Erstellt am 15. Januar 2012, 10:59

Pressing für Koller besonders wichtig. Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller hat am Samstag im EVN-Forum in Maria Enzersdorf im Rahmen des ÖFB-Trainerseminars über seine ersten Monate im neuen Amt referiert und dabei auch Einblicke in seine persönliche Philosophie gewährt.

Vor rund 350 Coaches, die zumindest im Besitz der UEFA-B-Lizenz sind, sprach der Schweizer über jene Ideen, die er der ÖFB-Auswahl binnen kurzer Zeit vermitteln will.

In der Defensive legt Koller vor allem auf konsequentes Absichern und Verschieben Wert, in der Offensive wünscht sich der 51-Jährige unter anderem vertikales Spielen und Laufen. Besondere Bedeutung misst der Nationaltrainer dem Pressing bei, das beim 1:2 im November gegen die Ukraine in einigen Phasen bereits gut funktionierte, wie Koller anhand von Videosequenzen zeigte.

Weniger gut klappte das Verhalten der Österreicher, sobald die Ukrainer Angriffe mittels Hinterlaufen lancierten - durch diese Aktionen entstanden beide Treffer und eine gute Chance für den Co-Gastgeber der EM 2012. Vor dem Testspiel am 29. Februar in Klagenfurt gegen Finnland will Koller deshalb den Schwerpunkt auf diese Angriffsvariante des Kontrahenten legen.

Im zweiten Ländermatch unter seiner Führung könnte es einige personelle Änderungen geben. "Das heißt aber nicht, dass diejenigen weg sind, die gegen Finnland nicht dabei sind", betonte Koller. Er wolle noch einige Kicker testen, um bis zum Beginn der WM-Qualifikation im September über einen Pool von rund 30 Spielern zu verfügen.

Fixer Bestandteil dieses Pools dürfte Marko Arnautovic sein. "Ich habe einen guten Draht zu ihm, und das wird sich weiterentwickeln", sagte Koller vor Zuhörern wie Wiener-Neustadt-Coach Peter Stöger oder LASK-Betreuer Walter Schachner und bezeichnete den Legionär von Werder Bremen als Kicker mit "sehr großen fußballerischen Qualitäten, die er aber noch nicht ganz umsetzt".

Der Teamchef warnte den 22-Jährigen vor disziplinären Fehltritten. "Ich kann jetzt jetzt nicht versprechen, ob er uns weiterhilft oder ich sagen muss, es geht so nicht. Mein Trainerstab und ich sind für den Teamerfolg verantwortlich und können nicht auf Einzelspieler schauen."

Weniger Bedenken hat Koller bei David Alaba. "Er ist zurückhaltend, korrekt und manchmal auch ein bisschen ein Schlitzohr. Wenn er sich nicht verletzt, bin ich überzeugt, dass er uns in den nächsten Jahren noch viel helfen wird", erklärte der Schweizer.