Erstellt am 23. Dezember 2014, 10:49

von APA/Red

Vierschanzen-Tournee schwere Aufgabe für ÖSV-Team. Sechs Siege in Serie, 17 von 24 möglichen Tageserfolgen - die Vierschanzen-Tournee ist seit 2008/09 tief rot-weiß-rot gefärbt.

Ab Sonntag steht diese einmalige Serie bei der 63. Auflage der Skisprung-Veranstaltung auf dem Prüfstand. Für den nächsten ÖSV-Streich drängt sich vor allem Michael Hayböck auf. Der Oberösterreicher gilt aufgrund von vier dritten Plätzen als Mitfavorit.

Neben dem 23-Jährigen haben in diesem Winter aber auch andere Konstanz auf hohem Niveau bewiesen. Und im Gegensatz zu Hayböck auch schon gewonnen. Der Tscheche Roman Koudelka (3) und Simon Ammann (SUI/2) sogar schon mehrfach. Die Hoffnungen der deutschen Co-Gastgeber ruhen auf Severin Freund. Der Skiflugweltmeister könnte wie auch Altmeister Noriaki Kasai (JPN) und Weltcup-Spitzenreiter Anders Fannemel (NOR) die teils schon sehr langen Tournee-Durststrecken ihrer Nationen beenden.

Diethart nicht in Form

Genährt werden ihre Hoffnungen von der verlorengegangen Dominanz der ÖSV-"Adler". Thomas Morgenstern ist zurückgetreten, Gregor Schlierenzauer derzeit nicht in der Topform vergangener Tage. Der zweifache Tourneesieger Schlierenzauer hat neben einigen ungewohnt schlechten Ergebnissen in diesem Winter aber auch schon gewonnen und stand ein weiteres Mal auf dem Podest. Aus dem ÖSV-Septett sollte man auch Stefan Kraft auf der Rechnung haben, der es zweimal auf das Stockerl geschafft hat.

Der Titelverteidiger wird diesmal wohl nur eine Nebenrolle spielen. Thomas Diethart war bis zur Generalprobe in Engelberg völlig außer Form, ein 17. Platz reichte ihm zur Nominierung. Mit Andreas Kofler ist ein weiterer ehemaliger Tournee-Gewinner nicht in bester Verfassung. Wolfgang Loitzl, der Sieger von 2009, ist erst gar nicht dabei. Für den formschwachen Steirer nominierte Cheftrainer Heinz Kuttin aus dem Kontinentalcup-Team Manuel Poppinger. Den zusätzlichen siebenten Platz erhielt mit Manuel Fettner ebenfalls ein Springer aus der zweiten Reihe.

"Werden ganz stark mitmischen"

Kuttin ist insgesamt zuversichtlich, aber keineswegs euphorisch. "Es gibt viele, die die Tournee gewinnen können, drei, vier Österreicher sind dabei. Ich hoffe, dass wir ganz stark mitmischen werden", betonte der Nachfolger von Erfolgstrainer Alexander Pointner. Ein weiterer ÖSV-Triumph werde ein hartes Stück Arbeit. "Es wird irrsinnig schwer, aber wir sind gut gewappnet. Ich traue es mehreren zu. Wir freuen uns auf die Tournee, und wir hoffen, dass wir das gute Ende für uns haben werden."

Zunächst stehe über die Feiertage aber vor allem Regeneration im Vordergrund. Seinen Assen steckt noch die anstrengende Russland-Reise in den Knochen. Einige andere Topspringer haben diesen Trip ausgelassen. Danach in Engelberg vermochte aus Kuttins Truppe nur Hayböck gänzlich zu überzeugen. Für Kuttin ist das aber nicht beunruhigend, denn die Anlagen bei der Tournee kommen seinen Athleten insgesamt besser entgegen. "Jetzt kommen vier moderne Schanzen, auf denen wir viel trainiert haben. Wir fühlen uns dort wohl und haben zweimal Heimvorteil."

Nur Hayböck "konstant vorne"

Auf Hayböck konnte Kuttin im bisherigen Winter aber allerorts zählen. Der 23-Jährige landete in allen neun Bewerben in den Top Ten. In der Schweiz wurde er wie auch schon in Lillehammer zweimal Dritter. "Es ist ganz wichtig für alle, dass einer konstant vorne ist. Er hat sich persönlich so gut entwickelt. Er ist in einem Fahrwasser drinnen, wo er sagen kann, er kann jeden Sprung genießen", meinte Kuttin.

Dass für den ersten Sieg einfach alles zusammenpassen muss, hat Hayböck zuletzt aber auch mehrfach feststellen müssen. Der Oberösterreicher ist nach seiner mit Abstand besten Karrierephase jedoch auch so "sehr zufrieden". Im Vorjahr, als Hayböck noch nicht zum Weltcupstamm gezählt hatte, war er bei der Tournee als viertbester Österreicher Gesamt-Neunter. Mittlerweile ist er der Topmann im ÖSV-Lager. "Ich kann mit einem sehr guten Gefühl Weihnachten feiern. Bei mir ist alles bestens. Ich freue mich, wenn die Tournee losgeht", betonte Hayböck.

Schlierenzauer hat nach einer Materialumstellung noch immer einige Probleme. Man sollte den Tiroler - der schon bei neun Tournee-Tageserfolgen hält - aber nicht vorzeitig abschreiben. "Jetzt kommt der erste Höhepunkt, wo man das, was man drauf hat, abrufen muss. Das hat heuer schon sehr gut funktioniert, manchmal fuchst es aber noch. Es ist alles ist möglich, auch der Tourneesieg", bekräftigte der Weltcup-Rekordmann.