Erstellt am 07. August 2014, 10:12

von Bernhard Fenz

Jetzt insolvent, später rauf in die Erste Liga?. Ritzing-Boss Harald Reiszner will im Zuge der Insolvenz erst 571.000 Altlasten beseitigen – und aufsteigen.

Harald Reiszner (r.), Obmann des SC Ritzing, mit seinem Klubmanager Robert Hochstaffl. Letzterer kümmert sich seit eineinhalb Jahren um die sportlichen Belange.  |  NOEN, Otto Gansrigler

Am Montag wurden die Zahlen im Zuge der Berichttagsatzung bestätigt: Der Sportclub Ritzing ist insolvent. 571.000 Euro sind offen, wie der KSV 1870 (Kreditschutzverband) mitteilte. Nun soll der Schuldenberg im Zuge eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beseitigt werden. Eine 30-Prozent-Quote steht im Angebot, das Ende Oktober abgesegnet werden könnte.

Vor allem die Forderung der Gebietskrankenkasse (unterm Strich nach Berufung des SC Ritzing plus Zinsen 260.000 Euro) bildet einen großen Brocken. Die von den Mittelburgenländern angestrebte Ratenzahlung wurde laut Obmann Harald Reiszner abgelehnt. „Der Plan steht. Jetzt wird es eben so erledigt.“

Inklusive weiterer Verbindlichkeiten kam die obige Summe zustande, die dann bei 30 Prozent etwas mehr als 170.000 Euro ausmachen würde. Hintergrund: Der Sanierungs-Schritt der Mittelburgenländer soll einen Schlussstrich unter die nach wie vor offenen Altlasten setzen.

So plant es der Klubchef, der wiederum gleich in die Offensive geht: „Es wird behauptet, dass es Spieler gibt, die in den letzten 20 Jahren des SC Ritzing ihr Geld nicht bekommen haben. Darauf freue ich mich besonders, wenn die alle aus ihren Löchern kriechen und uns erklären, wer sein Geld nicht bekommen hat. Das Spiel heißt dann: Karten auf den Tisch. Jeder hat die Chance, jetzt zum Sanierungsverwalter (Adalbert Hausmann, Anm.) zu gehen und Geld einzufordern. Dafür müssen aber Beweise auf dem Tisch liegen – da bin ich schon gespannt, woher diese Leute ihre Verträge nehmen, um das zu belegen.“ Und: „Nach dem Verfahren ist die Sache definitiv erledigt. Dann kann keiner mehr kommen und sagen: Hurra, ich weiß was.“ Wird der Sanierungsplan abgesegnet – wovon Reiszner ausgeht – ist die Zeit „von 1993 (Anm.: seitdem ist er Klubchef) bis 2014 erledigt“.

„Für die Differenz hafte ja ich…“

Parallel dazu soll sich der Verein weiterentwickeln. Seit Jänner 2013 herrscht ein (ausgelagerter) Profibetrieb, die Spieler sind bei der Intrepid GmbH angemeldet. „Es geht hier ja nicht nur um die Gebietskrankenkasse, sondern um den gesamten Betrieb. Ich will steuertechnisch sicher sein und lasse jedes halbe Jahr die Bilanz prüfen – die ist beim Profibetrieb erstaunlich gut“, sagt der 51-jährige Ritzinger, dessen Klub insgesamt über ein Budget im oberen fünfstelligen Bereich verfügen und sponsorentechnisch stabil unterwegs sein soll.

Gerüchten und Vorwürfen aus Fußballerkreisen zufolge, wonach die Insolvenz vorsätzlich über die Bühne gebracht werde, damit Ritzing nur 30 Prozent der Schulden zahlen müsse und alles wieder von vorne beginnen könne, entgegnet Harald Reiszner: „Ich kenne diese Behauptungen, bin aber nicht feig und stell mich der Diskussion. Fakt ist: Die 30 Prozent entschulden ja nur den SC Ritzing. Für die Differenz hafte ich, das verstehen die Leute ja nicht.“

Man werde, wie der Eigentümer und Chef der Firma I&T in Siegendorf klarstellte, die offenen Summen jedenfalls von „Dritter Seite“ bezahlen.

Unabhängig vom Insovenz-Thema werde der normale Spielbetrieb in Ritzing nicht betroffen sein, der Plan des Klubs bleibt: Es soll früher oder später in die Sky Go Erste Liga gehen. Wenn die Mannschaft in Schlagdistanz zur Spitze ist, wird um die Bundesliga-Lizenz angesucht. Reiszner: „Sportlich wird das eines der schwierigsten Jahre für den Aufstieg. Vom Umfeld her hat die Intrepid GmbH keine Schulden, der Sportclub wird als Trägerverein der Lizenz auch keine mehr haben.“

Zufrieden sei das Kluboberhaupt mit der Entwicklung am und abseits des Rasens in den letzten eineinhalb Jahren jedenfalls: „Wir haben gemerkt, dass die Leute kommen, wenn guter Fußball geboten wird. Dazu kommen entsprechende Namen – Goalie Szabolcs Safar war ein echter Glücksgriff, auch vom Drumherum. Ich kann mich nicht erinnern, dass davor ein Spieler des SC Ritzing Autogramme geben musste.“