Erstellt am 10. Oktober 2012, 00:00

„Sonst bin ich nicht genießbar“. Jubilar Karl Kaplan / Morgen wird der Ex-BFV-Boss 70, in aller Ruhe. Bewegung kommt bei seinen Projekten und Aktivitäten ins Spiel.

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Von Bernhard Fenz

Der Trubel ist vorbei. Am 3. März übergab Karl Kaplan das Amt des Burgenländischen Fußballverbands-Präsidenten an Gerhard Milletich. Einige Ehrungen und Lobgesänge später (Kaplan war etwa wesentlich an der Errichtung der Fußballakademie mitbeteiligt) trat der ehemalige Landesrat – als ehrenamtlicher BFV-Boss von 2004 bis 2012 bereits Pensionist – dann tatsächlich seinen Ruhestand an.

„Am Anfang war es schon ein bisschen komisch, wenn dich keiner anruft“, erinnert sich der Oberpullendorfer. Schließlich lag dieser Umstand damals nicht nur an seiner neuen Telefonnummer.

ÖFB, Rotes Kreuz und Wehrpflicht-Debatte 

Allerdings legte sich das komische Gefühl rasch. Mehr noch: Längst kann Karl Kaplan, der „alles genauso wieder machen“ würde, die Pensions-Vorteile genießen: „Ich bin selbst über mich erfreut, dass ich die Segel gestrichen habe. Jetzt kommt es schon vor, dass ich das Handy einfach daheim liegen lasse. Mittlerweile ist das alles nicht mehr so wichtig.“

Der Ex-Präsident benötigt andere Utensilien: etwa sein Rad, das er regelmäßig und gerne ausgiebig verwendet („Ich brauche Bewegung, sonst bin ich nicht genießbar“) – nachdem er um sechs Uhr aufgestanden ist und um 7.30 Uhr im Caféhaus alle Zeitungen durchgeschmökert hat. Diesen Rhythmus hat er beibehalten. Nicht nur das.  Völlig aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist Karl Kaplan ohnehin nicht.

Nach wie vor pflegt er regelmäßigen Kontakt zum BFV („Ich glaube, es läuft.“), und an drei Projekten ist er selbst beteiligt: Beim ÖFB wird sein Part bei einem Arbeits-Ausschuss über die Zukunft des Fußballs gefragt sein. Der Zufall brachte ihn zudem mit einem länderübergreifenden EU-Rot-Kreuz-Projekt zusammen (Burgenland-Slowakei-Ungarn), das er seitdem begleitet. Außerdem sitzt der Oberleutnant i.Res. (in Reserve) noch – Stichwort Volksbefragung im Jänner – im Komitee für die Beibehaltung der Wehrpflicht. „Ich bin nicht für das Bundesheer, so wie es derzeit aufgestellt ist, aber dafür, dass es ein Teil unserer Gesellschaft ist – da gehört die Wehrpflicht dazu.“

Dauergast beim SVM und bei Länderspielen 

Als Fußball-Konsument ist Kaplan zudem nach wie vor bei fast jedem Mattersburger Heimspiel anzutreffen. Längst zieht er es aber vor, gegenüber des VIP-Bereichs mitten auf der Haupttribüne Platz zu nehmen. Platz nimmt er auch regelmäßig bei den Länderspielen im Happel-Stadion, zuletzt gegen Deutschland: „Wir haben als bessere Mannschaft verloren. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist eine enorme Steigerung erkennbar. Trotzdem gibt es jetzt gegen Kasachstan nur eine Devise: sechs Punkte. Die traue ich dem Team aber auch zu.“

Bevor es soweit ist, dass Karl Kaplan vor dem Fernseher die Daumen drückt, steht aber noch (s)ein runder Geburtstag am Programm. Morgen, Donnerstag, wird der Jubilar 70 – und feiert in aller Ruhe: im Kreis der Familie, aber auch sicher mit ein paar Freunden. Wie viele das sein werden? Kaplan zeigt seine geöffnete Hand und schmunzelt. Der Trubel ist vorbei.

Entspannt: Ex-BFV-Boss Karl Kaplan feiert morgen, Donnerstag, seinen 70. Geburtstag. Der nunmehrige Ehrenpräsident beobachtet das Fußballtreiben aus sicherer Entfernung.

Doris Seebacher