Erstellt am 10. Dezember 2014, 06:03

von Bernhard Fenz

Mattersburgs Novak: Eine grün-weiße Charakter-Frage. Michael Novak hat als einziger SVM-Feldspieler keine Minute im Herbst verpasst – das Produkt eines harten Lernprozesses des Kärntners.

Konstant stark: Michael Novak (vorne) bot auf der linken Seite gute Leistungen, erzielte zudem zwei Tore und war eine Stütze. Foto: Weller  |  NOEN, Weller
1.800 Minuten lang, die paar zusätzlichen Zerquetschten pro Nachspielzeit nicht mitgerechnet, stand „Mike“ Novak in der Saison 2014/2015 bis dato für den SV Mattersburg im Meisterschaftseinsatz. Knapp, aber doch, ist das Platz eins in der internen Rangliste (siehe Infobox rechts). Nur Goalie Markus Kuster weist dieselbe makellose Bilanz auf.

„Bei uns denkt keiner so. Unser einziger Gedanke ist:
Wir wollen Erster werden.“
Michael Novak auf die Was-Wäre-Wenn-Frage im
Titelkampf: Was wäre, wenn sich der LASK am
Ende durchsetzen würde?

„Vieles von dem, was ich kann, schöpfe ich jetzt aus“, sagt der zum Stammspieler Avancierte, dessen Karriere bei seinem Heimatklub St. Veit an der Glan in Kärnten begann.

Vom linken Verteidiger bis zum Stürmer in der Regionalliga Mitte („Ich habe viele Chancen vorgefunden, leider wenig Tore erzielt.“) entwickelte sich Novak, ehe nach dem Wechsel zu den Austria Amateuren ein empfindlicher Dämpfer den Beginn der Profilaufbahn bremste.

Im Endeffekt froh über harte Austria-Lektion

Zwei Bandscheibenvorfälle setzten den damals 19-Jährigen für knapp eineinhalb Jahre außer Gefecht. „Als Junger hörst du viel zu wenig auf deinen Körper, gehst beim Training oft drüber und willst durchbeißen. Irgendwann passiert dann etwas.“

So auch bei den violetten Fohlen (wo sich Novak im Zuge der Reha aber wieder zurückkämpfte). Umso interessanter ist sein Blick zurück nach diesem Negativerlebnis: „Ich bereue keine Sekunde, was da passiert ist. Natürlich hätte ich die Lektion gerne nicht so hart gelernt, aber jetzt profitiere ich davon. Ich habe gelernt, was es heißt, Profi zu sein.“

Benötigte Trainingspausen anzusprechen, ist eine Facette dieser Entwicklung und somit auch kein Tabuthema mehr. „Der Trainer muss ohnehin entscheiden, ob ich gut genug bin. Jetzt sage ich es, wenn ich kleine Wehwehchen habe und eine kurze Pause brauche. Sollte es dann nicht für die Startaufstellung am Freitag reichen, bin ich zwar nicht glücklich, aber ich weiß trotzdem: Meine Chance kommt wieder.“

Eine SVM-Konstante: Alle 20 Partien absolviert

Ivica Vastic hat sich jedenfalls auf der linken Seite in der Viererkette 20 Mal in 20 Spielen für den 23-Jährigen entschieden.

Der Kärntner hat sich offensichtlich das Vertrauen erkämpft, ist zu einer absoluten Konstante in der Mannschaft geworden und sagt über sich selbst: „Ich weiß, dass ich nicht der Edeltechniker bin, aber ich bin zweikampfstark, übernehme Verantwortung und mache am Platz oder in der Kabine auch mal den Mund auf. Ich will Führungsspieler sein.“

Seine Stärken einzubringen, sei schließlich auch eine Frage des Charakters. Den hat, wie Novak unterstreicht, das Mattersburger Team durch die Bank. „Jeder einzelne Spieler ist charakterlich so stark, dass das am Ende den Unterschied ausmacht. Hier entsteht einfach etwas.“

Wohlfühlfaktor auch neben dem Platz

Der Abstieg aus dem Oberhaus 2012/2013, der geschaffte Erste-Liga-Klassenerhalt in der Saison 2013/2014, die Entwicklung zum Titelanwärter 2014/2015 – all das sei ein Erfahrungsschatz, der dem Projekt nun zugute kommen kann.

„Mattersburg hat sich umstellen müssen, das geht nicht von heute auf morgen. Wir entwickeln uns jetzt zu den Persönlichkeiten, die sich etwa im Sommer selbst aus dem Sumpf rausgezogen haben. Da steckt jede Menge Arbeit dahinter, trotzdem haben wir im Herbst noch einige Punkte liegen gelassen. Bei uns ist noch so viel Luft nach oben vorhanden“, so Novak.

Ergo gibt es keine Antwort auf die Frage, was denn wäre, würde der SVM am Ende hinter dem LASK bleiben. „Bei uns denkt keiner so. Wir haben es absolut drauf. Unser einziger Gedanke ist: Wir wollen Erster werden.“

Auch vom Umfeld her stimmt der Wohlfühlfaktor. Novak teilt sich eine Wohnung mit Dominik Doleschal, über den er sagt: „Er ist der beste Mitbewohner, den man sich vorstellen kann, wenn man nach Mattersburg kommt. Beim „Dole“ laufen die Fäden zusammen – jeder mag ihn, und er ist überall dabei. Daneben wohnt Alois Höller, unter uns Markus Böcskör. Das passt alles sehr gut – ich fühle mich hier heimisch.“

Nicht umsonst waren Novaks Eltern im Herbst öfter in Mattersburg zu Besuch, als er auf Kurzausflug daheim. Einzig jetzt, während der Urlaubszeit, geht es für einige Wochen zurück in die Heimat. „Da bin ich zuhause im Hotel Mama, genieße Kärnten, entspanne.“ Nachsatz: „Und im Jänner geht es dann wieder mit vollen Tanks los.“ Vorfreude auf den Arbeitsbeginn – auch das ist eine Frage des Charakters.