Erstellt am 01. Februar 2012, 00:00

„Und dann explodier ich“. TIPP3 BUNDESLIGA / Seit rund einem Jahr ist Dominik Doleschal nun bereits verletzt – umso bemerkenswerter, welche Zuversicht der Profi des SV Mattersburg ausstrahlt.

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VON BERNHARD FENZ

Es gibt Orte auf dieser Welt, die schauen, wenn sie auf das Wesentlichste reduziert werden, prinzipiell überall gleich aus – eine Kraftkammer zum Beispiel.

Dominik Doleschal muss diesen Ort mittlerweile hassen. Der 22-jährige Deutsch Tschantschendorfer steht seit einem Jahr im Abseits und kann sich nur individuell in den sportlichen Folterräumen fit halten.

Ein langwieriges Problem an seinem linken Hüftgelenk („Impingement-Syndrom“) ließ seit damals kein vernünftiges und vor allem schmerzfreies Fußballspielen zu.

Dann kam der 2. September 2011, als Doleschal bei seinem Comebackversuch im Dress der SVM-Amateure (um auszutesten, inwieweit die Hüfte im Match Probleme bereitet) gegen den Sportklub in der 24. Minute vom Platz humpeln musste – er hatte einen Kreuzbandriss erlitten, ohne Fremdeinwirkung. Doleschal musste unters Messer.

Längst ist die Bänderverletzung behoben, aber auch die lädierte linke Hüfte wurde im vergangenen Herbst von einem Spezialisten in Deutschland operativ behandelt. Das Warten auf Klarheit, die Ungewissheit vor den Operationen, aber vor allem das erzwungene Nichtstun nagten an der Psyche, wenn sich „Dole“ an die vergangenen Monate zurückerinnert: „Diese beiden Termine waren für mich einerseits irgendwie die Talsohle, andererseits aber auch ein Neubeginn. Die Probleme wurden ja behoben, damit war das erledigt und für mich haben sich wieder neue Perspektiven ergeben.“

Die konkrete Perspektive lautet nun „Sommervorbereitung 2012“. Da möchte Doleschal, der sich nicht zuletzt durch seine Explosivität mit dem Ball einen Namen gemacht hat, wieder in das Mannschaftstraining einsteigen.

Lauftraining wäre ein  erster Teilerfolg

Bis es so weit ist, muss er aber noch abseits seiner Kollegen weiter durchbeißen. Kein einfaches Los, das weiß auch Trainer Franz Lederer: „Er hat sich zu einem richtigen Einzelsportler entwickelt, der immer wieder aufs Neue den inneren Schweinehund überwinden muss. Es ist hart, als Fußballer nie mit einer Kugel arbeiten zu können. Aber sein großer Wille spricht für ihn.“

Schön langsam könnte Laufen wieder drin sein – es wären Teilerfolge, von denen „Dole“ in den nächsten Wochen zehren würde. Wenn nichts mehr spielend einfach von selbst geht, ist Bescheidenheit schließlich eine wichtige Tugend. „Ich habe gelernt, schon die kleinsten Dinge zu schätzen.“

Man glaubt ihm das, Doleschal wirkt authentisch. Vor und nach jeder Übung, durch die er sich kämpft, schwingt große Zuversicht mit. Ein Lächeln hier, ein Sprüchlein da („Schön langsam brauche ich einen Sport-BH“, in Anspielung auf seine antrainierte Brustmuskulatur), das Lockere und Draufgängerische hat der offensive Mittelfeldspieler behalten. „Es hilft nichts, da muss ich jetzt durch, wenn ich wieder zurück will.“

Und dann? „Dann explodier ich.“ Da war es wieder, das Lächeln eines Draufgängers, der endlich wieder auch mit dem Ball für Aufsehen sorgen will.

Dominik Doleschal bei der Arbeit mit Physiotherapeut Ernst Moser, wie hier in der Kraftkammer beim Trainingslager in Portugal.

BERNHARD FENZ