Erstellt am 04. März 2013, 10:42

Rapid in Schaffenskrise - Schöttel vermisst "letzten Willen". Das Jahr 2013 ist bisher nicht das Jahr des SK Rapid. Eine 1:2-Niederlage am Sonntag beim WAC hat die sportliche Krise perfekt gemacht.

Der Rekordmeister ist in der Fußball-Bundesliga bereits fünf Runden sieglos. Tabellenführer Austria ist längst enteilt, auf den Zweiten Salzburg und damit einen Platz in der Champions-League-Qualifikation fehlen bei zwei Spielen mehr ebenfalls bereits fünf Punkte.

Trainer Peter Schöttel stieß vor allem der fehlende Einsatz in Wolfsberg sauer auf. "Es ist eine sehr schwierige Situation, weil man den Eindruck hat, dass einige in den Zweikämpfen zurückziehen und vielleicht nicht alles geben", gestand der Ex-Internationale. "Es fehlt der letzte Wille. So nachlässig zu agieren, ist schwach. Das werden wir auf keinen Fall einreißen lassen."

Zwei Punkte haben die Hütteldorfer im Frühjahr erst geholt. In den kommenden Heimspielen gegen die Nachzügler Mattersburg und Admira muss voll gepunktet werden, will man nicht arg in Bedrängnis geraten. "Wir sind relativ weit weg von Rang zwei. Jetzt schauen wir, dass wir Rang drei halten. Wenn wir nicht endlich anfangen zu gewinnen, wird uns auch das nicht gelingen", meinte Schöttel.

Der Rapid-Coach war 2012 immer wieder für seine defensive Spielanlage kritisiert worden. Sollte sich der Erfolg nicht einstellen, könnte man aber dazu zurückkehren. "Ich bin im Herbst oft kritisiert worden, dass es nicht attraktiv genug ist. Dafür waren die Ergebnisse in Ordnung", erinnerte Schöttel. "Jetzt versuchen wir, selbst initiativ zu sein. Wenn wir mit mehr Offensivspielern aber nicht mehr in die Zweikämpfe gehen, werden wir das ändern."

Rapid-Sportdirektor Helmut Schulte nahm vor allem die Führungsspieler in die Pflicht. "Es ist unverständlich, dass erfahrene Spieler solche Fehler machen", sagte der Deutsche im Sky-Interview. In numerischer Überlegenheit fehlte nicht nur die Passgenauigkeit, sondern auch die Kreativität. Schulte: "Mit der Qualität, die wir auf dem Platz haben, da muss uns mehr einfallen. Wir waren nicht gut genug, um dieses Spiel zu gewinnen."

Im Gegensatz zu den vergangenen Spielen nahm der Sportchef diesmal nicht auf der Rapid-Bank Platz, sondern verfolgte das Geschehen von der Tribüne aus. "Wir haben zu keiner Zeit die Dominanz gezeigt, die wir uns gewünscht haben", erkannte Schulte. "Wir sind unserer Favoritenrolle nicht gerecht geworden." Im dritten Saisonduell mit dem Aufsteiger setzte es die dritte Niederlage.

Nur weil Verfolger Sturm im Kampf um Platz drei ebenfalls schwächelt, liegen die Hütteldorfer weiter drei Punkte vor den Grazern. Laut Schulte werde auch noch nach oben geschaut. "Aber es ist kein Wunschkonzert", sagte der Deutsche, der in seiner Amtszeit noch keinen Rapid-Sieg bejubeln durfte. "Wir stehen auf dem dritten Platz. So wie wir spielen, gehören wir dort auch hin."

Der WAC könnte den Rapidlern einen Dienst erweisen, kommt im Nachtrag am Mittwoch mit Salzburg doch bereits das nächste Kaliber in die Lavanttal-Arena. Die gegen Rapid ausgeschlossenen Nenad Jovanovic und David de Paula fehlen gesperrt. "Wir haben andere Leute, die fleißig arbeiten und sie ersetzen können", versicherte WAC-Coach Nenad Bjelica. "Wir werden auch gegen Salzburg versuchen, ein gutes Spiel zu machen."

Erstes Ziel der im Frühjahr noch ungeschlagenen Kärntner ist es, 40 Punkte zu erreichen. "Erst danach schauen wir weiter", erklärte Bjelica. Etwa auf den Tabellenfünften Ried, auf den bei zwei Spielen weniger nur noch drei Punkte fehlen. Die drei Saisonsiege gegen Rapid geben Selbstvertrauen. Bjelica: "Gegen Rapid zu gewinnen, ist enorm schwer. Rapid ist ein großer Verein." Das muss der Rekordmeister in den nächsten Wochen auch auf dem Spielfeld beweisen.