Erstellt am 07. September 2016, 06:17

Sven Reiger: „Hoffe auf Kleinigkeiten“. Der Weidener Sven Reiger möchte im Segelbewerb überraschen, Edelmetall wäre ein Traum. Es wäre seine zweite Medaille – nach (Leichtathletik-)Silber 1996 in Atlanta.

2.4mR-Klasse: Sven Reiger ist in der paralympischen Einmannklasse am Start. Läuft die Regatta perfekt, ist eine Medaille möglich.  Foto: zVg  |  zVg

Wenn die Paralympics in Rio de Janeiro heute, Mittwoch, starten, nimmt Sven Reiger zum insgesamt vierten Mal an den Sommerspielen für Sportler mit Behinderung teil. Erlebt hat er dabei schon einiges, großen Jubel inklusive: 1996 in Atlanta war der 41-Jährige, dem seit seiner Geburt der linke Unterarm fehlt, noch in der Leichtathletik aktiv.

Damals erkämpfte Sven Reiger Silber mit der 4x100 Meter-Staffel der Herren. Schließlich konzentrierte sich der Wassersport-Freak, der im Zivilberuf Segelschulen, eine Charter-Agentur für Yachten, einen Yachthafen und einen Bootshandel betreibt, aber wieder auf seine Jugendliebe: das Segeln.

Überwiegend Profis als Gegner am Wasser

Sven Reiger (Mitte), er segelt für den Burgenländischen Yachtclub, gratulierte Tom Zajac und Tanja Frank zu ihrer Olympia-Medaille im Nacra17-Segelbewerb. Edelmetall wäre für den Weidener „ein Traum“. Foto: Bernhard Fenz  |  Bernhard Fenz

2008 in Peking und 2012 in London war der Nordburgenländer noch mit Kollegen in der Sonarklasse am Start, in Brasilien ist Reiger in der 2.4mR-Klasse, also der paralympischen Einmannklasse, aktiv – und hier auch der einzige rot-weiß-rote Vertreter.

„Vom Seglerischen her ist das die härtere Klasse“, weiß der Sportpool-Athlet, was auf ihn zukommen wird. Zwölf der 16 Starter sind laut Reiger Profis, zwei weitere sind seit eineinhalb Jahren freigestellt. Er selbst wiederum zähle zu den verbleibenden zwei Teilnehmern, die neben Segeln auch noch einem Beruf nachgehen.

Dementsprechend waren die Vorbereitungen im Rahmen der Möglichkeiten zwar gut, für das ganz große Ziel müsste aber schon wirklich alles passen. Reiger: „Eine Medaille wäre ein Traum, ein Top-Sechs-Platz wäre ein super Erfolg.“ Anders ausgedrückt: „Rein vom Papier her sind zwei Medaillen schon vergeben. Vom Können her gibt es an sich acht, neun Leute, die Edelmetall holen können – mich inklusive.“ Nachsatz: „Wenn die Konkurrenz fehlerfrei segelt, wird es aber schwer.“

Das Revier vor Rio hat so seine Tücken

Allerdings hat das Revier vor Rio seine Tücken, die will Reiger durch seine Erfahrung und mit einer entsprechenden Taktik zu seinem Vorteil nützen. „Ich hoffe, dass es dann auf diese Kleinigkeiten ankommt.“ Am Dienstag der Vorwoche reiste er an, seitdem macht er sich mit den Gegebenheiten vertraut.

„Aus finanziellen Gründen war ich im Vorfeld nicht in Rio, sondern habe vorwiegend in Spanien oder Kroatien trainiert, zuletzt am Traunsee und in Frankreich. Jetzt muss ich mich erst einmal einstellen,“ geht der Olympionike voller Vorfreude an die Sache heran.

Los geht es für die Teilnehmer der 2.4mR-Klasse am Samstag mit dem Practice Race. Bis 17. September stehen dann die Wettfahrten auf dem Programm, am 18. September folgt die Schluss-Zeremonie – just an Sven Reigers 42. Geburtstag. So gesehen wird der Burgenländer bei seinem Wiegenfest also in jedem Fall ein Feuerwerk erleben.