Erstellt am 14. November 2012, 00:00

Schiedsrichter der etwas anderen Sorte. Doppelte Vorgeschichte / Zehn Jahre Spieler, zehn Jahre Trainer und jetzt Referee: Rene Strobls Laufbahn ist ungewöhnlich.

Phase III: Rene Strobl als Schiri, hier in Draßburg.WA/Privat  |  NOEN
Von Bernhard Fenz

1995/1996 hat es ein 20-jähriger Mittelburgenländer in Klingenbach eine Saison lang in die 2. Division geschafft, später war er vor allem in der Landesliga ein kickender Fixstern: Rene Strobl aus Deutschkreutz. Irgendwann tauschte dann auch er das Kicken mit der Tätigkeit als Trainer – ein Klassiker. Als Coach kletterte Strobl bis in die BVZ Burgenlandliga empor, wo er etwa 2011 Schattendorf betreute, danach wurde er mit Trausdorf in der 2. Liga Nord noch Herbstmeister.

Mittlerweile sind diese beiden Lebensphasen und die logische sportliche Laufbahn Geschichte. Denn: Nach dem Aus in Trausdorf im Frühjahr 2012 entschied sich der Polizist im Sommer, die Seiten zu wechseln, Schiedsrichter zu werden und in eine völlig neue Fußball-Materie einzutauchen. Das überrascht, da der Beschluss mit 37 Jahren erstens sehr spät kam und zweitens nach einer langjährigen Trainertätigkeit sehr ungewöhnlich war. Strobl selbst blickt nüchtern auf seinen FußballGenre-Wechsel zurück: „Mir hat es nicht mehr gefallen, wie Funktionäre mit Trainern umgehen. Das Schiriwesen hat mich außerdem immer schon interessiert. Darum will ich das jetzt auch durchziehen.“

Anfangs wurde er belächelt, mittlerweile – nach 15 Spielen im Nachwuchs (U14 und U16) – nicht mehr. Der Respekt von außen steigt.

Für den Neo-Unparteiischen selbst verliefen die ersten Erfahrungen im Nachwuchsbereich jedenfalls gut. „Ich habe nicht geglaubt, dass der Unterschied zwischen aktiv pfeifen und zuschauen so groß ist. Als Schiri musst du ständig konzentriert sein, jede Sekunde kann was passieren.“ Auffallender Nachsatz des 38-Jährigen: „Positives Feedback gibt es trotzdem nicht viel. Von daher freut man sich besonders über jedes noch so kleine Lob.“

Ab dem Frühjahr kann Strobl auch im Erwachsenenfußball pfeifen. Dann wird er U23-Spiele in der 2. Liga leiten und bei den Kampfmannschaften an der Linie stehen, ehe ab Sommer (s)ein Schiedsrichterleben in der 2. Klasse beginnen kann. „Ich hoffe, dass meine Vergangenheit von Vorteil ist – zumindest kann ich es nachempfinden, wenn Spieler oder Trainer in der Situation emotional sind.“

„Wir sind dazu da, um die Regeln einzuhalten“ 

Eine gute Voraussetzung. Trotzdem: Rene Strobl muss mittlerweile längst wie ein Schiedsrichter denken, auch wenn es noch so belanglos ist. „Viele empfinden es als Blödheit, wenn Tapebänder bei den Stutzen kontrolliert werden oder wenn der Austausch zwingend bei der Mittelauflage erfolgen muss. Nur das sind eben die Regeln, und wir sind dazu da, dass sie eingehalten werden. Das ist in meinem Job als Polizist nicht anders mit den bestehenden Gesetzen.“

In diesem Zusammenhang ist es als Unparteiischer nötig, die Regeln zu kennen. Auch hier erlebte Strobl einen Aha-Effekt. „Du siehst die Dinge anders, wenn du dich näher damit befasst. Wenn ich beim lockeren Plausch mit Leuten etwa nachfrage, ob es bei einem Abstoß Abseits gibt oder nicht (Anm.: Es gibt keines), dann beantworten mir viele diese vermeintlich einfache Frage falsch. Es gibt genug Spieler oder Funktionäre, die die Regeln nicht gut kennen.“

Bis zur BVZ Burgenlandliga will sich Rene Strobl, der „momentan mit dem Trainerjob abgeschlossen“ hat, übrigens hochpfeifen. Und dann? „Zehn Jahre war ich Spieler, zehn Jahre war ich Trainer, zehn Jahre bin ich vielleicht Schiri und dann werde ich zehn Jahre Funktionär sein.“ So gesehen hat der Tausendsassa noch einiges vor.