Erstellt am 06. Januar 2011, 19:47

Schwede Myhrer triumphierte im Zagreb-Nachtslalom. Der Olympiadritte Andre Myhrer hat am Donnerstagabend den Nachtslalom in Zagreb gewonnen.

Der Schwede Andre Myhrer hat am Dreikönigstag in Zagreb sein erst zweites Weltcuprennen gewonnen. Der bald 28-Jährige holte sich auf dem Sljeme bei Zagreb die mit 120.000 Euro dotierte "Snow Queen Trophy" und verpatzte den rund 25.000 hauptsächlich kroatischen Zuschauern die Party im Schnee, musste sich Lokalheld Ivica Kostelic doch zum dritten Mal in seinem Heimrennen mit Platz zwei begnügen. Bester Österreicher wurde Reinfried Herbst als Achter, die gesundheitlich angeschlagenen Benjamin Raich und Marcel Hirscher kamen auf die Ränge 10 bzw. 15.

Auf dem Bärenberg landeten zur großen Überraschung gleich zwei Schweden auf dem Podest. Mattias Hargin, der sich als 30. gerade noch für das Finale qualifiziert hatte, katapultierte sich auf Rang drei nach vorne. Er machte mit 27 Positionen Verbesserung den größten Sprung, den je ein Rennläufer in einem Slalom geschafft hat. Den bisherigen Rekord hielt seit Adelboden 2007 der Schweizer Marc Berthod mit 26 Plätzen (27 auf 1). Im Gesamtweltcup behielt Michael Walchhofer die Führung, die Slalomwertung übernahm Myhrer (189 Punkte) vor Kostelic (153).

Myhrer, dessen bisher einziger Sieg vier Jahre zurückliegt (Dezember 2006 in Beaver Creek), fand es "großartig, hier gesiegt zu haben". Dass Mattias Hargin solange geführt habe, sei auch gut für sein Selbstvertrauen gewesen, meinte das Geburtstagskind vom kommenden Dienstag. Nach dem ersten Lauf hatte Olympiasieger und Zagreb-Vorjahrestriumphator Giuliano Razzoli aus Italien vor Kostelic und Raich geführt, er fiel auf schlechter werdender Piste, der der Föhnsturm von Stunde zu Stunde mehr zugesetzt hatte, aber wie so viele Läufer zurück und musste sich am Ende mit Platz vier begnügen.

Anstatt Rangverbesserungen mussten auch die rot-weiß-roten Läufer Einbußen hinnehmen. Nach zwei Ausfällen heimste Herbst seine ersten Slalompunkte in der WM-Saison ein. Nach Platz sieben im ersten Durchgang, in dem der Salzburger "teilweise zu sehr mit der Bremse" gefahren war, wurde es dann der achte Rang. "Meine Leistung war heute grundsätzlich nicht so schlecht. Darauf kann ich aufbauen. Nun will ich mich von Lauf zu Lauf steigern", meinte der Verteidiger der kleinen Kristallkugel.

Von 3 auf 10 rutsche der Tiroler Raich zurück, der allerdings geschwächt und nach durchwachter Nacht an den Start gegangen war. Schuld war ein verdorbener Magen. "Ich habe beim Essen was Schlechtes erwischt und deswegen in der Nacht nicht richtig schlafen können. Ich habe auch gebrochen", meinte der Pitztaler zur Halbzeit. Im Finale spürte er dann die fehlende Energie und Spritzigkeit. "Die Piste hat natürlich auch ein 'bissl' nachgelassen, es war nicht optimal. Mit dem Platz bin ich nicht zufrieden, aber nach letzter Nacht habe ich geglaubt, dass ich gar nicht starten kann", erklärte Raich.

Marcel Hirscher (von 10 auf 15) hatte seit dem Parallel-Event am Sonntag in München mit einer schweren Erkältung gekämpft und bis zum Renntag nicht trainiert. "Mir hat heute die letzte Kraft gefehlt", sagte der sichtlich angeschlagene Salzburger. Ins Klassement schafften es noch Weltmeister Manfred Pranger (fiel von 15 auf 18 zurück) und Wolfgang Hörl (von 23 auf 28), der im Finish gerade noch einen Ausfall vermied.

Zu den Nicht-Qualifizierten zählten Rainer Schönfelder bei seinem Comeback (49./3,28 Sekunden zurück) und Mario Matt (39./2,30). "Es war viel schwieriger, als es vorher ausgesehen hat. Bei der Besichtigung war es glatt, jetzt war der Schnee durch den Föhn total schnittig", sagte der Kärntner Schönfelder, der sich nicht nur mit den Spuren abgekämpft, sondern dem auch die Länge des Rennens zu schaffen gemacht hatte. "Aber irgendwann muss ich ja wieder anfangen", meinte der Langzeitverletzte.

Zu Matt, dessen Lauf Schönfelder vom Zielraum aus mitverfolgte, meinte er: "In den letzten Trainings ist er konstante Leistungen und Bestzeiten gefahren, und heute ist er nicht dabei." Der ehemalige Doppelweltmeister aus Flirsch hatte das Premierenrennen der Slalomherren 2008 auf dem Bärenberg gewonnen, in den vergangenen zwei Saisonen kämpfte der Tiroler aber um den Anschluss und schleppt mittlerweile das Manko der schlechten Startnummer mit sich.