Weiden am See

Erstellt am 22. September 2016, 05:56

von Bernhard Fenz

Sven Reiger: „Es sieht schlechter aus, als es war“. Segler Sven Reiger wurde in der 2.4mR-Klasse letztlich Elfter – klar, dass sein Resümee durchwachsen ausfiel.

Gemischte Bilanz: Auch die vierten Paralympics waren für den Weidener Sven Reiger wieder ein Erlebnis, auch wenn es sportlich durchwachsen lief.  |  ÖPC/Franz Baldauf

Damien Seguin (Frankreich), Matthew Bugg (Australien) und Helena Lucas (Großbritannien) sind die Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinner des paralympischen Einmann-Segelbewerbs.

Wäre Sven Reiger auf dieser Liste gestanden, hätte der Weidener überraschend Edelmetall geholt. Tatsächlich wertete der 42-Jährige im Vorfeld einen Top-Sechs-Platz als „super Erfolg“, letztlich wurde der Burgenländer Elfter.

Top-Ten verfehlt: In der letzten Wettfahrt rutschte Sven Reiger – hier beim Training in Rio – noch auf Platz elf. Foto: ÖPC/Franz Baldauf  |  ÖPC/Franz Baldauf

Damit liegt Reiger in der Bilanz unter seinen Erwartungen. Bitter ist, dass der Sportpool-Athlet – er lag lange auf Platz acht – ausgerechnet auf der entscheidenden letzten Wettfahrt noch einige Platzierungen verlor.

„Bis 150 Meter vor dem Ziel bin ich vor all meinen unmittelbaren Gegner gesegelt. Bei der letzten Boje presste sich der Brasilianer (Anm.: Nuno Rosa, er belegte am Ende Platz 16) regelwidrig hinein – ich musste mein Manöver abbrechen, da er sonst ungespitzt in mein Boot gefahren wäre.“ Reiger verlor sechs Plätze, „meine direkten Gegner hatten freie Fahrt. Im Endergebnis hieß es so Platz elf statt Platz acht.“

Fehlende Erfahrungen vor Ort als Manko

Dass Reiger nicht mit der absoluten Spitze mithalten konnte, lag auch an der unterschiedlichen Vorbereitung. „Großbritannien oder Australien etwa waren fast immer hier zum Trainieren, wenn unsere Olympioniken vor Ort waren.“ Der Einzelkämpfer Reiger (einziger rot-weiß-roter Segler) machte sich mit dem Revier erst direkt vor Ort erstmals vertraut. „Für unser Mini-Segelteam ist es natürlich schwer, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Hier sind wir den anderen Nationen hinterhergehinkt.“

Apropos Bedingungen. Die Strömung wurde laut Reiger ab Mitte der Regatta immer mehr zum wichtigen Faktor. „Spätestens dann wurde sichtbar, wer hier vor Ort viel trainiert hat. Der paralympische Segelsport ist längst hochprofessionell. Es muss alles stimmen, du darfst dir keine Fehler erlauben.“ Zufrieden zeigte sich Reiger mit der Startphase. „Da konnte ich noch gut mithalten.“

Fazit des vierten Antritts bei den Sommerspielen für Sportler mit Behinderung: „Die Leistung im zweiten Regattaabschnitt war nicht zufriedenstellend. Im Zusammenhang mit meinen Möglichkeiten in der Vorbereitung und dem Umfeld vor Ort ist es aber auf dem Niveau schwer, zu bestehen, wenn nicht alles hundertprozentig passt. Auch das Missgeschick an der letzten Boje lässt die Regatta nun schlechter aussehen, als sie war.“ Denn eines ist klar. „Auch wenn es für mich schon das vierte Mal war. So oder so sind die Paralympics alle vier Jahre immer etwas ganz Besonderes.“