Eisenstadt

Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:05

von Bernhard Fenz

SC Eisenstadt: Scharner vor Absprung. Der im Sommer abgelehnte SC Eisenstadt will den Verband klagen. Parallel plant man Großes. Der mögliche Neo-Obmann Paul Scharner zögert aber.

Alles ruhig? Der Burgenländische Fußballverband (BFV) steht derzeit vorallem von Seiten des SC Eisenstadt schwer in der Kritik.  |  BVZ, Bernhard Fenz

Es hätte die sommerliche Wiedergeburt des Hauptstadtklubs werden sollen. Letztlich folgte eine Absage. Die Rede ist von der Neugründung des SCE, der als „SC Eisenstadt 1907“ in der 2. Klasse Nord starten wollte.

Herglotz schoss sich auf Knöbl ein

Am 28. Juni wurde das erste Ansuchen im Rahmen einer Vorstandssitzung des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) aufgrund von diversen Mängeln (unter anderem wurde eine unseriöse Spielerliste vorgelegt) abgelehnt. Am Ende wurde der SC Eisenstadt nur als reguläres BFV-Mitglied aufgenommen. Soweit, so klar.

Vorwürfe. Peter Herglotz attackierte über Facebook speziell Knöbl.  |  BVZ, zVg

Die Causa kocht aber nach wie vor. Mittlerweile machen die (damaligen) SCE-Protagonisten mobil. Etwa Obmann Hans Kusolits oder Peter Herglotz, der im Juli als Trainer eingestiegen war und mittlerweile den 2. Klasse-Klub Oslip betreut. Der 55-Jährige hat sich vor allem auf BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl eingeschossen und wirft ihm im Zuge einer Facebook-Meldung bezüglich der Spielertransfers und der Spielerliste unter anderem absichtliche Irreführung der Präsidiumsmitglieder und Amtsmissbrauch vor – BVZ.at berichtete, siehe auch ganz unten.

So soll laut Herglotz eine falsche Zahl an Spielern weitergegeben worden sein, was die Entscheidung der Vizepräsidenten gegen den SCE beeinflusst haben soll. Nicht zuletzt deshalb steigt der gebürtige Pinkafelder auf die Barrikaden. „Solche Leute haben im Verband nichts verloren. Es wäre mir eine persönliche Genugtuung, wenn Knöbl gehen müsste.“ Einer der Vizepräsidenten, Ernst Gangl, trat in der Zwischenzeit zurück, wollte sich aber auf Nachfrage der BVZ nicht öffentlich dazu äußern.

Kusolits: „Werden auf dem Zivilweg klagen“

Sündenbock. Das ist BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl für die SCE-Crew.  |  BVZ, BVZ

Knöbl seinerseits dementiert die Vorwürfe und sagt: „Ich kann da gar nichts entscheiden. Es gab immer den gültigen Vorstandsbeschluss von 28. Juni, wo nicht nur die Spielerliste, sondern auch weitere notwendige Punkte unerfüllt waren. Auf mehrmaliges Bitten von Kusolits haben wir dann versucht, den Verein in seinem Ansinnen zu unterstützen, um alle nötigen Unterlagen zu beschaffen. Wir haben lediglich Tipps gegeben, um eine höhere Wahrscheinlichkeit zu erzielen, dass die abgeschlossene Causa eventuell neu aufgerollt wird.“

Gänzlich anders verstand das Hans Kusolits: „Man hat uns immer Hoffnungen gemacht, dass es noch klappen könnte.“

Erst deutlich nach Ablauf der Transferzeit seien laut Knöbl sämtliche festgestellten Mängel behoben gewesen, als Kusolits mit allen Unterlagen beim Verband vorstellig wurde. Außerdem sei erst dann ein neuer Antrag gestellt worden. Dabei habe das Präsidium schließlich per Umlaufbeschluss den SC Eisenstadt als Mitglied in den BFV aufgenommen, der Einstieg in den Meisterschaftsbetrieb wurde aufgrund des zeitlich weit überschrittenen Rahmens aber wie bereits erwähnt verwehrt.

„Wir werden auf dem Zivilweg klagen“

Große Pläne. Hans Kusolits will mit dem SCE hoch hinaus.  |  BVZ, Frank

Geht es nach SC Eisenstadt-Obmann Hans Kusolits, dann wird der SCE das „BFV-Njet“ fix bekämpfen – und vielleicht noch in dieser Saison durchstarten. „Wir werden auf dem Zivilweg klagen, so viel steht fest. Für diese Geschichte SC Eisenstadt mache ich alles. Wir sind im Recht, haben alles erledigt – da geht es ja auch um finanzielle Entschädigungen für Spieler und Betreuer. Es waren bereits genug Ausgaben im Spiel.“

Nachsatz in Bezug auf die Meisterschaft: „Warum können wir es nicht außerdem erreichen, doch noch im Zuge von Nachtragsspielen in die Meisterschaft einzusteigen? 13 Klubs spielen in der 2. Klasse Nord, auch durch die ungerade Mannschaftsanzahl würde das noch passen.“

Einer, der die aktuelle Aufregung nicht verstehen kann, ist Verbands-Präsident Gerhard Milletich: „Jeder soll machen, was er für richtig hält. Wenn das eine Klage ist, soll es mir Recht sein. Fakt ist, dass es über die fachliche Kompetenz von Simon Knöbl keinen Zweifel gibt – er genießt mein Vertrauen.“

Zu Wort meldete sich mit Edin Rahmanovic auch jener Mann, der beim SCE im Juli für die Zusammenstellung der Mannschaft zuständig war. Er sagt: „Wir haben Beweise, dass alles rechtens war und wir haben intensiv um die Sache gekämpft. Jetzt geht es um Gerechtigkeit. Ich bin bereit, die Sache über ein Zivilgericht durchzuziehen.“

Scharner: „In der Form keine Nachhaltigkeit“

Defensiv. Paul Scharner soll den SCE übernehmen, zögert aber merklich.  |  BVZ, Marschik

An der Angel seien neben jungen Kickern aus Österreich noch Legionäre aus Kroatien, Kolumbien oder Somalia sowie auch Routiniers wie Ex-SVM-Profi Adnan Mravac (34), Ex-Ritzing-Spieler Vahid Halilovic (39), Ex-Bundesliga-Stürmer Muhammet Akagündüz (38) oder Burgenlands Ex-Austrianer Hannes Pleva (50) gewesen.

Zusätzlich wurde auch die im Juli fixierte Spielerliste der Öffentlichkeit – quasi als Beleg für die Rechtmäßigkeit – per E-Mail und Facebook übermittelt. Bei der von Peter Herglotz aufbereiteten Kaderliste von 45 Akteuren sind Kicker zwischen 18 und 53 Jahren dabei – diese enthält auch bekannte Namen – etwa die Ex-SC Eisenstadt-Spieler Hannes „Baldi“ Fasching (49), Thomas Ugrinovich (35) und Dadi Maxell (36), den aktuellen FAC-Coach Jürgen Halper (41) sowie seinen Co-Trainer Robert Weinstabl (33) oder Ex-SVMler Damir Todorovic (44).

Wie auch immer. Für die neue Saison hat Kusolits bereits jetzt große Pläne. So soll ihn Ex-Teamspieler Paul Scharner (die BVZ berichtete) als Obmann ablösen und den Verein am Weg nach oben mitaufbauen. „Wahrscheinlich wird es in rund einem Monat eine Generalversammlung geben, in deren Zuge die Weichen mit Scharner gestellt werden.“

Besagter Scharner bestätigte den geplanten Machtwechsel gegenüber der BVZ allerdings noch nicht, im Gegenteil: „Es gibt beim Verein bislang noch keinen Nachwuchs, stattdessen nur eine potenzielle Kampfmannschaft, die einiges an Geld kostet. Davon halte ich überhaupt nichts. So ein Projekt hat in der Form keine Nachhaltigkeit und ist zum Scheitern verurteilt. Die Idee war und ist ja, langfristig den Nachwuchs aus der Region zu begeistern.“

Ob der Niederösterreicher trotzdem bereit sei, an die SCE-Spitze zu treten? „Grundsätzlich bin ich offen, aber so gibt es sicher kein Ja.“

Klare Position. BFV-Präsident Gerhard Milletich lassen die Vorwürfe kalt.  |  BVZ, BVZ

Zurück zu den Zukunftsplänen des SCE. Da nannte Kusolits auch den Namen Frank Stronach. Der Milliardär solle künftig in Sponsorfunktion einsteigen. „Wir haben zudem Kontakt mit Großfirmen, der finanzielle Hintergrund ist da.“

Mehr noch. Geht es nach dem jetzigen Klubchef, könnte künftig am Rande der Stadt ein schmuckes Kleinstadion entstehen. Ebenfalls kann sich Kusolits (bis dahin soll in Zagersdorf gespielt werden) auch eine Rückkehr in das – abgerissene – Lindenstadion vorstellen. „Der Pachtvertrag läuft noch bis 2018, danach wird man weitersehen. Von den Kabinen und Räumlichkeiten her ist alles noch vorhanden. Man müsste nur das Spielfeld herrichten und für den Zuschauerraum sorgen.“

Große Pläne also. BFV-Boss Milletich: „Ich freue mich, wenn es große Pläne gibt. Das wäre wichtig für den Fußball. Nur soll einfach alles rechtzeitig, seriös und korrekt abgewickelt werden. Dann wird es keinerlei Probleme geben.“