Erstellt am 13. November 2015, 06:03

von Bernhard Fenz

Sportstätten als Zankapfel. Im Zuge der Sportstättenatlas-Präsentation der Sportunion und der ÖVP Burgenland stand die Landespolitik in der Kritik – Landeshauptmann Hans Niessl wehrt sich.

Sportunion-Landesgeschäftsführer Patrick Bauer, Präsidentin Karin Ofner und ÖVP-Sportsprecher Christoph Wolf (v.l.) übten Kritik. Fotos: Fenz/BVZ  |  NOEN, Fenz/BVZ
Welche Sportstätten es in allen Bezirken des Landes gibt, wollen die Sportunion Burgenland in Kooperation mit dem ÖVP-Landtagsklub Burgenland und ÖVP-Sportsprecher Christoph Wolf aufzeigen. Das Resultat ist der sogenannte Sportstättenatlas.

Laut Sportunion Burgenland-Präsidentin Karin Ofner ist die druckfrische Nachschlaghilfe „einmalig in der Geschichte des Burgenlandes und dokumentiert, welche Sportmöglichkeiten die Menschen haben.“ Auch die Vielfalt des Sports werde dabei aufgezeigt. „Genau das war der Sportunion seit jeher ein Anliegen“, so Ofner weiter.

Atlas als Grundlage für Sportstättenplanung?

Dienen solle der Sportstättenatlas auch als Grundlage für eine flächendeckende, sinnvolle Sportstättenplanung. Ziel sei es hier, bis 2020 im Burgenland eine attraktive Strategie zu verfolgen. Die passe den Initiatoren des Sportstättenatlas gar nicht. Ofner: „Uns geht es um die Sache, daher ist es nicht angebracht, dass wir uns als Land ständig nur rühmen. Ein Beispiel: Gerade bei Grundsportarten wie Schwimmen, Leichtathletik oder Turnen haben wir im Burgenland ein schweres Sportstätten-Manko.“

Eine nach wie vor fehlende wettkampftaugliche Leichtathletik-Anlage sei da nur ein Beispiel. Ofner: „Wenn du nationale oder internationale Erfolge haben willst, musst du oft raus dem Burgenland.“

Die Vielfalt beschränke sich laut der Sportunion Burgenland-Chefin auf Fußball und Tennis, Förderungen würden zudem nach dem Gießkannen-Prinzip vergeben. „Wir haben uns im Sportbeirat immer geärgert, wenn die Förderungen durchgewunken wurden.“

VP-Sportsprecher vermisst nötige Entschlossenheit

Der zuständige Sportreferent, Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) spricht von parteipolitisch motivierten Behauptungen: „Alle Beschlüsse im Landessportbeirat wurden in den letzten 15 Jahren einstimmig gefasst. Die ÖVP ist seit vier Monaten nicht mehr in der Regierung und scheint die Tatsachen komplett vergessen zu haben.“

Nachsatz: „Warum sich die Union in diese parteipolitische und sachlich völlig unbegründete Vorgangsweise der ÖVP einbinden lässt, ist mir unerklärlich.“ Stattdessen werde eine in den letzten 15 Jahren gemeinsam gewachsene Sportpolitik mit der ÖVP nun „besudelt“. Die internationalen Sporterfolge zeigen laut Niessl, dass die Behauptungen „komplett haltlos sind.“

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Ob es für Christoph Wolf vorstellbar sei, im gegebenen Rahmen (siehe weiter unten) überhaupt Platz für den Bau nötiger wettkampftauglicher Sportstätten zu schaffen? „Das ist machbar, wenn man es wirklich will.“ So könne man etwa Spezialprojekte fördern – der ÖVP-Sportsprecher vermisse hier jedenfalls die nötige Entschlossenheit.

Eben die führt Niessl in Bezug auf Förderung der Wettkampftauglichkeit mit dem Ausbau der Hauptschießstätte in Eisenstadt für die Sportschützen-EM, Infrastrukturmaßnahmen vor der U21-Judo-EM in Oberwart, dem Weltpokal der Sportkegler in Ritzing oder dem Ausbau des Grasskizentrums in Rettenbach an – und sagt zudem: „Wir haben in den letzten Jahren auch eine Reihe von Trendsportanlagen gefördert und Anlagen unterstützt, die sowohl vom Breitensport, als auch von Schulen und Sportvereinen genützt werden. Als Beispiele dürfen die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Hallenbad Eisenstadt oder auch der Kunsteisbahn angeführt werden.“

Mit dem Bund werde 2016 zudem auch der Ausbau des Bundesleistungszentrums (Segeln/ Surfen) in Neusiedl/See in Angriff genommen.

Auch das Hallenbad Neusiedl/See polarisiert

Apropos Neusiedl/See: Hier stößt den Initiatoren des Sportstättenatlas nach wie vor die Fast-Schließung des Hallenbades (aktuell ist der Fortbestand zumindest kurzfristig gesichert) sauer auf.

Wolfs klare Forderung: Das Land solle für den laufenden Betrieb von regional bedeutenden Sportstätten einen finanziellen Beitrag leisten. Niessls Konter: Hallen- und Freibäder würden entsprechend den Richtlinien des Landes gefördert.

Fix ist: Das Sportstätten-Thema polarisiert – so sehr, dass ein gemeinsamer Nenner längerfristig unsicher scheint. Das dürfte dafür wirklich sicher sein.

Sportbudget 2015:

Rund 2,2 Millionen Euro umfasst das Sportbudget 2015, das Förderungen für den Spitzensport, Sportstätten, überregionale Projekte, Bewegungs- und Jugendprojekte, Schulsportmodelle, Vereinsförderung, Nachwuchsförderung und die Sportinitiative Burgenland beinhaltet.

Zusätzlich gibt es 956.000 Euro für die Unterstützung der Fußballakademie Burgenland, rund 500.000 Euro für Bedarfszuweisungen und Vereinsförderungen sowie rund 150.000 Euro vom Sportpool Burgenland für spezifische Spitzensportförderung.

Quelle: Info Land Burgenland