Erstellt am 21. Dezember 2013, 23:59

Vastic-Sieg um 0,02%. Erste Liga / Martin Puchers Bauchgefühl entschied für Ivo Vastic als neuen SVM-Trainer. Dieser brennt schon auf die neue Aufgabe.

 |  NOEN, GEPA pictures/ Walter Luger
Von Bernhard Fenz

Über 30 Bewerber meldeten sich beim SV Mattersburg als potenzielle Nachfolger, nachdem der Verein als Folge schwacher Auswärtsergebnisse und der 0:3-Pleite bei der Vienna Alfred Tatar Anfang Oktober beurlaubt hatte. Seit Freitag ist nun klar, wer das zwischenzeitlich installierte Interimsduo Franz Lederer und Max Karner (er wird wieder „Co“) auf der Betreuerbank ablösen wird: Ivica Vastic (44), zuletzt Trainer beim SV Gaflenz, Dritter der 1. Landesliga in Niederösterreich.

Interessant: Der ehemalige Sturm- und Austria-Star, als Trainer war er bei Austria ein halbes Jahr lang eher glücklos, in der Ostliga mit den violetten Amateuren und Waidhofen/Ybbs dafür erfolgreich, befand sich auf einer Liste, die der SVM-Boss persönlich erstellt hat – die Martin-Pucher-Liste. Bekanntlich will der Vereinschef selbst wählen und sondieren, letztlich waren fünf Kandidaten dabei, mit denen Gespräche geführt wurden, unter anderem Ex-St. Pölten-Trainer Martin Scherb. Das bestätigte Pucher auf Nachfrage, die anderen Namen (einer davon war bis Freitag in der engsten Auswahl mit Vastic) wollte er nicht verraten: „Wir haben uns nicht gegen jemanden, sondern für jemanden entschieden. Alle fünf Kandidaten könnte man nehmen.“

„Der SV Mattersburg gehört ganz rauf“ 

Das Bauchgefühl, oder in Zahlen ausgedrückt „0,02 Prozent“, habe laut Pucher entschieden. „Vastic hat als Trainer Erfolgshunger und will sich beweisen. Wir wollen uns wieder beweisen, von daher passt die Konstellation.“

Mattersburgs Glück ist, dass sich der ehemalige Supertechniker als Austria-Chefcoach (Dezember 2011 bis Mai 2012) nicht durchsetzte. Violett verpasste mit Platz vier einen internationalen Bewerb.

„Hätte er dort Erfolg gehabt, wäre er jetzt für uns unerreichbar. Hier hat er jedenfalls die Ruhe, die er braucht.“ Eine sportlich klar definierte Latte legt Pucher keine. Mit Platz sechs und 21 Zählern liegen die Grün-Weißen nur vier Punkte vor dem zehnten Rang. „Die Performance muss stimmen.“ Dann könnte der auf ein halbes Jahr unterzeichnete Vertrag von Seiten des SVM auf zwei weitere Jahre verlängert werden. So oder so steht die Qualität von Vastic für Pucher außer Frage: „Er ist mir schon in der Regionalliga und jetzt bei Gaflenz aufgefallen.“ Kleiner Zusatz: „Außerdem habe ich ihn im Frühjahr bei einer Talk & Tore-Sendung auf Sky gesehen. Da hat er auf Fragen nach seinem Nachfolger bei der Austria sehr gut geantwortet.“

„Ich habe gemerkt, dass mich der Verein haben will“

Das Paket ist aber freilich in gleichem Maße auch für den neuen Coach des SVM interessant: „Ich habe gemerkt, dass mich der Verein haben will – so ein Vertrauen ist für mich wichtig. Außerdem ist der SV Mattersburg ein gesunder Verein mit einer super Infrastruktur, der auch sportlich bald wieder ganz rauf gehört. Das alles sind gute Perspektiven.“

Die Verpflichtung von Vastic, der übrigens in Gießhübl wohnt und mit der Wiener Außenringautobahn in der Nähe eine „ideale Verbindung“ Richtung künftiger Arbeitsstätte vorfindet, bleibt wohl nicht die einzige neue Personalie. Auch am Spielersektor soll sich etwas tun. Puchers Präferenz liegt unter anderem bei einer Verstärkung, die im weitesten Sinne einem „Zehner“ entsprechen würde.

Ivica Vastic
• 29. September 1969 (44 Jahre)
• Karriere als Spieler: Der gebürtige Kroate spielte in Split, ehe er 1991 nach Österreich kam. Stationen: Vienna, VSE St. Pölten, Admira Wacker, danach Deutschland (MSV Duisburg), im Sommer 1994 Sturm Graz. Dort feierte er seine größten Erfolge (u.a. zweimal Meister und dreimal Champions-League-Teilnahme). 2002 wechselte Vastic für eine Saison nach Japan (Nagoya Crampus Eight), ehe er von 2003 bis 2005 bei der Austria und 2005 bis 2009 beim LASK engagiert war. Mit dem A-Team war er unter anderem bei der WM 1998 in Frankreich und bei der Heim-EM 2008 im Einsatz.
• Karriere als Trainer: 2009/2010 wurde Vastic als Cheftrainer bei Waidhofen/Ybbs Ostliga-Meister. Im Anschluss betreute er die Austria Amateure, ehe er Ende 2011 die Profis nach der Entlassung von Karl Daxbacher übernahm. Nach einem halben Jahr trennten sich die Wege. Zuletzt war er in der 1. NÖN Landesliga beim SV Gaflenz engagiert.