Erstellt am 24. November 2010, 00:00

Tekeli: „So schimpfen lass‘ ich mich nicht“. 2. LIGA SÜD / Der SV Rechnitz muss 1.000 Euro Strafe zahlen, weil Fans Schiri Habip Tekeli rassistisch beschimpft haben.

 |  NOEN

VON ANDREAS KOLLER

UND PATRICK BAUER

Habip Tekeli und Yavuz Buran sind als Schiedsrichter Beschimpfungen gewohnt. Was ihnen am Nationalfeiertag beim Nachtragsspiel in Markt Allhau von einer kleinen Rechnitzer Zuschauergruppe an den Kopf geworfen wurde, ging aber zu weit: „Scheiß Türk‘! Kameltreiber! Kebapfresser! Rauf aufs Kamel und ab in die Heimat!“, soll aus dem Gäste-Lager zu hören gewesen sein. Heimat? Das ist für den 26-jährigen Habip Tekeli Österreich, ist er doch seit seinem dritten Lebensmonat hier zu Hause.

Reduzierte Strafe aufgrund  mildernder Umstände

Die permanenten Beschimpfungen während des Spiels gipfelten darin, dass aufgebrachte Zuschauer nach dem Schlusspfiff direkt auf die Unparteiischen zukamen und ihre Feindbilder weiter bearbeiteten. „Dieses Verhalten war ganz primitiv und eigentlich unnötig“, sagt Schiedsrichter Tekeli im Gespräch mit der BVZ, „so schimpfen lass‘ ich mich nicht“. Weshalb er den Vorfall dem Fußballverband meldete.

Anfang November befasste sich der Straf- und Meldeausschuss (STRUMA) des BFV mit dem Fall. Das Urteil: 1.000 Euro Strafe für den SV Rechnitz. Grundlage war der Rassismus-Paragraph 112 der ÖFB-Rechtspflegeordnung (siehe Faksimilie). Aufgrund mildernder Umstände wurde die Strafe von 1.500 Euro herabgesetzt. Brisant: Laut Tekelis Aussagen sollen die Rufe auch von einem Rechnitzer Funktionär gekommen sein, was eine Geldstrafe für den Offiziellen bedeutet hätte und unter Umständen sogar berufliche Folgen nach sich gezogen hätte. „Bei der Befragung konnte Herr Tekeli aber nicht zu 100 Prozent verifizieren, dass die Beschimpfungen vom Funktionär gekommen sind“, erklärt der STRUMA-Vorsitzende des Senats zwei, Walter Fritz, weshalb das Urteil aufgrund des Absatzes 3, Vergehen der Anhänger einer Mannschaft, gefällt wurde. Tekeli nimmt die Entscheidung hin: „Ich will niemandem beruflich schaden. So ein Typ bin ich nicht.“

Kritik des SV Rechnitz an  Urteil und Vorgehensweise

Für den SV Rechnitz, der sich klar gegen Rassismus ausspricht, ist die Geldstrafe sehr empfindlich. Schriftführer Franz Wagner, der auch Obmann der Gruppe Süd ist, findet das Strafausmaß bei kleinen Vereinen überzogen. „1.500 Euro Mindeststrafe steht im Unverhältnis zu den Bundesligavereinen.“ Kritik äußert Wagner an der Vorgehensweise des Schiris: „Ich habe vermisst, dass er, bevor es zur Anzeige kommt, den Ordnerdienst einschaltet oder die Funktionäre bittet, etwas dagegen zu machen.“ Tekeli sagt aber, er habe nach dem Schlusspfiff die Ordner hinzugezogen. Laut dem Unparteiischen habe sich die betroffene Gruppe außerdem neben der Betreuerbank aufgehalten, was die Frage aufwirft, weshalb die Rechnitzer Funktionäre diese Personen nicht von sich aus zurecht gewiesen haben.

Das Positive an der ganzen Geschichte: Sie könnte eine Sensibilisierung bei Zuschauern und Vereinen bewirken. Das Urteil wurde gemäß der ÖFB-Rechtspflegeordnung, Kapitel II: Ehrverletzendes und rassistisches Verfahren, § 112, gefällt.
 


Hintergrund

Im Nachtragsspiel der 2. Liga Süd zwischen Markt Allhau und Rechnitz (die Partie endete 2:1 für die Gastgeber), das am 26. Oktober ausgetragen wurde, sahen sich Referee Habip Tekeli und sein Assistent Yavuz Buran mit wüsten Beschimpfungen (unter anderem mit rassistischen Inhalten) von Rechnitzer Zuschauern konfrontiert. Da Personen aus dem Rechnitzer Lager nach dem Schlusspfiff auf das Schiriteam zustürmten und weiterschimpften, erstattete Tekeli aufgrund der Schwere der Aussagen Anzeige beim Strafausschuss des Burgenländischen Fußballverbandes. Bei der STRUMA-Sitzung wurde dem SV Rechnitz daraufhin nach     § 112 der ÖFB-Rechtspflegeordnung (siehe Faksimilie) eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro auferlegt (wegen Milderungsgründen wurde die Strafe von ursprünglich 1.500 Euro herabgesetzt).


Reaktionen

„Es ist traurig, dass so etwas vorkommt.“
Schiedsrichter Habip Tekeli

„Ich habe das Thema nach Rücksprache mit Schiri-Obmann Benkö und STRUMA-Vorsitzenden Fritz als Tagesordnungspunkt in der Gruppensitzung aufgenommen, um die Vereine zu sensibilisieren. Einige Funktionäre kamen mit der Reaktion, dass die Vereine nicht verantwortlich sind für ihre Zuseher. Ich persönlich teile diese Meinung nicht ganz, denn es gibt Werte wie Ehre, die man einhalten kann. Beschimpfungen gehören leider dazu, sollten aber nicht an der Tagesordnung sein.“
Franz Wagner, Obmann der
Gruppe Süd und Schriftführer
des SV Rechnitz


„Einige Leute besitzen einfach eine derartige Unverschämtheit, die kaum zu überbieten ist. Ich finde es in Ordnung, wenn endlich auch einmal die Öffentlichkeit sieht, dass es Geldstrafen geben kann. Ein Problem ist natürlich, dass die Klubs bei den Sanktionen die Armen sind. Andererseits müssten sie einmal aktiv werden und die Übeltäter von den Sportplätzen verweisen.“
Günter Benkö, Obmann des Burgenländischen
Schiedsrichterkollegiums


„Wir werden über den Winter versuchen, noch klarere Instruktionen auszugeben. Dabei werden wir aber sicher nicht gegen die Klubs arbeiten.“
Derselbe