Erstellt am 18. Juni 2016, 23:12

von Wolfgang Wallner

Ronaldo lässt die Hoffnung leben. Ein Robert Almer in Top-Form und Portugal-Star Ronaldo als tragische Figur: So erkämpft sich die ÖFB-Elf einen Punkt gegen die Portugiesen. Und hat's nun gegen Island selbst in der Hand.

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Österreich ist wieder da! Mit einer Abwehrschlacht melden sich Christian Fuchs & Co. zurück.  Die Österreicher rangen Favorit Portugal am Samstag im zweiten Gruppenspiel in Paris ein 0:0 ab. Mit einem Punkt aus zwei Partien sind die Achtelfinal-Chancen weiterhin intakt.

Zum Aufstieg in die K.o.-Phase muss am Mittwoch in St. Denis gegen Island ein Sieg her. Und eine Leistungssteigerung: Kämpferisch war das schwer in Ordnung, Spielaufbau und Offensivspiel in rot-weiß-rot fanden nicht statt.

Die Portugiesen waren vor 45.000 Zuschauern im Prinzenpark-Stadion die bessere Mannschaft, ließen aber eine Vielzahl von guten Gelegenheiten ungenützt. Bei einem Elfmeter von Superstar Cristiano Ronaldo hatte das ÖFB-Team aber auch Glück: Portugals Kapitän setzte den Strafstoß nach Foul von Martin Hinteregger an ihm selbst an die Stange (79.). Zuvor hatte der Superstar schon mal Aluminium getroffen, ein Kopfballtor im Finish wurde wegen Abseits aberkannt.

Sabitzer ersetzt Janko

ÖFB-Teamchef Marcel Koller verzichtete auf Stürmer Marc Janko. Der NÖ-Goalgetter, der in der EM-Qualifikation sieben Treffer erzielt hatte, war nach einer Mitte April erlittenen Muskelverletzung im Adduktorenbereich zuletzt nicht in Vollbesitz seiner Kräfte.

An seiner Stelle begann Marcel Sabitzer - allerdings auf dem rechten Flügel. Martin Harnik, nach dem verpatzten Auftakt gegen Ungarn (0:2) ebenfalls ein Wackelkandidat, rückte ins Sturmzentrum. NÖN-Experte Frenkie Schinkels hatte in seinem EM-Tagebuch ja schon darauf getippt, dass Koller diesmal nicht auf Janko setzen würde.

Alaba ist kein Junuzovic

Zu zwei Änderungen war Koller gezwungen. Für den gesperrten Abwehrchef Aleksandar Dragovic kam in der Innenverteidigung wie erwartet Sebastian Prödl zum Einsatz. Anstelle des verletzten Spielmachers Zlatko Junuzovic erhielt der defensivere Stefan Ilsanker den Vorzug gegenüber Alessandro Schöpf.

David Alaba rückte ins offensive Mittelfeld-Zentrum auf die Junuzovic-Position vor, war dort aber ein Schatten seiner selbst. Vor der Pause kamen nur 50 Prozent seiner Pässe an. Ein Weltklasse-Außenverteidiger ist halt kein Spielmacher auf EM-Niveau...

Ronaldo übertraf mit seinem 128. Länderspiel den im Stadion anwesenden Luis Figo und avancierte zum Rekordnationalspieler seines Landes. ÖFB-Torhüter Robert Almer musste in der 2. Minute erstmals vor dem Real-Madrid-Mann eingreifen.

Auf der Gegenseite war Harniks Timing beim Absprung schlecht. Der 29-Jährige setzte einen Kopfball nach Sabitzer-Flanke daher neben das Tor (3.).

Nani mit der besten Chance

Die Portugiesen waren gefährlicher. Almer zeichnete sich erst im Eins-gegen-Eins mit Ronaldos Sturmpartner Nani aus, nachdem dieser Prödl hatte aussteigen lassen (12.). Gleich darauf parierte er einen Fernschuss von Vieirinha (13.).

Ronaldo schoss nach sehenswerter Kombination über Nani und Linksverteidiger Raphael Guerreiro aus guter Position vorbei (22.). Auch nachdem Martin Hinteregger einmal das Abseits aufgehoben hatte, brachte er den Ball nicht im Tor unter (37.).

Einem Treffer am nächsten kam Nani. Der Fenerbahce-Legionär, der schon im Auftaktspiel gegen Island (1:1) getroffen hatte, köpfelte nach Guerreiro-Flanke an die linke Stange (29.). Im Strafraum der Portugiesen wurde es selten ernst.

Bei einem Alaba-Freistoß aus spitzem Winkel rettete Vieirinha an der zweiten Stange vor Harnik (41.). Kurz nach der Pause prüfte der starke Ilsanker mit einem Flachschuss erstmals Keeper Rui Patricio (46.).

Almer als Mann mit tausend Händen

Beim ÖFB-Team stand der Torhüter mehr im Mittelpunkt. Almer war bei einem Ronaldo-Schuss auf das kurze Eck (55.) ebenso auf dem Posten wie bei einem Kopfball des 31-Jährige nach einem Corner (56.).

Ein Ronaldo-Freistoß ging über das Tor (65.). Koller zeigte Mut, brachte bereits in der 65. Minute Schöpf anstelle des schwachen Alaba. Der Bayern-Star wirkte bei seiner Auswechslung alles andere als glücklich.

Noch unglücklicher war Ronaldo, als er den Matchball an die linke Stange schoss. Hinteregger hatte den Real-Star im Strafraum niedergerungen, der italienische Starschiedsrichter Nicol Rizzoli entschied auf Elfmeter.

Wenig später wurde ein Kopftor von Ronaldo ebenso zurecht wegen Abseits nicht anerkannt (85.). In der Schlussphase kamen beim ÖFB-Team Lukas Hinterseer (85.) und Kevin Wimmer (87.), um den Punkt nach Hause zu bringen.