Erstellt am 12. Juni 2013, 00:00

Viele Emotionen, neue Perspektiven. Erste Liga / Alfred Tatar wurde zum neuen SVM-Trainer bestellt, die neuen Weichen stehen: Da wurde gebellt, geweint und geklatscht.

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Von Bernhard Fenz

Die Info, dass Franz Lederer nicht mehr Trainer des SV Mattersburg sei, war bei der Pressekonferenz längst ausgesprochen. Dann kam sie aber doch noch über Martin Pucher, die emotionale Welle. Es blieb beim Versuch, die Erfolge des Langzeittrainers aufzuzählen, als dem SVM-Boss die Tränen einschossen. „Tut mir leid, aber ich bin auch nur ein Mensch,“ sprach der Präsident mit zitternder Stimme, und der kurze Gefühlsausbruch war nur allzu verständlich.

Schließlich hat Pucher, die personifizierte Fußball-Kontinuität, dem Mattersburger Urgestein jahrelang sein Vertrauen geschenkt. Jetzt, nach dem Abstieg, entschied er sich aber für einen Wechsel an der sportlichen Spitze – nicht ohne Franz Lederer beim Verein zu halten. „So viel Erfahrung lasse ich nicht gehen“, sprach er und verkündete, dass der 49-Jährige neuer Sportlicher Leiter sei. Klatschen. Bellen. Den Besuchern und Hunde-Maskottchen Liloo, das sonst das Vereinshaus und das Sekretariat unsicher macht, gefiel’s. Franz Lederer stellt sich somit einer neuen Herausforderung – auch wenn ihm die tägliche Arbeit am Platz womöglich abgehen werde.

Ernst Simmel, der die Manager-Funktion bekleidet hatte, zieht sich hingegen zurück, bleibt aber als Puchers Stellvertreter dem SVM erhalten.

Alfred Tatar (49) wiederum, Ex-Cheftrainer bei Ried und Admira, Ex-Assistent von Rashid Rachimov bei Admira, Amkar Perm und Lok Moskau sowie die letzten drei Jahre bei der Vienna tätig, wurde als neuer Chefcoach vorgestellt. Wieder Klatschen und Bellen. Pucher: „Er ist ein positiver Fußballnarr, der die Liga kennt.“ Rasch war er vom gebürtigen Zillingdorfer überzeugt, die Zielsetzung für die neue Saison lautet: „Vorne mitspielen – nicht zwingend der sofortige Wiederaufstieg. Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor den Konkurrenten.“

Dass an die Spitze der Ersten Liga gedacht werden kann, dafür sei klarerweise die gesunde wirtschaftliche Basis verantwortlich. So könne sich das auf die Erste Liga abgespeckte Budget von 3,5 bis 3,8 Millionen Euro sehen lassen. „Wir fallen in kein Loch.“

Neues Trainerteam,  

Tatar wiederum ließ wissen, dass der SVM über kurz oder lang wieder ganz rauf gehört, bestätigte seinen neuen Chef aber: „Die Liga ist schwierig zu bespielen – die Konkurrenz ist riesig. Für uns als Absteiger, die wir auch zu den Favoriten zählen, wird hundertprozentige Arbeit erforderlich sein – und dafür stehen wir.“

Er selbst strich bei Mattersburg drei tragenden Säulen heraus, die Grün-Weiß auszeichnen: Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur (Akademie) und die sportliche Komponente. „Das alles hat für mich den Ausschlag gegeben, dem Ruf des Präsidenten zu folgen.“

Zur Seite stehen wird Tatar künftig Markus Karner (34) – er ist bereits als SVM-Trainer hauptangestellt und fungierte zuletzt als Assistent von Heinz Griesmayer bei den Amateuren (dort folgt ihm nun Max Schmidt). Gleichzeitig trennen sich die Wege mit dem bisherigen Co-Trainer Goce Sedloski. Auch Ivo Smudla bleibt nicht „Co“, er wird aber in die Akademie wechseln.

Auf Spielerseite wiederum müssen sich Ilco Naumoski, Adnan Mravac, Ivica Majstorovic und Alex Pöllhuber neue Vereine suchen. Christian Gartner und Marvin Potzmann gehen ebenfalls – Letztere allerdings freiwillig.

Bei Florin Lovin ist die Zukunft noch ungewiss, Wil Domoraud dürfte bleiben – Alfred Tatar hätte ihn jedenfalls gerne im Kader. Wie viele neue Profis noch geholt werden, ließ die SVM-Spitze offen, Martin Pucher betonte aber auch interne Verstärkungen: „Viele Verletzte kommen in der nächsten Zeit zurück, das sind unsere wichtigsten Neuzugänge.“ Nedeljko Malic, Lukas Rath, Manuel Seidl und Dominik Doleschal lassen grüßen. Heute, Mittwoch, startet die Vorbereitung.

Neo-Trainer Alfred Tatar, SVM-Präsident Martin Pucher mit Maskottchen Liloo, Neo-Co-Trainer Markus Karner (v.l.).

Hafner