Erstellt am 27. April 2016, 06:24

von Bernhard Fenz

SVM: Mit Charakter gegen den Trend. Viel spricht nach dem 0:9-Heimdebakel gegen die Austria in Wolfsberg nicht für den SVM. Also ist nun Moral gefragt.

Der große Krach und seine Folgen: Was folgte waren höchst emotionale Momente, in denen sich Kuster nicht mehr beruhigte und sich nach deftiger Kritik von Hameter ebenfalls Rot abholte. Am Tag darauf entschuldigte sich Kuster öffentlich dafür - die Strafe war trotzdem deftigst: sechs Spiele, plus zwei bedingt auf sechs Monate. Fotos: Ivansich  |  NOEN, Ivansich
Es gab schon bessere Wochen für den SV Mattersburg. Das 0:9-Heimdebakel am Samstag gegen die Wiener Austria, die beiden Ausschlüsse gegen Manuel Prietl nach Foul an Larry Kayode sowie der Emotionsausbruch von Goalie Markus Kuster, der Referee Markus Hameter nach dessen Penalty- und Rot-Entscheidung solange bedrängte, bis dieser auch den 22-jährigen Mann aus Pama vom Feld schickte.

„Mag das Wort nicht in den Mund nehmen“

Und da wären noch die verletzungsbedingten Rückschläge, allen voran jener von Kapitän Patrick Farkas. Der Oberdorfer blieb nach einem Foul von Tarkan Serbest mit Verdacht auf Kreuzbandriss liegen. Bereits unter der Woche fiel Dominik Doleschal aus, seine langwierigen Adduktorenprobleme traten laut dem Sportlichen Leiter Franz Lederer in „einer kleineren Form“ wieder auf – trotzdem ist die Saison für „Dole“ gelaufen.

Rein sportlich ist nach nur einem Punkt aus den letzten fünf Spielen (Torverhältnis 1:15) langsam, aber sicher, Feuer am Dach. Also muss am Samstag auswärts beim WAC eine Reaktion her, auch wenn Lederer klarstellt: „Ich mag das Wort Reaktion nicht mehr in den Mund nehmen.“

Die einfachen Tugenden seien laut Lederer einfach zu befolgen: „Jeder soll bei sich bleiben und Charakter zeigen – so wie das die Mannschaft schon in der vorigen Saison getan hat, als sie trotz fixem Aufstieg noch den Meistertitel erreicht hat. Wenn das jeder behirnt, wird es wieder aufwärts gehen.“

Nachsatz des Sportlichen Leiters, angesprochen auf die Tabellensituation und den Umstand, dass der Abstand nach hinten nach wie vor groß genug sei: „Mit der Tabelle braucht sich niemand auseinandersetzen. Jetzt sind andere Tugenden gefragt.“

Vastic: „Wichtig ist, aus dem 0:9 zu lernen“

In diesem Zusammenhang fordert Chefcoach Ivo Vastic auch eine gewisse Weiterbildung ein: „Wichtig ist, aus dem 0:9 zu lernen. Das Spiel am Samstag ist in die falsche Richtung gelaufen, etwa, als wir das 1:2 verpassten und dann der Elfer und die beiden Ausschlüsse folgten. So darf man sich nicht verhalten, auch wenn man in Rückstand liegt, unzufrieden ist und es nicht läuft.“

Die Höhe der Niederlage verlangte ohnedies noch nach einer gesonderten Aufarbeitung, auch wenn der SVM mit zwei Mann weniger eine Halbzeit lang personell stark geschwächt agierte.

„Nein, für die Höhe der Niederlage habe ich kein Verständnis“, so Vastic, der nun einen hochkonzentrierten Modus für das nächste Spiel am Samstag (18.30 Uhr) beim WAC einfordert: „Uns erwartet ein aggressiver und zweikampfstarker Gegner. Dementsprechend müssen wir auch energisch sein und die Zweikämpfe annehmen, vor allem in der Abwehr.“

„Wir zeigen nicht mit dem Finger auf Kuster“

Fix nicht dabei sein wird Tormann Markus Kuster, der sich nach dem Ausschluss gegen Prietl heftigst beschwerte und selbst Rot sah. Am Sonntag entschuldigte sich der 22-Jährige im Zuge einer Stellungnahme (siehe ganz unten) öffentlich und bedauerte den emotionalen Ausbruch. Unter anderem schrieb er: „Die Aktion steht in völligem Gegensatz zu meinen sportlichen und privaten Wertvorstellungen. Respekt ist für mich persönlich ein zentraler Wert – auf und neben dem Platz.“

Geholfen hat die Entschuldigung hinsichtlich des Strafrahmens aber scheinbar nicht viel. Sechs Spiele Sperre (plus zwei bedingt auf sechs Monate) bedeuten, dass Kuster sogar noch zu Beginn der neuen Saison gesperrt bleibt. Stein des Anstoßes war übrigens der Zweikampf zwischen Prietl und Kayode, der zum Elfer geführt hatte. „Aus meiner Sicht hat es so ausgesehen, als ob Kayode Prietl gefoult hat.“ Freilich entschuldigt dieser Umstand die Aktion nicht.

Wie auch immer. Lederer stellte jedenfalls klar, dass Kuster „sich selbst und der Mannschaft geschadet hat – das weiß er. Es gibt natürlich einen Strafenkatalog, und da fällt er mit so einer Aktion auf die saftige Seite. Trotzdem zeigen wir deshalb nicht mit dem Finger auf ihn.“

Farkas fällt aus – und wer wird im Tor stehen?

Personell fehlt neben Kuster auch Manuel Prietl am Samstag in Wolfsberg fix, er wurde nach seiner Notbremse gegen Kayode für ein Spiel gesperrt. Tendenziell zu Ende ist die Saison für Kapitän Patrick Farkas, der in Minute 26 ausschied. Er erlitt einen Meniskuseinriss, der bereits arthroskopiert wurde.

Glück im Unglück für den Südburgenländer, denn: „Für das, was befürchtet werden musste, ist es ein deutlich geringeres Problem“, zielte Lederer auf das Damoklesschwert eines Kreuzbandrisses ab. Michi Perlak schied mit einem Oberschenkelproblem aus, sein Einsatz beim WAC ist fraglich.

Fix ist also: Ivo Vastic wird am Samstag eine veränderte Mannschaft aufs Feld schicken. Spannend bleibt auch noch die Frage, wen der Chefcoach zwischen den Pfosten aufstellen wird. Zur Wahl stehen zwei Routiniers: Thomas Borenitsch (35) und Markus Böcskör (33). Ersterer hatte laut Vastic zuletzt mit einigen Wehwehchen zu kämpfen, Böcskör wiederum steht offiziell gar nicht im Kader, ist aber als (junger) Tormanntrainer jederzeit abrufbar. Vastic: „Es gibt zwei Torhüter, wir werden uns das überlegen.“