Erstellt am 19. März 2015, 06:10

von Bernhard Fenz

Ritzing-Lizenz: „Das war völlig unnötig“. Ostligist Ritzing hat kurz vor Ende der Frist eingereicht, zum Unmut von Obmann Harald Reißner. Vienna und Parndorf bleiben in Lauerposition.

Keine ausgehenden Lichter: Am Sonntagabend stellte Harald Reißner noch in den Raum, den Verein zuzusperren. Mittlerweile ist klar, dass die Lichter des SC Ritzing nicht ausgehen - der Lizenzierungsantrag wurde eingebracht.  |  NOEN, unknown
Rein sportlich ist die Aufstiegslage in der Regionalliga Ost eindeutig. Leader Ritzing wird mit 41 Punkten unter normalen Umständen auch am Ende des Frühjahrs von der Tabellenspitze lachen und somit berechtigt sein, das Relegations-Duell um den Gang in die Erste Liga gegen den Vertreter der Regionalliga Mitte in Angriff zu nehmen. Die Vienna (32) und Parndorf (30) liegen dafür zu weit zurück.

Weil aber gerade in der Bundesliga (die bekanntlich die Tipico Bundesliga und die Sky Go Erste Liga umfasst) nicht nur der sportliche Aspekt zählt, sondern auch der wirtschaftliche und infrastrukturelle, ist die Sache doch noch nicht so eindeutig.

Abgabe Montag kurz vor Ende der Frist

Zumindest bleibt der SC Ritzing, der im Herbst aufgrund finanzieller Probleme (speziell mit der Gebietskrankenkasse) ein Insolvenzverfahren am Laufen hatte, das dann im Dezember mit einer 21-Prozent-Sanierungsquote angenommen und positiv abgeschlossen wurde, im Rennen.

Rund fünf Minuten vor Abgabefrist am Montag (17 Uhr) gab Obmann Harald Reißner die Unterlagen ab, wie er gegenüber der BVZ erzählte – BVZ.at hatte bereits seit Sonntag berichtet:



Nicht ohne Grund dauerte das Prozedere so lange: Erst um 15.30 Uhr hatte er alle Unterschriften der Spieler beisammen, mit denen die Kicker bestätigten, dass es bis 31. Dezember keine offenen Forderungen mehr gibt und dass sie nur einen Arbeitsvertrag haben – ein nötiges A-Kriterium, ohne dem eine positive Lizenzierung nicht möglich wäre.

Ausstehendes Geld: „Leute riskieren Rufschädigung“

x  |  NOEN, BVZ
Fünf, sechs Spieler seien es gewesen, die sich laut Reißner (Foto links) anfänglich weigerten, zu unterschreiben. Namen wollte er keine nennen. „Das ist ein Interna.“ Warum die Sache bis zuletzt andauerte und nicht schon früher geregelt wurde? „Bei uns ist es jetzt schon das dritte Mal, dass so ein Zettel unterschrieben wird. Im Zuge des Sanierungsverfahrens ist alles geregelt worden, offene Forderungen gibt es also nicht mehr.“

Die Gerüchteküche besagte anderes – etwa, dass sehr wohl noch Geld aus der Vergangenheit ausständig sei und deshalb nicht alle Spieler unterschreiben wollten. „Wer das behauptet, riskiert eine Rufschädigung“, stellte Reißner unmissverständlich klar.

Seine Begründung: „Einige Spieler wollten sich im Sommer nicht langfristig binden. Jetzt, da wir Erster sind, wollte der eine oder andere Spieler oder Manager plötzlich darauf pochen, dass doch etwas anderes ausgemacht wurde – weil es plötzlich die Möglichkeit gibt, in die Erste Liga aufzusteigen, aber der Vertrag im Juni endet. Ich habe mich aber nicht erpressen lassen.“

Reißner zeigt sich „nicht extrem optimistisch“

Montag gegen 17 Uhr wirkte der Obmann des Ostliga-Spitzenreiters dann nach der Abgabe sichtlich erleichtert, auch wenn er klarstellte: „Es überwiegt der Zorn, weil es völlig unnötig war, so knapp vor dem Ende der Frist abzugeben. Ich werde mir das sicher in der Hinterhand behalten und merken, wer zum Klub gestanden ist – und wer nicht.“ Nun, da die Unterlagen allesamt zur Begutachtung bei der Bundesliga liegen, heißt es auch für Ritzing „bitte warten“.

Reißners Bauchgefühl: „Ich bin nicht extrem optimistisch, wir haben aber aus dem Vorjahr gelernt. Wenn ich nicht daran glauben würde, hätte ich die Unterlagen nicht abgegeben. Aber ich gehe davon aus, dass wir Auflagen erhalten, wenn dem Lizenzantrag stattgegeben wird.“ Nachsatz: „Eine Planung mit Gewinn haben wir nicht abgegeben. Wir haben aber ein positives Eigenkapital.“

Lizenz-Zuversicht bei Vienna und Parndorf

Bei der Konkurrenz bestätigte Vienna-Sportdirektor Kurt Garger, dass der älteste Klub Österreichs das Bundesliga-Pickerl anstrebt. Ursprünglich wurde kolportiert, dass der Verein seinen Antrag zurückziehen wolle, dem ist nun offensichtlich nicht so: „Wir haben die Unterlagen abgegeben und gehen davon aus, dass wir die Lizenz auch erhalten werden,“ so der gebürtige Stremer am Montag zur BVZ.

Mit dem SC/ESV Parndorf hat auch das zweite burgenländische Ostliga-Spitzenteam nach Ritzing um die Lizenz angesucht. Klubboss Gerhard Milletich: „Wir haben die Unterlagen am Freitag abgegeben, alles ist auf Schiene.“ Das Flutlicht – mittlerweile ein wichtiger Faktor – sei am neuesten Stand. „Dieses Kriterium war in unserem Fall das wichtigste, und das passt jetzt optimal.“

Ebenfalls noch verbessert werden müssen laut Milletich der Fernsehturm im Heidebodenstadion sowie der Pressebereich. Wie er die aktuelle Lage bewertet? „Wir haben den Meistertitel abgehakt. Sollte im Fall des SC Ritzing mit der Lizenz irgendetwas nicht klappen, müssen wir zweitbestes Nichtamateur-Team werden. Deshalb ist unser Ziel, die Vienna zu überholen – das wird schwer genug.“

Lizenz-Fahrplan:

  • Montag, 16. März: Ende der Abgabefrist für die Lizenzanträge

  • März/April: Überprüfung der Unterlagen durch Lizenzadminis-tration und Senat 5

  • Bis 30. April: Entscheidung durch den Senat 5 – 1. Instanz, zehn Tage Protestfrist

  • 11. Mai: Ende der Protestfrist

  • Bis 16. Mai: Entscheidung Protestkomitee – 2. Instan

  • Innerhalb von sieben Tagen nach Zustellung des Protestkomitee-Beschlusses kann Klage beim Ständigen Neutralen Schiedsgericht eingereicht werden

  • Bis 29. Mai: Entscheidung des Ständigen Neutralen Schiedsgerichts beziehungsweise Meldung an die UEFA

Regionalliga Ost – so ist der Stand von 16. März 2015:
1. Ritzing*   42:22 Tore 41 Punkte
2. Vienna *   25:13 Tore 32 Punkte
3. Parndorf* 33:21 Tore 30 Punkte

* Alle drei Ostliga-Spitzenmannschaften haben bei der Bundesliga um die Lizenz für das Spieljahr 2015/2016 angesucht.