Erstellt am 22. März 2012, 14:29

NADA will wegen dem "Hoffmann-Protokoll" klagen. Der Fall Christian Hoffmann beschäftigt die Mitglieder der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) auch noch Monate nach ihrem Urteil.

Denn vier der fünf Mitglieder und auch der NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab wurden durch Veröffentlichung von Auszügen einer von Hoffmann durchgeführten Tonaufnahme der Sitzung und der Entscheidungsfindung in ein schiefes Licht gerückt.

Gernot Schaar, der Vorsitzende der Rechtskommission, zog am Donnerstag die Authentizität des Dokuments in vorliegender Form in Zweifel und kündigte gerichtliche Schritte gegen den Langlauf-Olympiasieger an. Die Rechtskommission befindet sich in einer schwierigen Situation. Denn sie ist wie in jedem Dopingfall auch in der langwierigen Affäre des für sechs Jahren gesperrten Hoffmann zur Verschwiegenheit verpflichtet und kann die Vorwürfe nicht in geeigneter Form entkräften.

Fest steht laut Schaar, dass Hoffmann bei einem Überprüfungsantrag im Zuge seines Einspruchs gegen die Sperre vor der Unanhängigen Schiedskommission (höchste nationale Berufungsinstanz) zugegeben hat, dass er die gesamte Verhandlung (mittels Handy) mitgeschnitten habe. "Das ist ohne vorherige Information der Beteiligten verboten. Wir werden eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft einbringen", sagte der Anwalt.

Die Verhandlung hat laut Schaar viereinhalb Stunden gedauert, das Skript umfasst 30 Seiten. Es werde zu hinterfragen sein, ob aus dem Mitschnitt nicht Teile herausgenommen wurden, um etwas zu suggerieren, sagte Schaar, der empört ist über die Vorgangsweise. "Wir werden uns mit aller Härte dagegen wehren. Ich sitze in einer Kommission mit honorigen Herren, die sich über jeden Fall lange den Kopf zerbrechen und kann nicht akzeptieren, dass Kollegen diskreditiert werden." Man werde auch dem zuständigen Minister Norbert Darabos den Sachverhalt erklären. Dieser hat bereits eine umfassende Überprüfung und Aufklärung angeordnet.

Konkret soll geklärt werden, ob es sich bei der veröffentlichten Transkription um eine authentische Wiedergabe der Sitzung handelt. Weiters soll überprüft werden, ob eine Teilnahme des NADA-Geschäftsführers an einer Sitzung der Rechtskommission laut Geschäftsordnung zulässig ist, ob er den weisungsfreien Mitgliedern der Kommission "Handlungsempfehlungen" erteilen darf und ob durch die Geschäftsordnung der NADA-Rechtskommission eine hinreichende Unabhängigkeit der Rechtskommission bei der Entscheidungsfindung gewährleistet ist, heißt's in der Aussendung von Darabos.