Erstellt am 24. August 2012, 07:38

Sieben Rapid-Fans in Thessaloniki festgenommen. Sieben Festnahmen, aber keine Schwerverletzten: so lautet die Bilanz aus Rapid-Sicht nach den schweren Ausschreitungen am Donnerstag im Play-off-Hinspiel der Fußball-Europa-League bei PAOK Saloniki.

Nach den Ausschreitungen scheint ein "Geisterspiel" im Retourmatch am kommenden Donnerstag im Hanappi-Stadion nicht ausgeschlossen. Zumindest darf sich der Rekordmeister auf eine saftige Geldstrafe gefasst machen. Schließlich hatten Teile des Rapid-Anhangs an den Gewalttätigkeiten innerhalb des Stadions keinen unwesentlichen Anteil. Einige Schlachtenbummler feuerten rund 20 Minuten vor Spielbeginn Leuchtraketen auf den nächstgelegenen PAOK-Sektor, woraufhin Fans der Gastgeber zum Gegenangriff übergingen, auf den Platz stürmten und ihrerseits pyrotechnische Gegenstände auf die Rapid-Fans schossen.

Clubservice-Leiter Andreas Marek stand auch noch nach der Landung in Wien-Schwechat Freitagfrüh der Schock über das Erlebte ins Gesicht geschrieben, war er doch selbst in eine äußerst brenzlige Situation geraten. Der 50-Jährige begleitete die Fan-Busse von der Innenstadt zum Stadion und stieg als Erster aus dem vordersten Bus. "Auf einmal hat jemand 'Stop' geschrien. Ich bin stehen geblieben, und zehn Meter vor mir ist ein Molotow-Cocktail explodiert, der ein Loch, das einen halben Meter tief war, in den Asphalt gerissen hat", erzählte Marek, der lange nach Spielschluss eine weitere Schrecksekunde erlebte: Auf der Fahrt mit einem Fanbus zum Flughafen durchschlug ein Stein eine Fensterscheibe des Fahrzeugs.

Um die PAOK-Fans vor den Toren des Rapid-Sektors halbwegs zu bändigen und Zusammenstöße beider Gruppierungen wie bereits am Nachmittag in der Innenstadt zu vermeiden, setzte die in zu geringer Personenzahl aufmarschierte Polizei sogar Tränengas ein. Dessen Auswirkungen waren eine Stunde vor Anpfiff im Inneren das Stadion deutlich zu spüren, Steffen Hofmann hatte damit auch noch während der Partie Probleme. "Phasenweise hat es im Gesicht gebrannt", sagte der Rapid-Kapitän.

Als die PAOK-Anhänger auf den Rasen liefen, waren Hofmann und seine Kollegen gerade dabei, ihr Aufwärmprogramm zu beenden. Der Deutsche wurde dabei zur Zielscheibe eines Platzstürmers, doch Ersatzgoalie Jan Novota ging dazwischen und wurde dafür angespuckt. Auch Harald Pichler machte Bekanntschaft mit dem Speichel eines Griechen, Stefan Kulovits musste einen Rempler einstecken. Während des Spiels flogen zahlreiche Gegenstände wie Glasfaschen aufs Feld, ein großer Stein landete nicht allzu weit von Goalie Lukas Königshofer entfernt.

Trainer Peter Schöttel zeigte sich angesichts der Randale fassungslos. "Das war richtig schlimm. So etwas habe ich noch nie erlebt", erklärte der Rekordspieler der Hütteldorfer. So wie Schöttel sammelte auch Rapid-Präsident Rudolf Edlinger neue Erfahrungen. Der Clubchef und weitere Führungskräfte der Grün-Weißen wurden auf der Ehrentribüne von in der Nähe sitzenden PAOK-Fans ins Visier genommen. "Gott sei Dank sind wir hinter einer Glaswand gesessen, sonst wären wir schwer attackiert worden", erzählte der ehemalige Finanzminister.