Erstellt am 21. November 2012, 11:18

Rapid in Trondheim um Punkte, aber nicht um Ehre. Die sportliche Bedeutung des Europa-League-Auswärtsspiels gegen Rosenborg Trondheim reduziert sich für Rapid vor allem auf die Möglichkeit zur Imagekorrektur.

Österreichs Fußball-Rekordmeister steht als einziges Team der 48 Clubs umfassenden Gruppenphase nach vier Partien in Pool K noch immer ohne Punkt da - dieser Zustand soll laut Trainer Peter Schöttel am Donnerstag um 21.05 Uhr beendet werden. "Es nervt, dass wir ständig darauf angesprochen werden. Deswegen wollen und werden wir diesen Makel wegwischen", versprach der Trainer. "Wir treffen auf einen Gegner auf Augenhöhe, gegen den wir in der Gruppe die größte Chance auf Punkte haben. Bayer Leverkusen und Metalist Charkiw sind außerhalb unserer Reichweite."

Zum "Spiel der Ehre" wollte Schöttel das Duell mit Rosenborg dennoch nicht ausrufen. "Das wäre zu hochgegriffen. Wir haben uns ja bisher nicht unehrenhaft verhalten, sondern nur unsere Spiele nicht gewonnen."

Optimistisch stimmt den Rapid-Rekordspieler, dass sich die Personalsituation im Vergleich zum jüngsten Europa-League-Auftritt (0:3 vor zwei Wochen in Leverkusen) deutlich verbessert hat. Steffen Hofmann und Muhammed Ildiz fallen zwar weiterhin aus, mit Guido Burgstaller und Deni Alar hat der 45-Jährige aber zwei Schlüsselspieler wieder zur Verfügung. "Die Beiden könnten gegen Rosenborg sehr wichtig werden", meinte Schöttel und spielte dabei auf die Schnelligkeit des Duos an.

Der Coach setzt vor rund 600 Rapid-Fans in Trondheim nämlich auf schnelle Gegenstöße - Räume dafür sollten genügend vorhanden sein. "Rosenborg spielt daheim ganz anders als auswärts und wird sehr initiativ agieren. Wenn wir gescheit sind, wird uns das zugutekommen."

Beim 1:2 im "Geisterspiel" im Wiener Happel-Stadion hatten die Norweger noch Rapid das Spiel überlassen und dank schwerer Abwehrfehler und eines vergebenen Alar-Elfmeters den Sieg eingefahren. "Wir waren im Hinspiel überlegen, haben aber zwei Geschenke verteilt. Die Aufarbeitung dieser Partie war schwierig, weil sie von Fans uns Medien sehr schlecht bewertet worden ist, obwohl wir dominant waren", erinnerte sich Schöttel.

Im Falle eines Erfolges im ersten Duell mit den Norwegern wäre Rapid in der Folge viel erspart geblieben, vermutete der Wiener. "Wenn uns da ein Sieg gelungen wäre, hätte der gesamte Herbst eine andere Entwicklung genommen." So aber wurden die Hütteldorfer von sportlichen Tiefschlägen und Fan-Protesten gebeutelt, weisen in der Bundesliga mittlerweile neun Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Austria Wien auf und spielen in der Europa League - wie die ebenfalls frühzeitig ausgeschiedenen Trondheimer - nur noch um Spesen.

Die finanziellen Nebengeräusche könnten für Rapid allerdings noch eine große Bedeutung haben. Ein Sieg in der Gruppenphase ist 200.000 Euro, ein Unentschieden immerhin noch die Hälfte wert - dieses Geld wäre für die Grün-Weißen ein willkommenes Zubrot, um ihre Ankündigung einer qualitativen Verstärkung in der Winterpause tatsächlich wahr machen zu können.

Und nebenbei steht in Trondheim auch für den gesamten österreichischen Fußball viel auf dem Spiel: Wohl nur ein voller Erfolg hält die Chance am Leben, dass die heimische Bundesliga in der Saison 2014/15 so wie in der Spielzeit davor mit fünf Vereinen im Europacup vertreten ist.