Erstellt am 17. Oktober 2012, 00:00

Mit den Profis im Boot. Hochsee-Staatsmeisterschaft / In den Adria-Gewässern vor Biograd durften sich nicht nur die erfahrensten Profis behaupten. Ein BVZ-Redakteur war mittendrin – und staunte nicht schlecht.

Eingespieltes Team. Matthias Schmid, Andreas Handl, Florian Reichstädter und Dominic Marsano (v.l.) bildeten gemeinsam mit Bugmann Christoph Jäger den erfahrenen Teil der Crew, bei der ich mitsegeln durfte. Foto: Fundak  |  NOEN
Von Martin Ivansich

SEGELN / Beinahe die komplette österreichische Elite ermittelte vorige Woche im kroatischen Biograd den österreichischen Hochsee-Staatsmeister. Für viele Spitzensegler bedeutete der Umstieg von den olympischen Bootsklassen auf die größeren Hochseeboote mit einer Achter-Besetzung eine Herausforderung. Wie das Segeln funktioniert, wusste und weiß trotzdem jeder. Fast. Ich jedenfalls nicht.

Trotzdem nahm ich begeistert das Angebot wahr, als Journalist auf dem Boot der beiden 470er-Olympia-Neunten Matthias Schmid und Florian Reichstädter mitsegeln zu dürfen – als Crewmitglied, ohne Vorkenntnisse. Vorweg: Es war eine wunderbare Erfahrung. Im Nachhinein. Während der Woche auf See entpuppte sich die Vorstellung eines entspannten Segelturns/Urlaubs aber schon nach dem ersten Einfahren als völlig falsch.

Zwar ist die Stimmung am Boot hervorragend, ohne kräftig mit anzupacken, geht es aber nicht. Und als Dominic Marsano (Pressesprecher des Segelverbands) auch noch zu mir meint: Du bist unser Mastmann“, weiß ich, dass ich mich auf keinem Partyboot befinde.

Schmerzende Knie und Schienbeine – was soll‘s 

Mastmann, das heißt unter anderem: Spinnaker setzen. Hört sich leicht an, ist aber auf Dauer eine echte Herausforderung. Der Job hinterlässt nach sieben Wettfahrten Spuren. Speziell, wenn die äußeren Bedingungen nicht mitspielen, kann es richtig ungemütlich werden. Der Menüplan des Adria-Wetters hätte nämlich nicht vielseitiger sein können.

Während bei den kurzen Wettfahrten – die richtig großen Spaß machen – Badewetter angesagt ist, bereitet bei der mehrstündigen Langstreckenwettfahrt der heftige Regen alles, nur keine Segelfreude. Spätestens bei der zweiten Wende, bei der ich auf dem rutschigen Deck immer wieder mit Schienbein oder Knie gegen das Boot krache, denke ich mir: „Warum habe ich mir das nur angetan?“ Spaß macht es trotzdem. Was soll‘s …

Der achte Platz bei dieser Wettfahrt spielt keine Rolle – ich bin einfach nur froh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Achter Platz heißt es für unser Team auch in der Endabrechnung. Die Platzierung ist aber ohnehin nebensächlich.

Mittlerweile ist Biograd Vergangenheit. Was bleibt? Tolle Erfahrungen: Auf der einen Seite das hautnahe Kennenlernen dieses faszinierenden Sports, auf der anderen die Zusammenarbeit mit den heimischen Top-Seglern und das hautnahe Inhalieren der stets hervorragenden Atmosphäre.

Übrigens: Den Sieg holte sich Luis Gazzari mit seinen Klubkollegen Thomas Zajac und Thomas Czajka vom Burgenländischen Yachtclub. Jetzt, als schreibender Redakteur, ist auch das Ergebnis für mich wieder interessant …