Erstellt am 22. Oktober 2012, 12:25

ÖFB-Frauen haben EM noch nicht abgeschrieben. Die Ausgangslage ist nach dem 0:2 im Play-off-Hinspiel am Sonntagabend gegen Russland allerdings denkbar schlecht.

Die erstmalige Teilnahme an einer EM haben Österreichs Fußball-Teamspielerinnen aber trotzdem noch nicht abgeschrieben. "Wir haben gesehen, dass wir die bessere Mannschaft sein können, deshalb geben wir sicher nicht auf", sagte Laura Feiersinger. Am Mittwoch brechen die ÖFB-Frauen nach Russland auf, wo am Donnerstag (16.30 Uhr/live ORF Sport +) in Rostow im Rückspiel die Entscheidung fällt.

In der NV-Arena war von einem Klasse-Unterschied zwischen den Russinnen und den in der Weltrangliste um 15 Positionen schlechter klassierten ÖFB-Frauen nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil war es die Truppe von Teamchef Dominik Thalhammer, die das Spiel vor einer ÖFB-Frauen-Rekordkulisse von 3.600 Zuschauern dominierte, die deutlich mehr Torschüsse (12:3) hatte. Aufgrund von zwei Fehlern in der Defensive, die Walentina Sawtschenkowa (25.) und Natalia Schlijapina (43.) eiskalt ausnutzten, und der fehlenden Effizienz an vorderster Front stehen Feiersinger und Co. trotzdem vor dem Aus.

"Im Fußball ist es nun einmal so, dass nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt. Der Spielverlauf war gegen uns und uns hat das Spielglück gefehlt", resümierte Thalhammer. Das 0:1 und später auch 0:2 spielte den Russinnen in die Karten, so konnten sie sich in der zweiten Hälfte rein aufs Verteidigen konzentrieren. "Wir haben nie aufgegeben, unsere junge Mannschaft hat sich sehr gut präsentiert", lobte der ÖFB-Coach trotz der Niederlage seine Auswahl. Die Leistung sei nicht schlechter gewesen als beim sensationellen 3:1-Heimerfolg zum Quali-Gruppenabschluss gegen Dänemark. "Aber das Ergebnis war leider ein anderes", ergänzte Thalhammer.

Die Endrunde in Schweden im kommenden Sommer (10. bis 28. Juli 2013) hat der 42-Jährige noch nicht abgeschrieben. "Wenn wir klar unterlegen gewesen wären, würde ich anders denken, aber das war überhaupt nicht der Fall. Ich bleibe daher weiter optimistisch", sagte Thalhammer. Dass der Gedanke an die historische EM-Chance sich negativ auf seine Spielerinnen ausgewirkt haben könnte, glaubt der ÖFB-Trainer nicht. "In der zweiten Hälfte hat man gesehen, dass wir mental sehr stark waren", sagte Thalhammer.

Das sah auch Deutschland-Legionärin Feiersinger so. "Vor dem Spiel haben wir natürlich schon viel an die EM gedacht, während dem Spiel ist das aber nicht in den Köpfen drinnen", betonte die Tochter des Ex-ÖFB-Internationalen Wolfgang Feiersinger. Die 19-Jährige analysierte die Partie sehr kritisch. "Wir haben nicht jene Leistung abrufen können, wie im Dänemark-Spiel. Wir waren zu hektisch, hatten keine Ruhe im Spiel und haben zu viele einfache Fehler gemacht", analysierte die Offensivspielerin von Bayern München. "Am Donnerstag müssen wir anders auftreten."

Der Großteil ihrer Teamkolleginnen strich eher das Positive hervor. "Wir brauchen die Köpfe nicht hängen lassen, weil wir das Spiel dominiert haben. Wir haben nur die Effizienz, die wir gegen Dänemark hatten, dieses Mal nicht gehabt", sagte Marlies Hanschitz. "Aufgegeben wird sicher nicht", gab die ÖFB-Kapitänin die Marschroute vor. Das unterstrich auch Sarah Puntigam: "Wir müssen versuchen die positiven Sachen mitzunehmen, mit dem Glauben, das noch drehen zu können."

Verzichten müssen die ÖFB-Frauen in Rostow auf Carina Wenninger, die gelbgesperrt ist. Die Russinnen sehen sich trotz toller Ausgangsposition noch nicht fix bei der vierten EM-Endrunde der Verbandsgeschichte. "Wir sind froh 2:0 gewonnen zu haben, aber uns steht noch ein hartes Stück Arbeit bevor", sagte Russland-Teamchef Sergei Lawrentijew.