Erstellt am 08. April 2012, 12:46

Olympia für ÖTV-Doppel eine Zitterpartie. Das gewonnene Davis-Cup-Doppel in Spanien war aus ÖTV-Sicht das wichtigste bis zu den Olympischen Spielen 2012 vom 27. Juli bis 12. August in London. Am 11. Juni ist Stichtag für das Turnier bei den Spielen der 30. Olympiade, Jürgen Melzer ist in London Einzel-Fixstarter.

Sollte er nach den French Open im Doppel wieder Top Ten sein, kann er sich einen Partner aussuchen. Zudem könnte es dadurch es für die "Doppel-Nation" Österreich mit derzeit vier Spielern in den Top 61 auch einen zweiten Platz in diesem Bewerb geben.

Darauf ruhen auch die Hoffnungen von Julian Knowle. Der ehemalige Weltranglisten-Sechste im Doppel ist nach einem "Seuchenjahr" mit Verletzungen und einer Operation auf Platz zwischenzeitlich auf Rang 90 abgerutscht, mittlerweile aber immerhin wieder 61. Im Davis Cup agierte der Vorarlberger zuletzt nur als Sparringpartner. Als es am Samstag in Oropesa del Mar gegen Spanien für Oliver Marach/Alexander Peya um alles ging, war Knowle schon wieder auf dem Weg zum Turnier in Casablanca.

Knowle wird am 29. April 38 Jahre alt. Dennoch fühlt sich der Harder wieder fit und bereit für große Taten. Nicht nur das Wimbledon-Finale von 2004 unterstreicht, dass der in Wien an einer Adresse mit Hubertus von Hohenlohe und Drehbuchautor Peter Morgan logierende Vorarlberger eine Option für das olympische Rasenturnier wäre.

Peya spielt zwar zusammen mit Marach Doppel auf der Tour. Sich über das kombinierte Ranking gemeinsam für Olympia zu qualifizieren, wird für die beiden aber schwierig. "Ich glaube schon, dass ich eine berechtigte Chance auf Olympia hätte, sofern ich wieder Top 50 bin und Marach/Peya auch qualifiziert sind", sagte Knowle in Spanien. Auch Marach/Peya hoffen auf ein Top-Ten-Ranking, obwohl Melzer (derzeit Platz 17) derzeit ohne den verletzten Erfolgspartner Philipp Petzschner auskommen muss. "Wir sind ein Team und lassen uns nicht auseinanderdividieren", betonte der auf Rang 18 liegende Peya in Spanien. Marach ist ATP-31.

Knowle wäre alleine deshalb schon gerne dabei, weil Peking einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm hinterlassen hatte. 2008 musste er allerdings hart gegen das "alte" ÖOC ankämpfen, das ihn als Weltranglisten-Sechsten zunächst zum "Olympia-Touristen" abgestempelt hatte. In Peking verlor er dann mit Melzer im Achtelfinale gegen die übermächtigen Bryan-Brüder aus den USA und reiste sofort zum nächsten Turnier ab. "Ein Fehler", gesteht er heute ein. "Ich würde mir künftig ganz sicher auch die anderen Sportarten ansehen. Olympia war eine Riesensache."

Knowle ist eine der schillerndsten aber auch unterschätztesten Typen im rot-weiß-roten Tennis. Im Doppel war der jahrelange Einzelkämpfer Wegbereiter für die folgenden rot-weiß-roten Erfolge. Als einer von nur drei österreichischen Grand-Slam-Siegern gehört der US-Open-Gewinner und Masters-Finalist (jeweils 2007) mit insgesamt 13 Turniersiegen im Doppel zu den erfolgreichsten Spielern der ÖTV-Geschichte. 2011 hat ihn mehrfach zurückgeworfen. Von Woche zu Woche muss er sich deshalb derzeit um einen neuen Partner umsehen.

Zudem kommt er aufgrund seines Rankings in die attraktiven Tausender-Turniere nicht hinein. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz, weil es so schwer ist, die nötigen Punkte zu holen", ist Knowle bewusst. In Casablanca spielt er mit dem Deutschen Christopher Kas, später in Bukarest wieder einmal mit Melzer. Um seine Weltranglisten-Position aber wirklich eklatant zu verbessern, "müsste ich schon Paris gewinnen."

Knowle fühlt sich fit und bereit für weitere Erfolge. Ein Karriere-Ende ist für den Linkshänder, der Vor- und Rückhand beidhändig spielt, trotz seines Alters noch nicht absehbar. "Solange ich vorne mitspielen kann, Spaß habe und dazulernen kann, ist Tennis das Richtige für mich", erklärte der Neo-Papa. Tochter Alicia ist mittlerweile neun Monate alt.