Erstellt am 16. August 2012, 10:20

Scharners Abgang überraschte die anderen ÖFB-Teamspieler. "Damit hat keiner gerechnet", meinte Kapitän Christian Fuchs zum Abschied des Purgstallers. Andreas Ivanschitz stellte klar: "Eine Stammplatzforderung gibt es im modernen Fußball nicht."

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Österreichs Fußball-Teamspieler sind vom turbulenten Abgang von Paul Scharner aus der ÖFB-Auswahl überrumpelt worden. Die Kicker erfuhren am Mittwoch - wenige Stunden vor dem Anpfiff zum 2:0-Testspielsieg über die Türkei - beim Mittagessen vom Abschied des 32-Jährigen und zeigten sich danach verblüfft.

"Es ist für uns alle überraschend gekommen, damit hat keiner gerechnet", erklärte Neo-Kapitän Christian Fuchs. "Man ist natürlich schon enttäuscht. Paul hat sich dafür entschieden. Damit ist es für uns abgehandelt." Scharner hatte von Nationaltrainer Marcel Koller einen Fixplatz in der WM-Qualifikation gefordert - allerdings vergeblich, weshalb er sich Mittwochmittag von der Mannschaft verabschiedete und ihr alles Gute wünschte. Bereits am Dienstagabend hatte der Purgstaller dem Magazin "News" ein Interview gegeben, in dem er Koller schwer unter Beschuss nahm.

Auch für Andreas Ivanschitz kam Scharners Vorgehensweise wie aus heiterem Himmel. "Er war zuletzt ein bisschen ruhiger. Wir waren alle überrascht." Der Mainz-Legionär bedauerte die Störgeräusche am Matchtag und ließ Unverständnis für das Verhalten des 40-fachen Internationalen erkennen. "Eine Stammplatzforderung gibt es im modernen Fußball nicht. Das ist kein Punkt, den man fordern kann. Der Teamchef hat auch gesagt, dass wir 24, 25 Spieler sind, von denen jeder die Berechtigung hat, zu spielen. Jeder von uns muss sich aber auch beweisen. Das ist ein gesunder Mannschaftsgeist und Konkurrenzkampf, so soll es im heutigen Fußball ablaufen. Ich kann die Entscheidung des Teamchefs nachvollziehen."

Laut Ivanschitz wurde das Thema mannschaftsintern schnell angehakt, um gegen die Türken mit voller Konzentration bei der Sache zu sein. "Am Spieltag kann sich keiner damit beschäftigen." Sebastian Prödl, Scharners nunmehriger Ex-Konkurrent um einen Platz in der Innenverteidigung, bemerkte nach dem Abschied des HSV-Spielers eine positive gruppendynamische Entwicklung. "Die Mannschaft ist sehr gut mit dieser Entscheidung umgegangen. Gegen die Türkei hat man auf dem Feld gesehen, dass wir zusammengerückt sind, dass unsere Marschroute nur 'gemeinsam' lauten kann."

Achselzuckend nahm Goalie Robert Almer die Posse zu Kenntnis. "Das ist zu akzeptieren, wir haben uns dann nur aufs Match konzentriert." Veli Kavlak meinte: "Er war ein Kollege von uns. Wir haben ihn geschätzt, aber so ist es im Fußball."