Erstellt am 15. September 2014, 13:48

ÖTV-Team schaffte Kehrtwende. Die Pflicht ist geschafft. Österreichs Davis-Cup-Team hat mit einem 4:1-Auswärts-Erfolg über Lettland und dem ersten Sieg auf fremden Boden seit drei Jahren zumindest einmal den Klassenerhalt in der Europa-Afrika-Zone I geschafft.

Der Blick richtet sich nun wie immer auf die Auslosung. Auch die zweithöchste Klasse bietet teilweise ganz schwere Brocken als Gegner. Allen voran der fünffache Davis-Cup-Champion Spanien. Die Iberer haben erstmals seit 1996 den Sprung in die Weltgruppe nicht geschafft. Als Nation mit nicht weniger als zwölf Top-100-Spielern angeführt von Rafael Nadal und David Ferrer in den Top Ten und weiteren vier in den Top 30 sind die Iberer natürlich haushoher Favorit und ein Horror-Los für Jürgen Melzer und Co. Die Spanier verloren in Sao Paulo gegen Brasilien mit 1:3, natürlich ohne den verletzten Nadal und auch Ferrer.

Jede Mannschaft ernst nehmen

Für Österreichs Davis-Cup-Kapitän Clemens Trimmel stand am Montag vorerst einmal das Durchatmen im Vordergrund. Sein Team hatte seit dem Weltgruppen-Viertelfinale 2012 in Spanien vier mal en suite verloren. Der sogenannte Pflichtsieg gegen Lettland hat die erhoffte Kehrtwende eingeleitet, dementsprechend groß war die Erleichterung bei dem Wiener. "Man muss im Davis Cup jede Mannschaft ernst nehmen. Auch wenn (Ernests) Gulbis an allen drei Tagen gespielt hätte, wären wir als Favorit in die Partie gegangen. Es war allerhöchste Zeit, dass da wieder ein Sieg eingefahren wird", erklärte Trimmel.

Die Tatsache, dass Gulbis dann im Einzel nicht gespielt hat, habe für eine klare Favoritenstellung gesorgt. "Aber das muss man auf dem Platz auch rüberbringen, das haben die Burschen sehr professionell gelöst", konstatierte Trimmel.

Hoffen auf Thiem-Rückkehr

Er hofft natürlich, dass Dominic Thiem 2015 wieder mit von der Partie ist. Und er sieht es auch im Nachhinein für den Lettland-Trip nicht anders: "Ich will bei jedem Davis Cup mit der stärksten Mannschaft antreten. Man kann es sich nicht leisten, weil es ein schwieriger, heikler Bewerb ist, mit der zweiten Garde anzutreten."

Trimmel ist sich bewusst, dass Spieler müde sind oder es ihnen in ihre Planung manchmal gar nicht hineinpasst. "Ich selbst hatte nur drei Mal die Ehre, für das Team nominiert zu werden, für mich war das das Größte. Für mich geht es darum, ob sich ein Spieler committet, sein Land zu vertreten, ja oder nein."

Für die Auslosung, die voraussichtlich schon am Donnerstag (17.00 Uhr MESZ) auch für die Europa-Afrika-Zone I vorgenommen wird (hängt vom neuen Davis-Cup-Ranking samt Setzung und noch ausständigen Partien ab), ist eine Setzung diesmal wohl fast noch wichtiger als das immer ersehnte Heimspiel. Für eine Setzung wird es aber eng. Ist Österreich nicht gesetzt, dann droht das Hammer-Los Spanien - vor eigenem Publikum. "Das wäre natürlich das Schlimmste. Wenn du Euro-Afrika spielst, rechnest du nicht unbedingt mit Spanien. Genauso wie Spanien selbst nicht damit rechnet."

Heimspiel wünschenswert

Nach fünf Auswärtsspielen en suite wäre freilich aber auch ein Heimspiel für die ÖTV-Equipe wieder wünschenswert. Abgesehen von der Vermeidung Spaniens hat Trimmel kein Wunschlos. "Es gibt gar keine leichten Aufgaben. Jede Nation hat mittlerweile zumindest einen Top-Spieler."

Für Österreichs Herren geht es nun wieder zurück auf die Tour. Jürgen Melzer hat für die Turniere in Kuala Lumpur, Tokio, das Erste Bank Open in Wien und Valencia genannt. In Shanghai müsste er Qualifikation spielen, er überlegt derzeit aber auch die Teilnahme an einem Challenger in Taschkent. Der große Abwesende in Lettland aus ÖTV-Sicht, Dominic Thiem, hat zwar auch für die Asien-Serie genannt, allerdings steht eine Verlängerung seiner Pause im Raum. Das erste volle Profi-Jahr hat dem 21-jährigen Niederösterreicher zugesetzt. Genannt hat Thiem für Kuala Lumpur, Tokio, Schanghai, Wien und Basel.