Erstellt am 13. Mai 2014, 22:47

von Bernhard Fenz

Parndorf wieder voll im Rennen!. Der Kampf gegen den Relegationsplatz in der Ersten Liga bleibt packend, denn die stark gefährdeten Parndorfer ergriffen ihre letzte Chance und gewannen am Dienstagabend just beim Derbyrivalen in Mattersburg!

Derbysieger! Die Parndorfer Kicker ergriffen den letzten Strohhalm auf dem Weg zum Klassenerhalt und feierten ihren Sieg in Mattersburg ausgelassen.  |  NOEN, Michael Weller
Durch einen in der Nachspielzeit fixierten 4:2-Erfolg in Mattersburg haben die neuntplatzierten Schützlinge von Paul Hafner vor der letzten Runde den Rückstand zum Achten – den SVM – auf drei Punkte reduziert.

Die Chance auf den direkten Klassenerhalt bleibt somit gewahrt – und der psychologische Vorteil liegt plötzlich auf Parndorfer Seite.

Auch die Lizenz-Entscheidung könnte noch wichtig werden

Dass die beiden noch lizenzlosen Bundesliga-Klubs Admira und Kapfenberg programmgemäß den Kampf um das Pickerl für die nächste Saison aufnehmen, verkündete die Bundesliga in einer Aussendung am Dienstagmittag. Beide Klubs protestierten – erwartungsgemäß.



Von der zweitinstanzlichen Entscheidung (bis 17. Mai gibt es Klarheit) und – im Fall eines weiteren „Njet“ - einem etwaigen Gang zum Ständigen Neutralen Schiedsgericht (bis 31. Mai) hängt es ab, ob dem Neunten der Ersten Liga die Relegation gegen den LASK am 2. und 5. Juni erspart bleibt. Sollten Admira oder Kapfenberg in die Regionalliga zwangsabsteigen müssen, wären die Linzer und der Neunte kampflos oben.

Finale Furioso im Pappelstadion brachte Abstiegskrimi

Noch geht es aber nicht um Entscheidungen am grünen Tisch. Es waren und sind sportliche Aspekte, die den SV Mattersburg und den SC/ESV Parndorf im direkten Duell am Dienstagabend antrieben. Dem Absteiger aus der Tipp3 Bundesliga reichte im Burgenland-Derby des vorletzten Spieltags bei sechs Punkten Vorsprung bereits ein X, während der Aufsteiger aus der Regionalliga Ost unbedingt gewinnen musste.

Heraus kam ein dramatisches Aufeinandertreffen, in dem Parndorf durch zwei Treffer in der Nachspielzeit noch den nicht mehr erwarteten Sieg bejubeln konnte. Somit rückten die beiden Kontrahenten entscheidend näher zusammen.

Der aktuelle Stand ( siehe auch hier die Tabelle der HfM Ersten Liga ):

8. Mattersburg: 41 Punkte, 51:66 Tore (-15)
9. Parndorf: 38 Punkte, 40:58 Tore (-18)

Mattersburg vor der Pause stärker und mit Aluminiumpech

Die erste Chance im Spiel fanden die Parndorfer vor, Marjan Markic verzog eine höchst aussichtsreiche Chance aus rund acht Metern. Dann allerdings nahm der SVM das Zepter in die Hand. Vor den Augen von Ex-Trainer und U21-Teamchef Werner Gregoritsch strich im Zuge eines Corners ein Kopfball an die Stange, ehe Ingo Klemen im Strafraum an den Ball kam, aber zu zentral und harmlos abschloss.

Auf der Gegenseite verzettelte sich Marjan Markic, bevor die Grün-Weißen schließlich erstmals zuschlugen – allerdings unter Mithilfe von Patrick Baumeister, der einen Ball passieren ließ. Alex Ibser überzuckerte die Situation und schob den Ball an Parndorf-Goalie Bartolomej Kuru zur verdienten 1:0-Führung ins Tor. Die Entscheidung? Mitnichten.

Parndorf drehte die Partie, Mattersburg glich aber wieder aus

Unmittelbar nach Wiederbeginn schlug der Außenseiter prompt zurück. Markic war es, der eine Flanke übernahm, Malic und Farkas spielten nur Begleitschutz und der Parndorf-Stürmer setzte einen Schuss aus der Drehung an Goalie Markus Kuster vorbei ins lange Eck. In Minute 57 nahm sich dann Patrick Kienzl ein Herz und hämmerte das Runde ins Kreuzeckige – ein Traumtor, Kuster war ohne Abwehrchance.

Die Folge: Mattersburg wirkte geschockt und ratlos, bis zur 75. Minute: Attacke von Felix Wendelin an Michi Mörz im Strafraum, Referee Andreas Kollegger zeigte auf den Punkt. Ivica Majstorovic ließ sich die Chance nicht entgehen und verlud Stefan Krell, der für den verletzt ausgeschiedenen Kuru (Schulterprobleme nach einem Zusammenprall mit Ingo Klemen) vor der Pause ins Tor kam.

Nachspielzeit nicht mehr an Dramatik zu überbieten

Als die 2.000 Zuschauer schon mit einem Remis – und somit dem fixen Klassenerhalt für den SV Mattersburg rechneten – überschlugen sich noch einmal die Ereignisse: Ungeschickte Attacke von Nedeljko Malic an Julian Salamon im Strafraum nach einem hohen Ball von David Dornhackl (Malic kam mit dem Kopf an den Ball, drückte danach Salamon weg), Elfer für die Gäste, Gelb-Rot gegen den Mattersburger Verteidiger. Kapitän Roman Kummerer blieb eiskalt und traf flach ins Eck zum umjubelten 2:3.

Aber es kam noch bitterer: Nur zwei Minuten später ging Salamon in die Gasse und spitzelte den Ball an Kuster zum 4:2-Endstand ins Netz. Mattersburg war bedient, Parndorf jubelte.

Fazit:

Die Chancenlage hat sich vor der letzten Runde (Parndorf empfängt Austria Lustenau, Mattersburg muss zu Meister Altach – Thorsten Röcher und Nedeljko Malic sind gelbgesperrt) gedreht. Zwar liegt der SVM als Achter bei 41 Zählern noch mit drei Punkten vor Parndorf, allerdings auch nur noch mit dem um drei Treffer besseren Torverhältnis.

Anders ausgedrückt: Eine Mattersburger 0:2-Niederlage in Altach und ein Parndorfer 2:0-Sieg gegen Lustenau würden reichen, damit die beiden burgenländischen Vertreter ganz am Schluss noch die Plätze  tauschen.  Der Mannschaft von Ivica Vastic droht somit noch immer die Relegation, und im schlimmsten Fall der zweite Abstieg in Folge.

Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite: Stimmen zum Spiel und die Match-Statistik

Stimmen zum Spiel: „Totgesagte leben länger“

Parndorf-Trainer Paul Hafner:

„Wir haben alles auf eine Karte gesetzt, der Sieg ist aufgrund der kämpferischen Sonderleistung verdient.“

Mattersburg-Trainer Ivica Vastic:

„Leider haben wir versäumt, speziell in der zweiten Halbzeit um jeden Zentimeter zu kämpfen. Zudem haben wir zum x-ten Mal den Sack nicht zugemacht. Da fehlt die letzte Entschlossenheit. Trotzdem haben wir jetzt noch immer eine Möglichkeit.“

Roman Kummerer (Parndorf-Kapitän):

„Totgesagte leben länger. Anscheinend steckt schon sehr viel Charakter in der Mannschaft. Jetzt ist der direkte Klassenerhalt wieder möglich.“

Patrick Baumeister (Parndorf):

„Das 2:4 macht jetzt wieder alles spannend. Bei einem 3:2-Erfolg wäre es aufgrund der Ausgangslage ganz hart gewesen, so aber können wir jetzt doch wieder ein wenig spekulieren.“

Julian Salamon (Parndorf):

„Wenn wir in der letzten Runde den Klassenerhalt fixieren können, verabschiede ich mich wirklich gerne mit diesem Tor.“

Marjan Markic (Parndorf):

„Es war ein intensives und spannendes Derby mit der wichtigsten Erkenntnis: Wir leben noch.“
 

Die Spielstatistik:

MATTERSBURG – PARNDORF 2:4 (1:0).
Torfolge:
1:0 (42.) Ibser, 1:1 (50.) Markic, 1:2 (57.) Kienzl, 2:2 (76.) Majstorovic (Foulelfer), 2:3 (92.) Kummerer (Foulelfer), 2:4 (94.) Salamon.
Gelb-Rot: Malic (91., Foul).
Gelb: Sanchez (61., Handspiel), Malic (78., Foul), Röcher (87., Foul); Wendelin (33., Foul), Prutsch (38., Foul), Karner (75., Kritik), Markic (80., Foul), Salamon (94., Unsportlichkeit).
Mattersburg: Kuster; Farkas, Malic, Rath, Sanchez; Sprangler (60. Mörz), Majstorovic; Höller (74. Ressler), Röcher, Ibser; Klemen.
Parndorf: Kuru (45. Krell); Wendelin (79. Horvath), Baumeister (46. Karner), Kummerer, Dornhackl; Wimmer, Marosi, Prutsch, Kienzl; Markic, Salamon.
SR: Kollegger.- Pappelstadion, 2.000.