Erstellt am 22. April 2015, 07:35

von Bernhard Fenz

Reserven: Der Umsturz bleibt aus. BFV erhebt die Klubwünsche und bietet Varianten an – die Mehrheit tendiert zum alten System.

Youngster-Pool. Bei BVZ Burgenlandliga-Tabellenführer SV Oberwart hat Reserve-Trainer Heinz Frank (2.v.l.) junge Spieler zur Verfügung - etwa Michael Frank, Tobias Horvath und Patrick Hemmer (v.l.). Die »Revue« spielt vorne mit. Sollte der SVO in die Ostliga aufsteigen, wird eine eigene 1b im Landesverband eingegliedert. Foto: Daniel Fenz  |  NOEN, Daniel Fenz
Es ist das alte Leid. Klubs im Amateurbereich müssen neben der Kampfmannschaft auch eine Reserve stellen. Soweit, so gut. Diese Pflicht wird für viele (speziell in kleineren Orten) aber mehr und mehr zur Hürde.



Geburtenrückgang hier, breiteres Hobbyangebot oder zunehmende kollektive Unsportlichkeit da, längst ist der Fußballverein kein Selbstläufer mehr.

Weil es an der nötigen personellen Ressource mangelt, droht der Reservebetrieb vielerorts zur Farce zu verkommen. Ein Problem, vor allem, da die ursprünglich(st)e Aufgabe längst nicht mehr erfüllt werden kann.

Viele Zweiergarnituren mittlerweile bunt gemischt

BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl: „Früher hieß der Reservebetrieb nicht umsonst U21. Es ging darum, dass Fußballer ab 15 Jahre für eine Kampfmannschaft spielberechtigt sind. Viele sind vom biologischen Alter dann aber noch nicht soweit und brauchen einen sportlichen Übergang zur Kampfmannschaft – die Reserve.“

In der Praxis sind viele Zweiergarnituren mittlerweile bunt gemischt. Aus der Personalnot wurde eine Tugend gemacht. So helfen Fußball-Senioren aus, dürfen sich Kicker, die nicht über die nötige Qualität für die „Erste“ verfügen, beweisen: ein überschaubar attraktiver Schmelztiegel für willige Junge, die dann sportlich keinen Entwicklungsschub erfahren.

Neue 3. Klasse steht als dritte Option im Raum

x  |  NOEN, BVZ
Doch im Kontext des Vereinssterbens sind solche Konstellationen nötig. Knöbl: „Ob es Sinn macht, wenn ein 50-Jähriger gegen einen 15-Jährigen spielt, darf bezweifelt werden. Es ist aber ein Betätigungsfeld und so ein wichtiger Faktor. Diese Akteure würden wir schließlich verlieren.“ Eine Meinung, die Verbandspräsident Gerhard Milletich (siehe Foto links) teilt: „Wir brauchen diese Plattform unbedingt.“

Weil es aber immer wieder zu Unmutsäußerungen mancher Vereine gekommen ist, wird von BFV-Seite aktuell eine Erhebung in Form eines Fragebogens durchgeführt. Je nach Ergebnis werde der Spielausschuss dann reagieren, oder eben nicht, wie der Vorsitzende Manfred Luisser sagt: „Im Moment ist das einmal nicht mehr als eine Art Bestandsaufnahme, weil wir uns ein Bild machen wollen.“

Zur Auswahl steht dabei neben der Beibehaltung des alten Systems auch die Bildung von Reserve-Spielgemeinschaften. Diese könnten dann im Zuge einer eigenen Meisterschaft (losgelöst von den Kampfmannschaften) spielen.

Als dritte Wahlmöglichkeit gibt es noch eine neue 3. Klasse, wo jene Teams (ohne Aufstiegsrecht) kicken können, die künftig keine Reserve mehr stellen können oder wollen. Wer wieder in die 2. Klasse gehen will, müsste eine Reserve stellen. Das Ergebnis steht offiziell noch aus (bis 30. April kann abgestimmt werden), die BVZ hörte sich bei den Vereinen aber bereits um.

BFV-Boss „strikt dagegen, die Reserven aufzugeben“

Dabei kristallisierte sich heraus, dass die überwiegende Mehrheit für die Beibehaltung des alten Systems ist – zur Freude von BFV-Boss Milletich: „Das ist auch meine Meinung. Ich bin strikt dagegen, den Reservebetrieb in der derzeitigen Form aufzugeben. Natürlich ist es nicht leicht, überall eine Reserve zu stellen – ich glaube aber trotzdem, dass es machbar ist.“

Optimale System-Alternativen gebe es für das Burgenland jedenfalls nicht. „Keine Reserve bedeutet auch keine Kinder und unterm Strich weniger Leute, die Fußball spielen,“ so Milletich.

Übrigens: In den anderen Landesverbänden ist das Thema unterschiedlich geregelt. Die Palette reicht vom „ganz normalen Reservebetrieb“ (Beispiel NÖ, Oberösterreich, Wien (außer die letzte Klasse) bis zu vorgeschriebenen Zweierteams für höherklassige Klubs, inklusive eigener 1B-Ligen (Beispiel Steiermark).

Lesen Sie auf Seite 2: BFV- und BVZ-Umfrage zum Thema

Die BFV-Umfrage

Folgende Fragen können die Klubs noch bis 30. April mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten:

1.) Soll die Reservemeisterschaft in Zukunft – so wie bisher (in der gleichen Liga/Klasse und als Vorspiel = derzeitiger Status) – durchgeführt werden?

2.) Können Sie sich vorstellen, mit Ihrer Reservemannschaft eine Spielgemeinschaft mit einem Verein aus der näheren Umgebung zu bilden, die dann ihrerseits – losgelöst von der Kampfmannschaft – in eine Liga/Klasse eingeteilt wird und eine eigene Meisterschaft spielt?

3.) Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Verein zukünftig nur mehr eine Kampfmannschaft (ohne Reservemeisterschaft) stellt und in einer eigenen Liga (3. Klasse) – ohne Aufstiegsrecht – eingeteilt wird?

Punkt 3 wird beim niederösterreichischen Fußballverband praktiziert, der sonst bis zur 2. Klasse Reserven vorschreibt.


BVZ-Umfrage – das sind die aktuellen Tendenzen der Klubs:

Die BVZ hörte sich bei den burgenländischen Vereinen um, die aktuell eine Reserve stellen müssen (die Erste Liga- und die Ostliga-Teams spielen bekanntlich mit einer eigenen Amateur- bzw. 1b-Mannschaft im regulären Kampfmannschaftsbetrieb), welche Tendenz für einen künftigen Betrieb der Reservemeisterschaften besteht – angelehnt an die Umfrage des Verbands.

1.) Beibehaltung des aktuellen Systems
2.) Bildung von eigenen Reserve-Spielgemeinschaften
3.) Kampfmannschaft ohne Reserve in einer eigenen 3. Klasse ohne Aufstiegsrecht

BVZ Burgenlandliga
1.) 10 Klubs (Oberwart, Pinkafeld, Jennersdorf, St. Georgen-Eisenstadt, Klingenbach, Wimpassing, Forchtenstein, Draßburg, Marz, Deutschkreutz).
2.) 4 Klubs (Purbach, St. Margarethen, Eberau, Horitschon – allerdings sollten die BVZ Burgenlandliga-Klubs weiterhin eine U23-Mannschaft führen).
3.) 0 Klubs

2. Liga Nord
1.) 13 Klubs (Wallern, Illmitz, Siegendorf, Trausdorf, Tadten, Steinbrunn, Mönchhof, Leithaprodersdorf, Gols, Neufeld, Breitenbrunn, Andau)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Noch nicht entschieden: Apetlon, Winden

2. Liga Mitte
1.) 14 Klubs (Neudörfl, Sigleß, Bad Sauerbrunn, Draßmarkt, Oberpullendorf, Pilgersdorf, Lockenhaus, Schattendorf, Wiesen, Rohrbach, Lackenbach, Hirm, Antau, Neutal)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Keine Angabe: 7023 Z-S-P

2. Liga Süd
1.) 9 Klubs (Eltendorf, Güssing, Markt Allhau, Kohfidisch, Deutsch Kaltenbrunn, Rechnitz, Oberschützen, Großpetersdorf, Wiesfleck)
2.) 2 Klubs (Stuben, Buchschachen)
3.) 0 Klubs
Noch nicht entschieden: Heiligenkreuz, Stinatz, Oberdorf, Kukmirn, Güttenbach.
Rudersdorf: Präferiert wird Variante 2, aber weiterhin als Vorspiel zur Kampfmannschaft

1. Klasse Nord
1.) 12 Klubs (Jois, Gattendorf, Mörbisch, Frauenkirchen, Kittsee, Pamhagen, Neudorf, Zurndorf, SK Pama, UFC Pama, Nickelsdorf, St. Andrä)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Noch nicht entschieden: Halbturn, Deutsch Jahrndorf

1. Klasse Mitte
1.) 10 Klubs (Sieggraben, Weppersdorf, Loipersbach, Kaisersdorf, Kobersdorf, Neckenmarkt, Steinberg, Stoob, Tschurndorf, Markt Sankt Martin)
2.) 1 Klub (Kroatisch Minihof); 3.) 0 Klubs
Keine Auskunft: Nikitsch
Stimmen für keinen der Vorschläge: Kroatisch Geresdorf, Unterfrauenhaid, Oberpetersdorf

1. Klasse Süd
1.) 12 Klubs (Riedlingsdorf, Mischendorf, Rotenturm, St. Martin an der Raab, Heiligenbrunn, Olbendorf, Schlaining, Goberling, Jabing, Ollersdorf, Kemeten, Unterschützen)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Noch nicht entschieden: Grafenschachen, Mühlgraben, Bocksdorf

2. Klasse Nord
1.) 11 Klubs (Donnerskirchen, Oslip, Weiden, Schützen, Stotzing, Oggau, Podersdorf, Zagersdorf, Rust, Zillingtal, Hornstein, Großhöflein, Wulkaprodersdorf)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs

2. Klasse Mitte
1.) 13 Klubs (Großwarasdorf, Oberloisdorf, Unterpullendorf, Rattersdorf, Dörfl, Mannersdorf, Unterrabnitz, Bad Sauerbrunn II, Lutzmannsburg, Piringsdorf, Frankenau, Pöttsching, Raiding)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs

2. Klasse Süd A
1.) 15 Klubs (Hannersdorf, Welgersdorf, Bernstein, Wolfau, Schachendorf, Hochart, Bad Tatzmannsdorf, Mariasdorf, Redlschlag, Markt Neuhodis, Loipersdorf, Siget, Kroisegg, Zuberbach, Unterwart)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Deutsch Schützen: Pressesprecher Martin Taschler: „Keine der Lösungen ist ok. Ein Vorschlag wäre 9 gegen 9 spielen lassen.“

2. Klasse Süd B
1.) 11 Klubs (Neuhaus am Klausenbach, Minihof-Liebau, Burgauberg, Strem, Sulz, Wallendorf, Mogersdorf, Gerersdorf, Deutsch Tschantschendorf, Wallendorf, Rohrbrunn)
2.) 0 Klubs; 3.) 0 Klubs
Noch nicht entschieden: Tobaj/Hasendorf, Kirchfidisch, Dobersdorf
Keine Auskunft: St. Michael

  • Die Ostliga-Teams stellen eine 1b und daher keine Reserve – sie sind also nicht unmittelbar betroffen und wurden nicht befrag

  • Einige Klubs gaben Punkt 1 an, weil es an „echten Alternativen“ mangle.

  • Immer wieder tauchte bei den Befragungen bezüglich Beibehaltung des alten Systems die Kritik auf, dass das Regulativ bei den Reserven gelockert werden solle. Beispiele: So solle künftig auf Strafen bei Nichtantritt verzichtet werden, oder gesperrte Kampfmannschaftsspieler sollten in der Reserve spielberechtigt sein.