Erstellt am 16. September 2013, 10:04

ÖTV hofft im April 2014 auf Heimspiel. Nach der 0:5-Auswärtsniederlage im Weltgruppen-Play-off in Groningen geht es für Österreichs Davis-Cup-Team nun wieder auf der Tour weiter.

So fliegt Aushängeschild Jürgen Melzer am Donnerstag nach Kuala Lumpur. Und es wird bis Ende Oktober dauern, ehe man den ersten Gegner in der Europa-Afrika-Zone 2014 kennt. Denn erst am 27. Oktober werden die letzten Kandidaten für die zweithöchste Spielklasse in dieser Zone ermittelt.

Wie üblich hofft man im ÖTV-Team auf ein Heimspiel, eine Setzung der bis vor Groningen zehntplatzierten Equipe gilt als sicher. Dadurch sollten Jürgen Melzer und Co. erst im April wieder für Rot-weiß-rot spielen. Dann könnte Melzer auch sein insgesamt 64. Mal in Einzel oder Doppel spielen und damit auch Thomas Muster (insgesamt 63 Einsätze) übertrumpfen.

"Habe immer meine Hand gehoben"

"Ich werde, selbst wenn ich noch 47 Einzel spiele, nie den Status von einem Thomas Muster erreichen und das ist auch richtig so", sagte Melzer zu diesem Rekord befragt. Dass er nun mit Groningen mit 28 Länderkämpfen so viele wie noch kein anderer ÖTV-Spieler bestritten hat, freut ihn aber doch. "Dieser Rekord ist schön. Ich war 1998 erstmals dabei als Sparringpartner. Seitdem spiele ich, und habe immer meine Hand gehoben."

Wie lange dies noch sein wird, ist fraglich. "Ich werde schauen wie es nächstes Jahr ausschaut. Im Moment habe ich mir dazu keine Gedanken gemacht. Ich werde nächstes Jahr 33 und wenn was zwickt, wenn man anfällig ist, ist es für das Team nicht gut", gibt er zu bedenken. Allerdings sehe er aus derzeitiger Sicht keinen Grund, warum er nicht mehr spielen sollte.

Zu den Diskussionen um Jungstar Dominic Thiem hat er sich auch noch einmal geäußert. Bei ihm stößt es auf Unverständnis, dass man als junger Spieler dem Nationalteam nicht zur Verfügung steht, schon gar nicht mit der Begründung von nicht bezahlten Förderungen des Verbandes. "Das sind zwei Paar Schuhe. Wenn man eine Förderung vom ÖTV bekommt, dann muss man auch Davis Cup spielen", stellte Melzer seine Sicht der Dinge klar. Thiem bzw. dessen Manager Günter Bresnik hatten sich daran gestoßen, dass mit der Förderung eine Startzusage im Davis Cup verlangt werde.

"Wäre zu Fuß wohin gegangen, um zu spielen"

"Das ist doch ganz normal. Wenn dich ein Unternehmen sponsert, ist es für mich auch ganz normal, dass ich ein Badge trage und Werbung mache. Ich glaube, wenn er die Chance hätte, es noch einmal zu machen, würde er es anders machen", glaubt Melzer. Auch in seiner Karriere seien sicher einige Dinge falsch gelaufen, aber: "Den Anzug habe ich mein ganzes Leben lang getragen - und ich wäre zu Fuß wohin gegangen, um zu spielen", versicherte der frühere Weltranglisten-Achte.

Melzer ist der Davis Cup eine Herzensangelegenheit. Natürlich schmerze ihn die Niederlage gegen die Niederlande, aber: "Es ist nicht so schlecht, wie es sich diese Woche herauskristallisiert hat. Die letzten Davis Cups in Kasachstan und hier waren sicher eine Enttäuschung. Gegen solche Nationen, vor allem Kasachstan, sollte man bestehen, aber der Sport ist kein Wunschkonzert." Wenn es dann einmal nicht so laufe, werde schnell alles hinterfragt. "Wir sind nicht viel schlechter als vor einem Jahr und da waren wir im Viertelfinale", erinnerte Melzer.

Die Zukunft im österreichischen Tennis und wohl über kurz oder lang sehr wohl im Davis-Cup-Team gehört aber Thiem. "Er ist ein Riesentalent und hat sehr gute Anlagen. Der Weg nach oben ist ein weiter, das muss man sich erst erspielen. Das ist kein Selbstläufer, sondern harte Arbeit", warnte Melzer. "Man wird sehen, wie schnell er das schafft. Ich glaube, dass er eine große Zukunft vor sich hat, aber im Endeffekt muss er das auch beweisen."

Melzer hofft auf eine baldige Lösung der Diskussion. "Weil so viele haben wir nicht, die für uns spielen können."

In der Euro-Afrika-Zone 2014 drohen einige Kaliber, auch wenn man den gesamten Kandidatenkreis noch gar nicht kennt. ÖTV-Kapitän Clemens Trimmel hat da zum Beispiel Polen im Kopf. "Die haben Janowicz, Kubot, Fyrstenberg/Matkowski. Es gibt schon ein paar Nationen, die sich sehen lassen können", weiß der Davis-Cup-Kapitän. Im Auslosungstopf werden u.a. auch die Play-off-Verlierer Kroatien, die Ukraine und Israel sein.

Ein vollzähliges Team Österreich mit in Form befindlichen bzw. fitten Spielern ist aber allemal für einen sofortigen Wiederaufstieg gut.