Erstellt am 30. November 2011, 11:21

Spannende "Demokratie-Erfahrung" im Skizirkus. Eine spannende Erfahrung hat der alpine Skizirkus mit dem ersten Fall der direkten Mitbestimmung durch Rennläufer gemacht. Am Dienstag trugen die von Athletenvertreter Bode Miller transportierten Bedenken der Sportler entscheidend dazu bei, dass trotz bester Wetterbedingungen das erste Abfahrtstraining in Beaver Creek abgesagt wurde.

Während Miller fast durchwegs Applaus für seine engagierte und professionelle Vorgehensweise erhielt, gab es auch Kritiker. Nicht nur ein Teil der Trainer-Kommission fand sich mit der neuen Situation noch nicht zurecht. Top-Abfahrer wie der Österreicher Klaus Kröll fühlten sich sogar übergangen. "Ich wäre gerne gefahren, mich hat aber keiner gefragt", wunderte sich der Steirer. Für Kröll wäre das Training trotz der gefährlichen Wellen im Steilhang "fahrbar" gewesen. "Wir sind ja hier nicht beim Kindercup."

Krölls Landsmann Georg Streitberger bedauerte ebenfalls, dass er in die Entscheidung nicht eingebunden gewesen war. Der Vorjahres-Sieger im Super-G fand es prinzipiell gut, dass die Läufer nun dank des Athletenvertreters ein "echtes" Mitspracherecht haben, forderte aber: "Wir entscheiden für's eigene Risiko und für das der anderen. Deshalb sollte die Mehrheit abstimmen und nicht einer oder zwei."

Für Österreichs Abfahrer hatte an diesem Tag aber Cheftrainer Mathias Berthold die Agenden übernommen. "Bode hat nicht alle Läufer erreicht und sich deshalb an mich gewandt", erklärte der Coach. Auch aus Sorge um die vielen jungen Läufer hatte der Vorarlberger kein Problem mit der Trainingsabsage. "Wir haben Miller aber nicht beeinflusst. Er hat das sehr professionell erledigt und Renndirektor Günter Hujara die Bedenken der Läufer vorgetragen. Er hat keine Absage gefordert, diese Entscheidung hat dann letztlich die Jury gefällt."