesliga-Klub?
Grundsätzlich würde ich gerne zwei burgenländische Vereine in den beiden Bundesligen sehen – natürlich speziell auch Parndorf, das sage ich offen. Der SV Mattersburg ist mit der Tipico Bundesliga mittlerweile wieder dort, wo der Klub hingehört. In der Sky Go Ersten Liga würden wir uns als Parndorf gerne wiedersehen. Das ist aber eine reine Budgetfrage.

Was wäre nötig?
Wenn man in der Ersten Liga mithalten will, braucht man 2,5 Millionen Euro, abgesehen von Infrastrukturmaßnahmen. Wir könnten uns mit Parndorf da nur über Wasser halten. Infrastrukturell könnten wir jederzeit aufsteigen, es geht aber auch darum, das nötige Geld aufzustellen, um nachhaltig verbleiben zu können. Wir versuchen jetzt, uns zu nähern.

Wie hoch ist das Parndorf-Budget, verglichen mit den angesprochenen 2,5 Millionen?
Das liegt ungefähr bei 50 Prozent von diesem Wert.

In der Regionalliga Ost steigt in dieser Saison der Meister direkt auf. Horn und Vienna stehen unangefochten an der Spitze. Wer wird das Rennen machen?
Ich glaube, dass Horn den längeren Atem haben wird.

Sie sind BFV-Boss, Chef des Bohmann-Verlags und von Schau-TV sowie Parndorf-Obmann. Dienstlich haben Sie demnach gleich vier Betätigungsfelder. Auch hier braucht man einen langen Atem.
Es gibt schon sehr viel zu bewältigen, dazu habe ich auch ein Privatleben mit meiner Familie. Nächstes Jahr werde ich 60 Jahre alt. Wenn ich mir neben Gesundheit eines wünschen könnte, dann wäre das Zeit: Die ist immer etwa knapp – egal, wo ich hingehe.

Theoretisch spricht ja auch nichts dagegen, einfach etwas weniger zu machen und die Aufgaben entsprechend zu reduzieren.
Es gibt keinen Tag, an dem ich mich nicht mit meinem täglichen Geschäft beschäftige. Abschalten ist nicht wirklich möglich, aber auch nicht unbedingt mein erstes Ziel. Noch fühle ich mich fit genug, um diese verschiedenen Herausforderungen fließend zu bewältigen. Mein Wunsch ist auch, dass ich diese Tätigkeit noch eine geraume Zeit ausführen kann – mit dem Umfang von jetzt. Das setzt voraus, dass ich gesund bleibe.