Erstellt am 13. August 2012, 14:33

Nationalteam: Pogatetz will keine Ausreden mehr hören. Für Emanuel Pogatetz ist die Zeit der Ausreden im österreichischen Fußball-Nationalteam vorbei. Der Innenverteidiger machte am Montag, zwei Tage vor dem letzten WM-Qualifikationstest in Wien gegen die Türkei, unmissverständlich klar, dass er die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien anstrebt.

"Es ist ganz klar unser Ziel, bei der WM dabei zu sein. Deutschland ist in unserer Gruppe zwar der Favorit, aber der zweite Platz ist realistisch. Wir müssen zeigen, dass wir uns so weiterentwickelt haben, um uns gegen Schweden und Irland durchzusetzen", erklärte der 29-Jährige.

Mittlerweile verfüge man über viele Legionäre aus den Top-Ligen Europas, weshalb die Mannschaft zu Höherem fähig sei. Beweis für einen im Vergleich zu den vergangenen Jahren hochkarätigen Kader ist die Innenverteidigung, wo es mit Pogatetz, Aleksandar Dragovic, Paul Scharner und Sebastian Prödl fast schon ein Überangebot an gestandenen Spielern gibt. Diesem Konkurrenzkampf kann Pogatetz nur Positives abgewinnen. "Das spricht für uns und dafür, dass wir Qualität haben. Dadurch können auch Dinge wie Verletzungen oder Formschwankungen besser aufgefangen werden."

Allzu voll wollte der 47-fache ÖFB-Internationale (2 Tore) den Mund aber auch nicht nehmen. "Es wäre ganz gut, wenn wir im Vorfeld weniger reden und dafür auf dem Platz mehr zeigen."

Die Gelegenheit dazu bietet sich bereits am Mittwoch gegen die Türken. Sehr große Aussagekraft wird der letzte Härtetest laut Pogatetz aber nicht haben, schließlich stehen fast alle Legionäre noch nicht im Meisterschaftsbetrieb. "Ich selbst bin auch noch nicht auf Wettkampfniveau, dazu fehlen einfach noch Bewerbsspiele."

Der Steirer wechselte im Sommer innerhalb der deutschen Bundesliga von Hannover 96 zum VfL Wolfsburg und ist nach wie vor von der Richtigkeit dieses Transfers überzeugt. "Bei Wolfsburg gibt es mit VW im Hintergrund einfach eine bessere Perspektive, um nach vorne zu kommen."

Bei seinem neuen Club machte Pogatetz bereits Bekanntschaft mit den harten Trainingsmethoden von Coach Felix Magath. "Das war sicher die härteste Vorbereitung, die ich erlebt habe", sagte der Ex-Premier-League-Spieler. "Man kommt in jeder Einheit an seine Grenzen. Aber es ist auch eine große Herausforderung, das durchzuhalten", meinte der frühere ÖFB-Kapitän.

Die Wahl von Christian Fuchs zu seinem "Nach-Nachfolger" begrüßte Pogatetz ausdrücklich. "Das ist eine sehr gute Entscheidung für alle, ich freue mich für ihn. Er hat sich sehr gut weiterentwickelt und bringt bei einem Top-Verein wie Schalke regelmäßig seine Leistung."

Dieser Meinung schloss sich auch Paul Scharner an, der so wie Pogatetz unter Teamchef Dietmar Constantini die Schleife getragen hatte. Der Niederösterreicher unterschrieb in der Vorwoche einen Zweijahresvertrag beim Hamburger SV und hat nur Gutes von seinem neuen Arbeitgeber zu berichten. "Das ist ein super aufgezogener Verein, eine absolute Top-Adresse mit einem imposanten Stadion."

Weniger beeindruckend waren die Auftritte des HSV in der Vorsaison, schließlich kämpften die Hamburger lange Zeit gegen den erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga. "Es ist ein Umbruch im Gange, die Mannschaft wurde verjüngt. Ziel ist es in erster Linie, in der Bundesliga zu bleiben. Die Ansprüche der Medien sind zu hoch, aber die Fans haben sich schon darauf eingestimmt, dass es keine leichte Saison wird", erzählte der 32-Jährige und betonte, er habe sich in seiner vertragslosen Zeit nicht beim HSV angetragen. "Der Verein ist auf mich zugegangen."

Nun gilt es für Scharner, sich bei den Norddeutschen so schnell wie möglich einen Stammplatz zu erkämpfen - kein leichtes Unterfangen, schließlich stieg er erst am Freitag mitten in der Vorbereitung ins Mannschaftstraining ein. "Garantie gibt es für keinen, aber ich werde hart dafür arbeiten, in die Mannschaft zu kommen." Die Basis dafür legte der 40-fache Internationale mit einem Individual-Training bei ÖFB-Conditioning-Coach Roger Spry. "Deshalb bin ich auf einem guten Level."

Dennoch dürfte der Niederösterreicher gegen die Türkei zu Beginn wohl nur auf der Bank Platz nehmen und dort ein Spiel zu sehen, das laut Scharner nicht wirklich aussagekräftig sein wird. "Viele stecken noch mitten in der Vorbereitung, daher kann so ein Match nicht viele Aufschlüsse bringen. Aber auf uns wartet auf jeden Fall ein schwieriges Spiel gegen eine große Fußball-Nation mit hohen Ansprüchen."