Erstellt am 11. April 2011, 09:35

Vertrauensbruch - Rapid feuerte Pacult. Österreichs Fußball-Rekordmeister Rapid Wien hat sich am Montagvormittag mit sofortiger Wirkung von Trainer Peter Pacult getrennt. Die Hütteldorfer führten einen "massiven Vertrauensbruch zwischen Klubführung und Pacult" an.

 Hintergrund war wohl das Treffen von Pacult mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz am Donnerstag bei einem Heurigen, wo es angeblich um ein Engagement beim deutschen Viertligisten RasenBallsport Leipzig ging.

Nach der 0:2-Heimniederlage am Samstag gegen Sturm Graz hatte der scheidende Coach die Gerüchte noch dementiert und lediglich von einer "Weinverkostung" gesprochen. Die Clubführung hatte dieser Darstellung zunächst Glauben geschenkt und am Sonntag verkündet, dass Pacult Trainer bleibe.

Am Montag war dann alles anders. Das für 9.30 Uhr angesetzte Training fiel aus, stattdessen erfuhren die Spieler in der Kabine von General Manager Werner Kuhn von der Entlassung des gesamten Betreuerstabs, dem auch Leopold Rotter (Co-Trainer), Manfred Kohlbacher (Tormann-Trainer) und Christian Canestrini (Fitness-Coach) angehörten.

Das Training wurde auf 15.30 Uhr verlegt und sollte vom ehemaligen Co-Trainer Zoran Barisic geleitet werden - und damit ausgerechnet von jenem Mann, dessen Absetzung durch Pacult im Sommer 2009 hohe Wellen geschlagen hatte. Barisic dürfte allerdings nur eine Interimslösung sein. Als Anwärter auf den Trainerposten gelten u.a. U21-Teamchef Andreas Herzog oder Wiener-Neustadt-Coach Peter Schöttel.

Von offizieller Seite gab es zu den Trainer-Spekulationen vorerst keinen Kommentar. Präsident Rudolf Edlinger äußerte sich erst um 15.30 Uhr auf einer Pressekonferenz, in deren Rahmen er aber vor allem über die Gründe für die Entlassung Pacults sprechen wollte.

Den Ausschlag dürfte wohl Pacults Flirt mit Red Bull gegeben haben. Doch schon am Freitag hatte sich der Wiener eine Entgleisung geleistet, als er öffentlich gegen den scheidenden Sportdirektor Alfred Hörtnagl nachtrat.

Für kontroversielle Aktionen war Pacult während seiner Rapid-Zeit immer zu haben. Der permanente Konflikt zwischen dem Trainer und dem Sportdirektor war nur ein Auswuchs, für Aufsehen sorgten auch Konflikte mit gegnerischen Fans - jene von Sturm Graz bekamen vor einem Jahr Pacults Mittelfinger präsentiert - und mit eigenen Anhängern. Die Rapid-Ultras hatten dem Wiener seine Austria-Vergangenheit nicht verziehen.

Auch unter den Spielern war Pacult nicht allzu beliebt, was weniger an den harten Trainingsmethoden, sondern vor allem an der geringen Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer lag. Dem Erfolg tat das angespannte Verhältnis aber lange keinen Abbruch. Pacult übernahm im September 2006 eine am Boden liegende Mannschaft, führte sie im Mai 2007 auf Endrang vier und machte sie ein Jahr später sogar zum Meister.

Im August 2009 und 2010 erreichten die Hütteldorfer jeweils die Gruppenphase der Europa League. Geschafft wurde dies durch Erfolge über Aston Villa, womit Pacult das Kunststück gelang, erstmals einen österreichischen Club zu einem Europacup-Aufstieg gegen ein englisches Team zu führen.

Die insgesamt sechs Europa-League-Heimspiele bescherten Rapid zwar mit Ausnahme eines 3:0 über den Hamburger SV keine sportlichen Erfolge, aber sechsmal ein ausverkauftes Happel-Stadion. Durch diese Einnahmen sowie durch die millionenschweren Verkäufe von Ümit Korkmaz, Erwin Hoffer, Stefan Maierhofer oder Nikica Jelavic wurde Rapid in Pacults Zeit vom Sanierungsfall zu einem finanziell gesunden Club.

Aus sportlicher Sicht lief es zuletzt jedoch alles andere als wunschgemäß. Aufgrund der Niederlage gegen Sturm liegen die Grün-Weißen als Fünfte schon acht Punkte hinter Spitzenreiter Austria und drohen das Saisonziel - das Erreichen eines internationalen Startplatzes - zu verpassen. Allerdings könnte Rapid auch noch über den Umweg Cup das Europacup-Ticket lösen, im Viertelfinale wartet am 20. April ein Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten SV Mattersburg.

Zu diesem Zeitpunkt könnte sich Pacult schon in Leipzig befinden. Laut diversen Medienberichten dürfte der Wiener aber erst im Sommer das Amt beim Red-Bull-Club antreten, den er so schnell wie möglich von der vierthöchsten Spielklasse in die deutsche Bundesliga hieven soll.


Steckbrief von Peter Pacult, der am Montag als Trainer des österreichischen Fußball-Rekordmeisters SK Rapid Wien entlassen wurde:

PETER PACULT (51):
Geburtsdatum: 28. Oktober 1959
Geburtsort: Wien

Laufbahn als Spieler:
Floridsdorfer AC
Wiener Sportclub (1980-84)
Rapid (1984-86), Finale Europacup der Cupsieger 1985, Cupsieger 1985
Tirol (1986-92), Meister 1989 und 1990, Cupsieger 1989
FC Linz (1992/93)
1860 München (1993-1995)
Austria Wien (1995/96)

Laufbahn als Chef-Trainer:
1860 München (2001 bis 2003)
FC Kärnten (2004/05)
Dynamo Dresden (Dezember 2005 bis September 2006)
Rapid (September 2006 - April 2011)

Einsätze für Rapid Wien: 80 (58 Meisterschaft, 9 Cup, 13 Europacup)
Tore für Rapid Wien: 40 (26 Meisterschaft, 7 Cup, 7 Europacup)

Einsätze für das österreichische Nationalteam: 24
Tore für das ÖFB-Nationalteam: 1 (bei 2:4-Niederlage am 20. September
1988 in Prag gegen die CSSR)