Erstellt am 26. Juni 2013, 00:00

„War eine grandiose Zeit“. Der Langzeit-Trainer spricht / Franz Lederer, von November 2004 bis Juni 2013 Coach des SV Mattersburg und mittlerweile Sportlicher Leiter, blickt zurück, aber vor allem auch voraus.

 |  NOEN

BVZ: Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie an den 26. Mai zurückdenken? Der SVM ist durch ein 0:1 in der letzten Runde gegen die Admira völlig überraschend abgestiegen. Sticht es Sie noch, oder können Sie die Ereignisse schon vernünftig rekapitulieren?

Franz Lederer: Es sticht mich. Ich will diesen Tag auch gar nicht mehr vernünftig rekapitulieren.

Muss man so ein Ereignis nicht aufarbeiten, um damit abschließen zu können, oder sperrt man so etwas im Kopf einfach weg?

Lederer: Bei mir ist es eher Zweiteres. Das, was da gelaufen ist und wie das alles von der Konstellation her passieren konnte, auf eine Vernunftschiene zu bringen, ist schwierig. Daher blicke ich, wenn es irgendwie geht, nur noch nach vorne.

Verfolgt Sie die abgelaufene Saison trotzdem nach wie vor?

Lederer: Natürlich denke ich immer wieder darüber nach, was in dieser Saison 12/13 bis hin zum 26. Mai alles gegen uns gelaufen ist – angefangen von zahlreichen Verletzungen bis zu den Punkten, die man schon im Sack’l hatte, aber dann doch noch hergeschenkt hat.

Von November 2004 bis Juni 2013 waren Sie über 300 Bundesliga-Spiele lang Cheftrainer, wurden einmal sogar Dritter, erreichten zweimal das ÖFB-Cupfinale, waren mit dem SVM im internationalen Geschäft, erlebten aber auch harte Abstiegskämpfe und nun den Gang in die Erste Liga. Wie hat sich Mattersburg unter Ihrer Führung in achteinhalb Jahren entwickelt?

Lederer: 2004 hatten wir für Mattersburger Verhältnisse eine gestandene Truppe. Junge Spieler haben erst langsam reingeschnuppert – ein Christian Fuchs hat es etwa geschafft. Im Lauf der Jahre musste man dann den Umbruch einleiten. Jetzt gibt es auch eine gestandene Truppe, die aber jünger ist und die – auch wenn sie jetzt nicht mehr ganz oben spielt – viel mehr Perspektiven für die nächsten Jahre hat.

Warum klappte die sportliche Entwicklung trotzdem nicht immer?

Lederer: Wir waren gegen Altach oder gegen den LASK im Abstiegskampf: Wenn du in dem Strudel drin bist, ist es unheimlich schwer, dich auf Entwicklungsarbeit zu konzentrieren – da geht es nur ums Überleben.

Im Frühjahr 2012 gab es vor der Abstiegssaison gute Ergebnisse.

Lederer: Da war auch eine klar ersichtliche Weiterentwicklung im technisch taktischen Bereich spürbar. Dass diese Entwicklung dann nach dem guten Start in die neue Saison abgerissen ist und wir wieder in ein Loch gefallen sind, ist die andere Seite.

Heraus kam letztlich der Abstieg.

Lederer: Dass die Öffentlichkeit jetzt sagt, beim Lederer ist nichts weitergegangen und es ist stagniert, muss ich akzeptieren.

Ist es bedrückend, dass die sportlichen Höhepunkte der Vergangenheit in der Öffentlichkeit fast schon wieder vergessen sind?

Lederer: Das ist der Fußball. Am 19. Mai – Sieg gegen Rapid: Standing Ovations. Eine Woche später sind wir die Deppen.

Blicken Sie trotzdem mit einem guten Gefühl zurück? Immerhin haben Sie einiges erreicht.

Lederer: Ich denke schon, dass ich das sagen kann. Die Highlights wurden oft genug schon angeführt – das vergisst man dann schnell –, die Niederungen waren auch dabei, aber auch da sind wir oft genug rausgekommen, das war nicht immer einfach. Abstiegskämpfe sind kein Honiglecken.

Wie sehen Sie diese achteinhalb Jahre als Trainer heute?

Lederer: Kein Tag war für mich Normalität. Ich habe immer gewusst, was es bedeutet, als Mattersburger bei Mattersburg Cheftrainer sein zu dürfen. Es war für mich eine grandiose Zeit.

Seit 10. Juni sind Sie offiziell Sportlicher Leiter – und als solcher auch für Management-Aufgaben verantwortlich. Diese Position hat es beim SVM in der Form noch nicht gegeben. Wie weit haben Sie sich schon eingelebt?

Lederer: Es geht sicher nicht mit einem Fingerschnippen. Mein unschätzbarer Vorteil ist: Das Fußball-Fachwissen ist da. Alle Aufgaben, die das Management und die Koordination betreffen – Stichwort Durchfluss Akademie, Amateure, Profis – sind nicht von heute auf morgen zu bewältigen, das weiß ich. Aber das macht es auch spannend.

Sie waren jahrelang als Trainer tätig. Wie schwer fällt es, nicht mehr täglich am Platz zu sein?

Lederer: Es ist schon gewöhnungsbedürftig.

Fühlen Sie sich weiterhin als Trainer?

Lederer: Nein. Ich denke vielleicht wie ein Trainer, wenn ich mir Abläufe anschaue, mehr aber nicht.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Chefcoach Alfred Tatar?

Lederer: Er ist total unkompliziert und hat einzig und alleine im Fokus, dass hier etwas weitergeht. Da sind wir auf einer Wellenlänge. Sollte etwas einmal nicht harmonisch ablaufen, muss das nicht schlecht sein – Reibung kann ja auch positive Energie erzeugen.

Welche Chancen hat die Mannschaft des SV Mattersburg in der Ersten Liga?

Lederer: Sie kann, wenn alles angenommen wird, vorne mitspielen. Wir kennen die Gegner und die Bedingungen aber nicht gut. In der Ersten Liga werden wir das Spiel machen müssen. Da muss man abwarten, wie die Mannschaft damit umgeht.

Ist Ihre Trainerzeit eigentlich vorbei, oder schließen Sie ein Comeback auf der Bank – egal ob Profi-, Amateur- oder Nachwuchsbereich – nicht kategorisch aus?

Lederer: Jetzt will ich meine neue Aufgabe so gut wie möglich meistern. Ich sage aber mit knapp 50 nicht: Trainer, das war‘s.

Interview: B. Fenz

Achteinhalb Jahre stand Franz Lederer als SVM-

Coach an der Linie.