Erstellt am 19. November 2014, 06:52

von Bernhard Fenz

Ritzing-Coach Rapp: „Liebe auf den ersten Blick“. Der Tiroler Stefan Rapp hat den Westen Österreichs verlassen, um Ritzing als Trainer an die Spitze zu führen. Nebenbei genießt er als Wahl-Neusiedler seine neue Heimat.

Stefan Rapp schaffte mit dem SC Ritzing den sportlichen Sprung zur klaren Nummer eins der Regionalliga Ost. Foto: Fenz  |  NOEN, Fenz
Urlaub im Burgenland vor ein paar Jahren, die Liebe zur landschaftlichen Weite statt der totalen Bergwelt und ein Jobangebot im Jänner 2013 beim SC Ritzing: Gründe genug für Stefan Rapp, um mit seiner Frau den Lebensmittelpunkt von Innsbruck ins Burgenland zu verlegen.

„Ich war nie ein Bergfex, mag das Wasser und die Weite“

„Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich war nie ein Bergfex, bin Wassermann im Sternzeichen und mag das Wasser und die Weite. In Tirol ist es hingegen schon sehr eng“, hält Rapp fest.

Seit Februar wohnt der gebürtige Innsbrucker in seinem Haus in Neusiedl am See, von wo aus er täglich ins Mittelburgenland pendelt – nach Ritzing, wo beim dortigen Sportverein Großes entstehen soll. Früher oder später will der Klub die Sky Go Erste Liga bespielen. Auf Profitum wurde bereits umgestellt, in diesem Zusammenhang erfolgte auch die Ausgliederung des Betriebs in die Intrepid GmbH.

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Rapp wurde hierfür auserkoren, um erst als Co-Trainer von Fuad Djulic das Projekt zu begleiten und es schließlich als Djulic-Nachfolger selbst zu leiten.

Bundesliga-Aufstieg mit Bregenz, Hospitationen in Spanien

Fußball-Erfahrung bringt er reichlich mit, eine kleine Auswahl: Als Spieler schaffte er unter anderem (übrigens an der Seite der burgenländischen Ex-Profis Matthias „Motz“ Bleyer und Sancho Jani) mit Schwarz-Weiß Bregenz 98/99 den Aufstieg in die Bundesliga, als Trainer war der heute 42-Jährige 2010 bis 2012 Walter Koglers Assistent bei Wacker Innsbruck in Österreichs Eliteliga.

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Dank der Kontakte von Ex-Innsbruck-Spieler Inaki Bea war Rapp bereits Hospitationsgast bei Spaniens Oberhausklubs Osasuna und Valencia im Herbst 2011 und im Frühjahr 2012.

Aber auch die andere Seite lernte er kennen. Als etwa nach der Kogler-Ablöse Roland Kirchler das Trainerzepter übernahm und Rapp, wie er sagt, „eliminiert“ wurde.

Der Ritzinger Coach erzählt: „Ich war davor schon jahrelang Feinmechaniker bei Swarowski Optik. 2012 habe ich die andere Seite noch intensiver kennengelernt, als ich vier Monate bei einer Gerüstbaufirma tätig war. Ich war mir nie für Arbeit zu schade – das beruhigt mich auch für die Zukunft, sollte es einmal mit dem Trainerjob nichts mehr werden. Und ich bin ein bescheidener Mensch. Mein Lebensmotto ist: Wenn der Kühlschrank voll ist, bin ich zufrieden.“

Fokus auf den Sport und gutes Gefühl für die Lizenz

Sportlich bescheiden muss er aktuell aber nicht sein. Der Auftrag, den SC Ritzing flott zu machen, ist tabellarisch bislang geglückt – kein leichtes Unterfangen bei einem Verein, der sich traditionell in rauen Gewässern bewegt, wenn es um Kontinuität und Erfolg geht.

„2013 sind wir mit vier Spielern und vier Punkten gestartet. Vorigen Sommer haben wir umstrukturiert, diesen Sommer sind wieder zwölf neue Akteure gekommen. Da ist es irrsinnig schwierig, eine homogene Mannschaft zu basteln – auf Basis einer sozialen und sportlichen Komponente.“ Der Erfolg gibt Rapp allerdings Recht. Seine Mannschaft überwintert mit 37 Punkten auf Platz eins, sechs Zähler vor Verfolger Vienna, zehn vor dem Dritten Parndorf.

„Team und Trainer konzentrieren sich auf das Sportliche“

„Ist man erfolgreich, wächst die Mannschaft auch schneller zusammen“, weiß der Chefcoach, der diesen Spagat schaffte: „Es ist da eine eingeschweißte Truppe entstanden, nicht mit zu vielen Alphatieren – alle Spieler identifizieren sich mit dem Projekt.“

Wie dieses

. Der SC Ritzing als Trägerverein ist in ein Insolvenzverfahren mit ursprünglich über 570.000 Euro Altlasten verwickelt (auch wenn der Spielbetrieb gesichert ist).

Kommenden Montag wird sich am Landesgericht Eisenstadt entscheiden, ob der Sanierungsplan angenommen wird oder nicht. Rapp: „Das Damoklesschwert schwebt nach wie vor über uns. Die Mannschaft und das Trainerteam haben sich aber von dem Thema etwas abgekapselt und konzentrieren sich nur auf das Sportliche.“ Simple Erklärung: „Wir können das Ganze nicht beeinflussen, das ist nicht unser Kompetenzbereich.“

Lizenzierungsverfahren als Hürde im Frühjahr

Sollte alles glattgehen und die Sanierung laufen, wartet im Frühjahr freilich noch die nächste Hürde auf dem Weg nach oben – das Bundesliga-Lizenzierungsverfahren.

Das Gefühl des Trainers ist vorab jedenfalls gut: „Warum sollte man da so viel investieren, wenn dann die weiteren Weichen für die Zukunft nicht gestellt werden können? Wir glauben alle daran, dass wir die Lizenz bekommen – genauso gehen wir auf jedes Training und in jedes Spiel. Das ist die Triebfeder unserer Motivation.“