Erstellt am 16. Februar 2014, 10:02

Trainer-Ablöse bei der Austria. Wie die BVZ vor kurzem exklusiv erfahren hat, ist Bjelica bereits Geschichte.

Von Bernhard Fenz

Die Wiener Austria haben nach dem schwachen Start ins Frühjahr - erst die 1:3-Derbyniederlage im Hanappi-Stadion gegen Rapid, gestern dann  ein mageres 1:1 gegen Wiener Neustadt - am Trainersektor reagiert. Wie die NÖN vor kurzem erfahren hat, wurde im Zuge einer Krisensitzung heute Vormittag die Trennung von Trainer Nenad Bjelica abgesegnet. 

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Austria Wien hat am Sonntag nach den jüngsten Misserfolgen die Reißleine gezogen. Der Fußball-Meister beurlaubte Trainer Nenad Bjelica und machte den bisherigen Amateure-Betreuer Herbert Gager bis Saisonende zum neuen Coach. Mit dem Wiener soll das erklärte Saisonziel - das Erreichen eines internationalen Startplatzes - doch noch unter Dach und Fach gebracht werden.

Bjelica wurde der verpatzte Frühjahrsstart zum Verhängnis. Dem 1:3 im Derby gegen Rapid folgte am Samstag ein Heim-1:1 gegen Nachzügler SC Wiener Neustadt, wodurch die fünftplatzierte und fünf Liga-Partien sieglose Austria weiterhin drei Punkte hinter dem Tabellendritten Rapid liegt. Die Hütteldorfer konnten ihren Vorsprung am Sonntagnachmittag bei der Admira noch vergrößern.

Um fix in die Europa-League-Qualifikation zu kommen, ist eine Platzierung unter den Top-3 nötig. Dass dies mit Bjelica gelingt, wollten die Austria-Verantwortlichen nicht mehr so recht glauben, zumal die Leistungen im Frühjahr zu wünschen übrig ließen. Das enttäuschende Remis gegen Wiener Neustadt brachte schließlich das Fass zum Überlaufen.

Bis nach Mitternacht berieten Sport-Vorstand Thomas Parits und Wirtschafts-Vorstand Markus Kraetschmer, ehe man sich zur Trennung vom Kroaten entschloss. Der Vorschlag des Duos, Bjelica zu beurlauben, wurde vom Aufsichtsrat laut Kraetschmer "einhellig" angenommen. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir waren mit der Performance in den letzten zwei Spielen nicht zufrieden", sagte Parits.

Die Gründe dafür waren nach den Angaben des Sport-Vorstandes nicht nur bei Bjelica zu suchen. "Er ist nicht der Alleinschuldige, auch die Mannschaft steht in der Pflicht. Ich möchte jetzt eine Reaktion sehen", erklärte Parits.

Mit Bjelica, der vor Saisonbeginn die Nachfolge von Meistertrainer Peter Stöger angetreten hatte, gelang im vergangenen August der erstmalige Einzug in die Champions-League-Gruppenphase. "Das war einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte, aber 2013 ist vorbei", betonte Kraetschmer.

Bjelica erfuhr Sonntagfrüh von seiner Beurlaubung und hielt sich danach mit öffentlicher Kritik zurück. "Es war eine tolle Erfahrung für mich. Ich bin heute ein viel besserer Trainer als vor acht Monaten. Ich habe geholfen, die Austria weltweit bekannter zu machen. Das ist nur in Österreich ein bisschen unterschätzt worden." Er respektiere die Entscheidung der Austria-Führung, sagte der 42-Jährige, dessen Verhältnis zu Teilen der Mannschaft als angespannt galt.

Bjelica erwartet schon demnächst eintrudelnde Job-Angebote. "Die Champions League hat mich europaweit bekannt gemacht, also sehe ich meine Zukunft sehr rosig", erklärte der frühere WAC-Coach, mit dem auch Co-Trainer Rene Poms gehen musste.

Nachfolger Gager leitete bereits am Sonntagvormittag das erste Training. "Ich werde jetzt viele Gespräche führen, wir müssen wieder Leben reinbringen. Die Spielweise war zuletzt zu passiv, da gilt es den Hebel anzusetzen", sagte der 44-Jährige.

Seine Premiere steigt am kommenden Samstag, wenn es beim WAC um wichtige Punkte im Europacup-Rennen geht. "Unsere Ausgangsposition im Kampf um die Europa League ist nicht die beste, aber wir haben noch alle Chancen", meinte der Neo-Austria-Coach. Die von Gager betreuten Amateure liegen derzeit in der Regionalliga Ost an der vierten Stelle, außerdem führte er das U19-Team ins Achtelfinale der UEFA-Youth-League.

Bei der Clubführung genießt Gager bis Saisonende volles Vertrauen. "Wir werden jetzt keinen anderen Trainer suchen", versprach Parits. Zwar erhielt der Neo-Coach nur einen Vertrag bis Saisonende ohne automatische Verlängerung bei einer Europacup-Qualifikation, dennoch ist ein Engagement über diese Saison hinaus denkbar. "Wir können uns das vorstellen", bestätigte Parits, und Kraetschmer ergänzte: "Wir konzentrieren alle Kräfte auf die letzten 13 Spiele, dann werden wir analysieren."

Sollte es die Austria doch noch in den Europacup schaffen, wäre das nicht nur im Sinne Gagers und des Clubs: Bjelica besitzt bei den "Veilchen" einen Vertrag bis 2015, den der Verein nach dem Ende der laufenden Saison nur dann kündigen kann, wenn das internationale Geschäft verpasst wird.