Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

Wenn die Moral den Rückschritt schlägt. TIPP3 BUNDESLIGA / Eine Aufholjagd gegen Sturm rückte die Mattersburger Mangelerscheinungen in den Hintergrund.

Wie alles begann: Ilco Naumoski (2.v.r.) traf gegen Sturm Graz nach 58 Sekunden zum 1:0. Dann passierte aus Mattersburger Sicht lange nichts, ehe es am Ende rund ging – 3:3.FRANZ BALDAUF  |  NOEN
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VON BERNHARD FENZ

Selbst der gesperrte Kapitän Michi Mörz – er verfolgte die Partie vom Balkon des Vereinshauses aus – getraute sich am Sonntag im Pappelstadion nicht so recht an das glauben, was kurz vor 18 Uhr wahr wurde: Der SV Mattersburg korrigierte durch zwei Tore in der Nachspielzeit eine 1:3-Niederlage noch in ein 3:3-Remis. „Angesichts der zweiten Halbzeit hatte es nicht den Anschein, dass noch etwas geht, im Gegenteil. Umso erfreulicher ist es, dass die Mannschaft das noch gepackt hat.“

Realistisch konnte tatsächlich niemand mit diesem finalen Spielverlauf rechnen. Zu klar hatte Sturm Graz die Partie im Griff, nachdem die erste knappe halbe Stunde der Partie Mattersburg noch von der frühen Führung durch Ilco Naumoski gezehrt hatte. Nach dem 1:3 drehte sich dann alles. Sturm verlor langsam, aber doch die Kontrolle und ließ sich von den Gastgebern in die eigene Hälfte drängen. Der Rest ist bekannt: Erst gelang Patrick Bürger ein fantastisches Fersler-Volley-Tor, ehe Naumoski mit der letzten Aktion nach einem Corner und Getümmel (die Grazer reklamierten Tormannfoul) einen Pöllhuber-Fersler aus nächster Nähe versenkte und das spärlich besetzte Stadion kurzfristig in ein Tollhaus verwandelte.

„Ich hätte es mir  gerne erspart“

Trainer Franz Lederer, selbst schon lange dabei, wertete die Partie zwar als „denkwürdiges Highlight“, stellte aber im gleichen Atemzug klar: „Ich hätte es mir gerne erspart.“ Nicht, dass er über die zwei Tore unglücklich war („Das 3:3 war von der Wucht und von der Emotion her wunderbar“), vielmehr verlor der 47-Jährige nicht den kritischen Blick auf die ganze Partie: „Rein spielerisch war das Match ein Rückschritt – bis auf die letzten 15 und die ersten 25 Minuten haben wir nicht gut agiert.“

Was hat schlecht funktioniert? „Wir haben nicht so früh wie nötig gestört, sind oft nur im Raum gestanden und haben die Grazer zu leicht schalten und walten lassen.“ Die Aufholjagd im Finish entschädigte aber nicht nur die Fans, sondern zeigte auch die Moral der Mannschaft.

Am Samstag geht die Punktejagd für die Burgenländer in Ried weiter. Lederer erwartet dabei einen Gegner, der „uns respektieren, aber sicher nicht übertrieben vorsichtig auftreten wird“. Bei den Gästen fällt Manuel Seidl aufgrund einer Seitenbandverletzung aus, was nach Stefan Ilsankers Mittelfußknochenbruch die Personalsituation im (defensiven) Mittelfeld nicht leichter macht. Ivan Parlov steht mit seiner trockenen Spielweise bereit – wer an seiner Seite werken wird, ist aber noch fraglich.

Vielleicht darf ja Michi Mörz auf der zentralen Position ran. Er kehrt nach seiner Sperre in den Kader zurück und freut sich bereits auf die Reise nach Oberösterreich, denn: „Zu biegen sind alle Mannschaften. Außerdem sind wir auswärts bislang meist gut aufgetreten. Wir wollen dort auf jeden Fall etwas mitnehmen.“