Erstellt am 20. Oktober 2012, 10:29

Rapid will im Herbst nicht in die Misere rotieren. Rapid will in einem anstrengenden Herbst nicht in die Misere trudeln.

Das von Peter Schöttel gern praktizierte Rotationsprinzip beim Fußball-Rekordmeister könnte in den kühleren Monaten deshalb ein wenig gelockert werden. Trotzdem gilt es für die in der Europa League engagierten Hütteldorfer, mit ihren Kräften bis 15. Dezember hauszuhalten. Nach dem Jahreskehraus beim SC Wiener Neustadt werden die Hütteldorfer immerhin 33 Pflichtspiele in dieser Saison absolviert haben.

20 Meisterschaftsrunden, zehn Spiele in der Europa League samt Qualifikation sowie drei Cup-Partien werden dann zu Buche stehen. Trainer Schöttel setzte in dieser Saison deshalb zunehmend auf sein Rotationsprinzip, um dem körperlichen Burn-out vorzubeugen. "Wenn ein Spieler eine Pause braucht, bekommt er die", lautete das Credo von Rapids Rekordspieler. Dieses soll nun ein wenig gelockert werden.

"Rotation wird weiter eine Rolle spielen, ist aber nicht mehr so ein Thema wie vor zwei Monaten. Die heißen Temperaturen haben eine Rolle gespielt, jetzt wird es wettertechnisch angenehmer", sagte Schöttel vor dem Derby gegen die Austria am Sonntag. "Jetzt können wir uns in der Mannschaft auf einen Stamm von sieben, acht Spielern konzentrieren." Um diese herum könnten aber immer wieder Rochaden passieren. Qualität sei im Kader genug vorhanden. Auch, weil junge Kräfte wie Louis Schaub, Dominik Wydra, Kristijan Dobras oder Dominik Starkl nachdrängen.

Nicht zur Verfügung stehen könnte im Europa-League-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Donnerstag aber erneut Rapids wertvollster Spieler. Steffen Hofmann plagt eine Augenverletzung, derzeit beträgt sein Sehvermögen nur 70 Prozent. "In letzten Spielen wo er gefehlt hat, hat es von den Ergebnissen trotzdem immer gut ausgeschaut", bemühte sich Schöttel in Zweckoptimismus. In dieser Saison bestritt Hofmann bisher alle Partien. Beim 1:1 gegen Wiener Neustadt wurde er aufgrund seiner Blessur zur Pause ausgetauscht, dabei klappte bei Rapid wenig.

Das Heimremis gegen die Niederösterreicher drei Tage nach dem Spiel in Charkiw zeigte jedoch die Gefahr der Doppelbelastung auf. Vor allem nach Europacup-Auswärtsreisen klappte es bei Rapid bisher überhaupt nicht. Nach dem Auftritt in Novi Sad setzte es ein 0:3 gegen die Austria, das 0:1 beim WAC kam nach dem Spiel in Saloniki. Beim Auswärtsmatch gegen Leverkusen überlegt Schöttel, nun erst am Tag nach dem Match heimzureisen, damit die Spieler besser regenerieren können.

Dass bezüglich Haushaltung der Kräfte einiges ins Auge gehen kann, zeigte in der Vorsaison ausgerechnet der Stadtrivale auf. Karl Daxbacher schickte die Austria im vergangenen Herbst in Liga und Europa League immer in der Stammformation auf das Spielfeld, im Finish schleppten sich Leistungsträger daraufhin nur noch über den Platz. Die daraus resultierende Negativserie kostete Daxbacher schließlich seinen Trainerposten.

Austrias aktueller Trainer Peter Stöger sieht die Diskussion um Rotation und Doppelbelastung jedenfalls gelassen. "Rotierst du und gewinnst nicht, fragen alle warum rotiert man. Rotierst du und gewinnst, sagt jeder, das ist das Erfolgsrezept", bemühte er eine alte Fußballweisheit. "Alle Spieler, die bei Rapid und Austria im Kader stehen, haben die Qualität dort zu spielen. Damit ist alles gesagt."