Erstellt am 17. März 2016, 05:24

von Martin Ivansich

Reichstädter/Schmidt sehen „Chance auf Edelmetall“. Mit dem 470er-Duo Matthias Schmidt und Flo Reichstädter sowie dem Nacra17-Gespann Tanja Frank und Thomas Zajac segeln zwei heimische Boote um Medaillen.

Zuversichtlich. Matthias Schmid und Florian Reichstädter (r.) wollen in Rio eine gute Rolle spielen.  |  NOEN, zVg

Georg Fundak, Sportdirektor des Österreichischen Segelverbands, traut Matthias Schmid und Florian Reichstädter (Yachtclub Breitenbrunn) bei den Olympischen Spielen viel zu: „Sie haben absolut realistische Medaillenchancen. Dass sie vorne mitsegeln können, haben sie mehrfach unter Beweis gestellt.“ Seit 2012 liegt der Fokus der 470er-Segler voll auf Rio.

„Neusiedl ist unsere Heimat: Das Segelzentrum
hat einen unbezahlbaren Stellenwert“
Georg Fundak

Die akribischen Arbeiter tüftelten dabei enorm am Material, testeten häufiger als fast alle anderen Konkurrenten in Rio und werden nun auch nicht wie die anderen österreichischen Segler in Mallorca proben, sondern stattdessen in Rio im Olympiarevier trainieren.

„Wir haben noch Kleinigkeiten am Mast zu adaptieren. Das wollen wir bei den Bedingungen in Rio erledigen“, so Steuermann Matthias Schmid. Bei den Weltmeisterschaften zuletzt lief es nicht rund. Da erreichte man in Argentinien lediglich Platz 18. „Enttäuschend, aber kein Grund zur Unruhe. Wir wissen, woran es gelegen hat und sind trotzdem überzeugt, in Rio um Medaillen segeln zu können.“

Ob es für ganz oben reicht, bleibt abzuwarten. Im klaren Favoritenboot sitzen die Australier (Matthew Belcher und William Ryan). „Die waren jahrelang unantastbar, sind aber jetzt auch in Reichweite,“ so Matthias Schmid.

Um die Lücke zur absoluten Spitze zu schließen, halten sich Schmid/Reichstädter mehr als 250 Tage im Jahr im Ausland auf, trainiert wird nur selten daheim. „In der intensiven Vorbereitung sind wir eigentlich kaum in Breitenbrunn – wenn, dann am Stützpunkt im Segelzentrum Neusiedl. Weniger aber zum Segeln, Neusiedl dient mehr zur Logistik. Wir haben dort ein Boot stationiert, eines in Miami und eines in Rio.“

Für Sportdirektor Fundak, der selbst seit Jahren in der Seestadt lebt, hat das Segelzentrum in Neusiedl trotzdem einen beinahe unbezahlbaren Stellenwert: „Das ist unsere Heimat, die Heimat des Nationalteams. Wir können dadurch anschließen zur Weltspitze. Hier haben wir alles, was wir brauchen.“

„Auch andere Faktoren werden eine Rolle spielen“

Neben Schmid/Reichstädter werden mit Tanja Frank und Thomas Zajac (Burgenländischer Yachtclub) im Nacra17-Bewerb zwei weitere rot-goldene Sportler um olympisches Edelmetall segeln. Zuletzt gab es für das Duo bei der Weltmeisterschaft in Miami den undankbaren vierten Platz, dafür aber die Erkenntnis in der Weltspitze mitsegeln zu können.

„Die Medaille wäre eine super Sache. Da sind aber zehn Teams dabei, die das schaffen können. Deshalb werden auch Faktoren wie Glück eine Rolle spielen. Wir müssen unser Potenzial voll abrufen, dann ist das Ziel Medaille auch möglich“, gibt sich die Wahl-Neusiedlerin Tanja Frank (Wienerin mit Zweit-Wohnsitz Neusiedl/See) optimistisch.

Ab der zweiten August-Woche heißt es dann für die Fans mitzittern, wenn die Segler in Rio ihre Bewerbe austragen. Gut möglich, dass nach Snowboarderin Julia Dujmovits im Winter 2014 das Burgenland im Sommer 2016 bald weitere Olympische Medaillen feiern darf.