Erstellt am 04. Oktober 2011, 13:18

Schweizer Koller ab November neuer ÖFB-Teamchef. Österreichs neuer Fußball-Teamchef heißt Marcel Koller. Der 50-jährige Schweizer wurde Dienstagmittag in Oberwart auf einer ÖFB-Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

Österreichs neuer Fußball-Teamchef heißt Marcel Koller. Der 50-jährige Schweizer wurde am frühen Dienstagnachmittag in Oberwart auf einer ÖFB-Pressekonferenz offiziell vorgestellt. Koller wird seine Tätigkeit am 1. November aufnehmen und erhielt vorerst einen Zweijahresvertrag bis zum Ende der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien. "Er ist ein akribischer Arbeiter und hat gezeigt, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft und junge Spieler zu entwickeln", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner über Koller.

Der Schweizer komme mit Innovation daher. "Er ist unbelastet und kann mit neutraler Sicht an die Aufgabe herangehen. Er kann in Österreich seine eigenen Spuren ziehen und hinterlassen", fügte Windtner hinzu. Man habe jenen Kandidaten ausgewählt, der den aufgestellten Kriterien am meisten entsprochen habe. Wie der weitere Trainerstab aussehen wird, ist derzeit noch vollkommen offen.

Der 55-fache Schweizer Teamspieler hat in seiner Karriere bisher den FC Wil, St. Gallen, Grasshoppers Zürich, 1. FC Köln und VfL Bochum betreut, war seit seiner Entlassung beim damaligen deutschen Bundesliga-Club am 20. September 2009 aber ohne Trainerjob.

Bei den abschließenden EM-Qualifikationsspielen gegen Aserbaidschan (Freitag, Baku) und Kasachstan (Dienstag, Astana) wird noch ÖFB-Sportdirektor und Interimstrainer Willi Ruttensteiner auf der Bank sitzen, Koller will währenddessen seinen Umzug von Zürich nach Wien organisieren und wird seine Premiere beim freundschaftlichen Länderspiel am 15. November in Lwiw gegen die Ukraine geben.

"Es sind junge Spieler dabei, die das Talent haben, sich weiterzuentwickeln. Ich habe gesehen, dass es in der Mannschaft passt, sie mit Leidenschaft spielt. Meistens haben Kleinigkeiten gefehlt", sagte Koller nach einem DVD-Studium der Österreich-Auftritte in der jüngsten Vergangenheit. Es sei ein Potenzial vorhanden. "Ich denke, dass wir gemeinsam einen guten Weg gehen können. Ich bin ein Trainer, der dabei sein will, wo die Musik gespielt wird", fügte der Neo-ÖFB-Teamtrainer, der vor 14 Tagen erstmals kontaktiert wurde, hinzu.


Deutlicher hätte ÖFB-Präsident Leo Windtner den Bruch mit der Ära Dietmar Constantini nicht vollziehen können. Mit Marcel Koller bekommt die österreichische Fußball-Nationalmannschaft einen Teamchef, der in jeglicher Hinsicht als Antithese zum Tiroler gilt und nun das bewerkstelligen soll, was zuletzt vor 13 Jahren gelang - die sportliche Qualifikation für eine Endrunde.

Nach dem Ski-Lehrer-Schmäh setzt der ÖFB ab sofort auf Schweizer Nüchternheit. War Constantini nur selten um einen lockeren Spruch verlegen, übernimmt nun ein Mann das Ruder, der das genaue Gegenteil eines Showman darstellt. Koller hat den Ruf eines ruhigen, besonnenen, manchmal auch unnahbaren Trainers mit einem Graue-Maus-Image.

Seine zurückhaltende Art soll maßgeblich zur Entlassung beim schillernden 1. FC Köln im Juni 2004 beigetragen haben, brachte ihm aber anschließend beim VfL Bochum wie schon zuvor beim FC Wil, FC St. Gallen und Grasshoppers Zürich Erfolg. Mit dem Ruhrpott-Verein schaffte der 50-Jährige, der als Coach mit St. Gallen (2000) und Grasshoppers (2003) Meister wurde, 2006 den Aufstieg in die höchste deutsche Liga.

Drei Spielzeiten hielten sich die Bochumer mit Koller und ab Sommer 2008 auch mit ÖFB-Teamspieler Christian Fuchs in der Bundesliga. Nach einem missglückten Saisonstart mit nur vier Punkten aus den ersten sechs Partien musste der Schweizer am 20. September 2009 seinen Sessel räumen und arbeitete danach nicht mehr als Trainer - bis ihn der Ruf von Windtner ereilte.

Der ÖFB-Boss setzt auf die Teamfähigkeit des 55-fachen Schweizer Internationalen (3 Tore), der künftig eng mit Sportdirektor Willi Ruttensteiner in vom Oberösterreicher vorgegebenen Rahmenbedingungen zusammenarbeiten wird, und er setzt auf Kollers analytische Fähigkeiten. Der neue Teamchef wird nämlich nicht nur in der Schweiz als akribischer Arbeiter und Experte für Spielsysteme gesehen. Constantini hingegen nahm es mit der taktischen Vorbereitung vor Länderspielen oft nicht so genau.



Marcel KOLLER (50 Jahre):
Geboren: 11. November 1960 in Zürich

Erfolge als Spieler (nur Grasshoppers Zürich/1978 - 1996):
* 5 mal Schweizer Meister mit Grasshoppers Zürich
* 7 mal Schweizer Pokalsieger mit Grasshoppers Zürich
* 55 mal Nationalspieler für die Schweiz, Teilnahme an der EM 1996

Trainerstationen:
* 1996 bis 1997 Co-Trainer Grasshoppers Zürich
* 1997/98 bis Dezember 1998 Cheftrainer FC Wil
* Jänner 1999 bis Dezember 2001 FC St. Gallen
* Jänner 2002 bis Oktober 2003 Grasshoppers Zürich
* November 2003 bis Juni 2004 1. FC Köln
* Mai 2005 bis September 2009 VfL Bochum
* ab 1. November 2011: Teamchef Österreich

Erfolge als Trainer:
* 2 mal Schweizer Meister: 1999/2000 mit FC St. Gallen, 2002/03 mit
Grasshoppers Zürich
* 2005/06 Aufstieg mit VfL Bochum in die erste deutsche Bundesliga