Erstellt am 08. Oktober 2012, 14:09

ÖFB-Team trainiert in Bad Tatzmannsdorf. Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist am Montagvormittag mit einer Einheit auf Kunstrasen in die Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele gegen Kasachstan am 12. und 16. Oktober gestartet.

Bis zum Abflug am Donnerstagvormittag nach Astana bittet Marcel Koller seine Schützlinge ausschließlich auf dem Plastikgrün in Bad Tatzmannsdorf zum Training, damit sich Christian Fuchs und Co. besser auf den Untergrund der Astana Arena einstellen können.

Allerdings ist der Kunstrasen im burgenländischen Kurort nur bedingt mit jenem in der kasachischen Hauptstadt zu vergleichen. "Der Platz in Bad Tatzmannsdorf ist sehr weich, in Astana ist es ein bisschen anders", sagte Koller. Unverändert ist die Tatsache, dass sich die ÖFB-Internationalen auf ungewohnte Gegebenheiten gefasst machen müssen. "Auf Kunstrasen springt der Ball schneller weg, man sollte die Pässe genauer spielen. Aber ein guter Spieler kann damit umgehen, das sollte kein Problem sein."

Als Ausrede für einen möglichen Punkteverlust will Koller den Kunstrasen schon vorab nicht gelten lassen. "Wir können eh nichts daran ändern, auf welchem Boden wir spielen. Schlussendlich wird die Einstellung entscheidend sein."

Der Schweizer erwartet von seiner Truppe, dass sie mit dem gleichen Engagement wie beim unglücklichen 1:2 vor einem Monat gegen Deutschland zu Werke geht und sich der Stärken des Gegners bewusst ist. "Die Kasachen haben viele große Spieler, die bei Standard-Situationen gefährlich sind. Sie werden versuchen, aus einer kompakten Defensive schnell nach vorne zu kommen", warnte der 51-Jährige.

Mit dem Deutschland-Spiel sei das erste Duell mit Kasachstan am Freitag nur bedingt vergleichbar. "Gewisse Grundprinzipien möchte ich immer sehen, wir werden aber diesmal eher versuchen müssen, das Spiel zu machen", sagte Koller.

Im Gegensatz zum Duell mit dem DFB-Team sind gegen Kasachstan zwei Siege fast schon Pflicht. Der Teamchef fühlt sich deswegen jedoch nicht unter Druck gesetzt. "Wir wollen schauen, dass wir sechs Punkte holen, wissen aber auch, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, denn die Iren und Schweden hatten gegen Kasachstan Probleme. Aber es bringt jetzt nichts, wenn ich nervös durch die Gegend jucke. Ich lasse mich nicht nervös machen."

Damit sich Kollers Anspannung auch während der Freitag-Partie in Grenzen hält, wäre eine optimale Chancenauswertung wünschenswert. Gegen Deutschland versagten den ÖFB-Kickern vor dem Tor noch zu oft die Nerven, weshalb der Trainer bereits im Montag-Training Abschussübungen einbaute. Das Verwerten von Einschussmöglichkeiten kann man laut Koller aber nicht nur auf dem Platz trainieren - auch die mentale Komponente spielt eine wichtige Rolle. "Es geht darum, dass man die Geilheit hat, das Tor zu machen", erklärte der Nationaltrainer.

Die Abschlussschwäche wurde von Koller am Montagnachmittag noch einmal bei der Nachbesprechung der Deutschland-Partie thematisiert, außerdem gab es vom Teamchef erste Informationen über das kasachische Team. Die genaue Videoanalyse des kommenden Gegners steht am Mittwoch auf dem Programm.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten alle Spieler des 23-Mann-Kaders im Training stehen. In der ersten Einheit fehlten noch Veli Kavlak, Martin Harnik, Andreas Weimann und György Garics, die erst im Laufe des Montags im Teamcamp eintrafen. Jene Spieler, die am Sonntag im Einsatz waren, absolvierten ein eigenes Regenerationsprogramm, Aleksandar Dragovic trainierte wegen seiner Knöchelblessur ebenfalls gesondert von der Mannschaft. "Er kann wahrscheinlich am Dienstag wieder voll einsteigen", berichtete Koller.

Fit, aber ohne viel Spielpraxis und vor allem ohne persönliches Erfolgserlebnis rückte Marc Janko zur Nationalmannschaft ein. Der Vizekapitän, der zuletzt bei Trabzonspor erst in der 86. Minute eingewechselt wurde, hat aber nach wie vor die Unterstützung Kollers. "Ich werde mit ihm weiter Geduld haben. Seine einzige Möglichkeit bei Trabzonspor ist, sich im Training aufzudrängen."

So wie Janko hatten auch die meisten anderen ÖFB-Teamspieler zuletzt nicht viel Grund zum Jubeln - kein einziges Kadermitglied erzielte am Wochenende ein Tor. Koller sieht darin aber kein Problem. "Das Nationalteam ist eine andere Welt. Alle Spieler kommen gern her und können gut Fußball spielen. Als Trainer muss ich ihnen Unterstützung geben."

Ivanschitz will zur WM: "Kasachstan darf nicht im Weg stehen"

Geht es nach Andreas Ivanschitz, dann darf Kasachstan auf dem Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien nicht zum Stolperstein werden. Der Mainz-Legionär hofft in den beiden Spielen gegen die Nummer 147 der FIFA-Weltrangliste am Freitag in Astana und am darauffolgenden Dienstag in Wien auf sechs Punkte. "Wir werden die Kasachen sicher nicht unterschätzen und nehmen die Herausforderung an. Wir wollen zur WM, da darf uns Kasachstan nicht im Weg stehen."

Vor genau einem Jahr reichte es für Ivanschitz und Co. in der Astana Arena in der EM-Qualifikation allerdings nur zu einem 0:0. "Das war damals ein eher schwächeres Spiel, aber wir hätten trotzdem gewinnen können", erinnerte sich der Burgenländer. Mit den Erkenntnissen des damaligen Kasachstan-Trips soll nun ein voller Erfolg herausschauen. "Wir wissen, was auf uns zukommt und wie wir mit den dortigen Gegebenheiten umgehen müssen", betonte der 28-Jährige.

Laut Ivanschitz wird die Umstellung auf das Plastikgrün ein entscheidender Faktor sein. "Durch die vielen Trainings auf Kunstrasen in Bad Tatzmannsdorf haben wir die nötige Anpassungszeit, also gehe ich davon aus, dass es kein Problem sein wird." Aufgrund der technischen Überlegenheit könnte der Kunstrasen sogar zum Vorteil für Österreich werden, vermutete der Mittelfeldspieler und nannte die Unterschiede im Vergleich zu einem Match auf natürlichem Untergrund. "Man muss direkt auf den Fuß spielen und weniger in die Räume."

Ein weiterer Knackpunkt wird die Chancenauswertung sein, die bei der ÖFB-Auswahl gegen Deutschland zu wünschen übrig ließ. "Man kann das trainieren, es hängt aber auch mit der Bereitschaft zusammen, unbedingt das Tor machen zu wollen. Und man braucht auch das Quäntchen Glück."

Fortuna war Ivanschitz auf Vereinsebene zuletzt wohlgesonnen. Aus den jüngsten vier Liga-Partien schauten für die Mainzer neun Punkte heraus - auch dank des Burgenländers, der es in dieser Saison bereits auf zwei Tore und drei Assists brachte. "Das ist fürs Selbstvertrauen wichtig. Ich fühle mich wohl und bin glücklich, aber noch glücklicher bin ich, dass wir jetzt beim Verein die nötige Ruhe haben."

Bei Mainz agiert Ivanschitz als klassischer Spielmacher, im Nationalteam war für ihn zumeist die Rolle am linken Flügel reserviert. "Aber das ist für mich überhaupt kein Problem, ich bin auch bei Mainz oft über links gekommen. Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl."

Zlatko Junuzovic hingegen wirkt mit seinem Job im defensiven zentralen Mittelfeld bei Werder Bremen nicht wirklich glücklich. "Da muss man viel laufen und viele Löcher stopfen. Ein bisschen eigenartig ist es schon, weil ich immer absichern und hinten bleiben muss, wenn wir angreifen", sagte der 25-Jährige. Durch den Positionswechsel sei er in einer "neuen Welt", meinte der gelernte Offensivspieler. "Aber es ist immer wichtig, dass man etwas Neues dazulernt."

Generell läuft es für den Mittelfeldspieler bei Werder Bremen derzeit nicht nach Wunsch, schließlich wurden die vergangenen beiden Liga-Partien verloren. "Zuletzt beim 1:3 gegen Augsburg waren wir in der zweiten Hälfte wirklich schlecht. Aber wir werden wieder raufkommen", erklärte Junuzovic.

In den kommenden Tagen schiebt der Ex-Austrianer die Sorgen bei seinem Club ohnehin beiseite und konzentriert sich voll und ganz auf das Kasachstan-Doppel. "Wir wollen sechs Punkte und wissen, dass wir das schaffen können." Optimismus schöpft Junuzovic nicht nur, aber auch aus der guten Leistung gegen Deutschland. "Das war keine Eintagsfliege, denn schon davor haben wir gute Spiele abgeliefert." Allerdings warnte Junuzovic davor, die Kasachen zu unterschätzen. "Vielleicht gehen wir als Favorit ins Spiel, doch heutzutage gibt es keine leichten Gegner mehr."