Erstellt am 12. August 2012, 16:12

Österreich erstmals seit 1964 ohne Medaille. Österreich hat erstmals seit Tokio 1964 und zum zweiten Mal überhaupt bei Olympischen Spielen keine Medaille gewonnen. Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hat am Schlusstag der Sommerspiele in London eine ernüchternde Bilanz gezogen.

Das steht nach dem Mountainbike-Rennen der Männer in London fest, da dies der letzte Bewerb war, bei dem Österreicher am Start waren. Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hat am Schlusstag der Sommerspiele in London eine ernüchternde Bilanz gezogen. Mit vorerst 16 Top-Ten-Plätzen gab es auch 14 weniger als vor vier Jahren in Peking. Der Großteil der österreichischen Athleten schien von der Weltspitze so weit entfernt wie lange nicht.

"Es ist schmerzlich", gestand ÖOC-Präsident Karl Stoss am Sonntag vor dem abschließenden Mountainbike-Rennen der Herren. "Da gibt es nichts zu beschönigen." Viele Niederlagen hätte er miterlebt, traurige und frustrierte Athleten gesehen. "Erfolge und Misserfolge liegen im Spitzensport aber oft sehr eng beisammen", erinnerte Stoss. Für Österreich schlug das Pendel in der britischen Hauptstadt fast nur in eine Richtung aus.

70 Athleten hatte das ÖOC nach London entsandt, einige davon waren von Sportminister Norbert Darabos medial als "Olympia-Touristen" verunglimpft worden. Die Nominierungskriterien, die das Komitee weitgehend der Vergabe der Startplätze durch die internationalen Fachverbände angepasst hat, will Stoss im Hinblick auf Rio 2016 von Sportler zu Sportler einzeln durchgehen. "Pauschalurteile helfen niemandem und machen auch wenig Sinn", betonte der ÖOC-Chef.

Stoss machte stattdessen auch "semi-optimale Bedingungen" in der heimischen Infrastruktur für die fehlenden Weltklasseleistungen verantwortlich. "Die Grundvoraussetzungen für Spitzensport sind in Österreich oft nicht gegeben", meinte der 55-jährige Vorarlberger. Als Beispiele führte er zu niedrige Hallen für Gymnastin Caroline Weber, kaum Trainingsmöglichkeiten für die Synchronschwimmerinnen oder einen fehlenden Wildwasserkanal an.

"Wir möchten aber nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Wir werden mit Athleten und Verbänden nach Lösungen suchen", versprach Stoss. Die fünf bestehenden Olympia-Zentren in Linz, Salzburg, Innsbruck, Dornbirn und in der Südstadt sollen verstärkt in Anspruch genommen werden, dazu sollen die Athleten viel stärker eingebunden werden. "Sonst sprechen wir wie der Blinde von der Farbe", meinte Stoss.