Erstellt am 17. Juli 2016, 19:27

ÖTV-Team verlor Davis Cup gegen Ukraine 2:3. Österreichs Davis-Cup-Team bleibt trotz der tollen Aufholjagd Jürgen Melzers am Sonntag auch 2017 zweitklassig.

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Im entscheidenden Schluss-Einzel in Kiew musste sich der 22-jährige Dennis Novak dem Weltranglisten-85. Sergij Stachowskij nach 2:58 Stunden mit 3:6,3:6,7:6(8),5:7 beugen. Die ÖTV-Equipe verlor damit das Zweitrunden-Treffen der Europa-Afrika-Zone I mit 2:3.

Trotz der tollen Aufholjagd Jürgen Melzers gab es also kein Happy End für Österreich. Melzer hatte zuvor nach einem 4:08-Stunden-Marathon überraschend den Ausgleich gegen die ukrainische Nummer eins, Illja Martschenko, geschafft. Novak hätte mit einem Sieg ein bisschen österreichische Davis-Cup-Geschichte schreiben können, denn Österreich hat bisher noch nie ein 0:2 noch in ein 3:2 verwandelt.

Damit spielt die Ukraine vom 16. bis 18. September im Play-off um die Weltgruppenzugehörigkeit 2017. Für die Truppe von Stefan Koubek ist der Davis Cup für dieses Jahr vorbei, der nächste Anlauf in Richtung Weltgruppe erfolgt 2017.

"Es ist ein guter Spirit im Team"

ÖTV-Präsident Robert Groß war trotz der Niederlage "sehr stolz" auf die Mannschaft. "Es ist ein guter Spirit im Team. Besonders freut es mich, dass Jürgen Melzer nach seiner Verletzung wieder sehr gut gespielt und fünf Sätze durchgehalten hat", sagte Groß und betonte: "Wir können mit diesem Team etwas für die Zukunft aufbauen."

Novak hatte es nach zwei klar verlorenen ersten Sätzen durchaus in der Hand, zumindest noch einen fünften Satz zu erreichen. Der 22-jährige Schützling von Günter Bresnik ging dann plötzlich im dritten Satz mit 4:2 in Führung, musste aber sein Service zum 4:4 abgeben. Im Tiebreak nützte Novak seinen insgesamt dritten Satzball zum 1:2 in Sätzen. Davor hatte allerdings Stachowskij bei 7:6 einen Matchball nicht verwertet.

Im vierten Satz war Novak bereits auf Kurs Entscheidungssatz. Ein immer müder werdender Stachowskij, im ATP-Ranking als 85. 110 Ränge vor dem Niederösterreicher, musste sein Service zum 3:5 abgeben. Doch Novak nützte die Chance nicht und gab seinen Aufschlag selbst mit einem Doppelfehler zum 4:5 wieder ab. Nach einem Break zum 6:5 ließ sich Stachowskij, der sich mit seinem 24. Ass drei weitere Matchbälle erarbeitete, aber nicht mehr vom Siegkurs abbringen.

Melzer spielte "unmenschliches Match"

"Es war ein extrem enges Match. Wenn es in den fünften Satz geht, bin ich der fittere und bessere Spieler. Und dann, glaube ich, gewinne ich das Match", meinte Novak. "Leider habe ich nichts dazu beitragen können, obwohl Jürgen ein unmenschliches Match gespielt hat. Jetzt ist die Enttäuschung natürlich sehr groß."

Unabhängig vom Ausgang konnte der 35-jährige Jürgen Melzer die ukrainische Hauptstadt mit erhobenem Haupt verlassen. In seinem ersten ernst zu nehmenden Match hatte er nach dem Doppel vom Samstag an der Seite von Philipp Oswald überraschend auch einen Einzelpunkt beigesteuert. Der frühere Weltranglisten-Achte war anstelle seines Bruders Gerald aufgeboten worden, der jüngere Melzer hatte sich mit den schnellen Bedingungen auf dem Hartplatz in Kiew nicht wirklich anfreunden können.

Die etwas riskante Rochade stellte sich als goldrichtig heraus. Jürgen Melzer, der nach über zehn Monaten Pause sein erstes richtiges Match und sein erstes Fünfsatz-Match seit September 2015 bestritten hat, kann mit viel Selbstvertrauen und dem Wissen, dass seine operierte linke Schulter hält, nach Kitzbühel reisen.

"Das waren extrem harte Bedingungen"

"Ich bin natürlich überglücklich, nach so langer Zeit ein Fünfsatz-Match so zu gestalten und zu gewinnen. Das waren extrem harte Bedingungen da draußen, richtig heiß. Da waren natürlich ups and downs in der Partie, was normal ist, nach einer so langen Match-Pause", freute sich Melzer. Es war sein überhaupt erstes über fünf Sätze gehendes Spiel seit Februar 2015 beim Davis Cup in Schweden.

Es war ein würdiger Sieg zum Jubiläum Jürgen Melzers, der seinen insgesamt 70. Davis-Cup-Einsatz (Einzel und Doppel) für Österreich feierte. Für das ÖTV-Team heißt es also auch 2017 zum vierten Mal en suite Europa-Afrika-Zone I. Ohne Dominic Thiem sowie dem auch Langzeitverletzten Andreas Haider-Maurer war in diesem Jahr (noch) kein Wiederaufstieg drinnen.